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07.03.2003

10:00 Uhr

Rückgang der Buchungen

Angst vor Irak-Krieg verschärft Reisekrise

Die seit mehr als einem Jahr andauernde Krise der deutschen Reiseindustrie hat sich angesichts des drohenden Irak-Krieges in den vergangenen Wochen deutlich verschärft. Nach Angaben des führenden Reisereservierungssystems Start Amadeus lag die Zahl der Buchungen von privaten Urlaubsflugreisen Ende Februar um 14,5 Prozent unter dem vergleichbaren Vorjahreswert.

Reuters BERLIN. "Der Rückstand gegenüber dem Vorjahr hat sich im Februar noch vergrößert", teilte Start Amadeus am Freitag zum Auftakt der Internationalen Tourismus-Börse (ITB) in Berlin mit. Ende Januar hatte das Minus etwa zwölf Prozent betragen. Bereits im vorigen Jahr war in Folge der Anschläge vom 11. September und der ohnehin schwachen Konjunktur die Zahl der Reisebuchungen in Deutschland stark zurückgegangen.

Die Buchungszahlen von Start Amadeus, wo nach eigenen Angaben knapp 85 Prozent aller deutschen Flugbuchungen abgewickelt werden, ziehen die positiveren Angaben des Deutschen Reisebüro- und Reiseveranstalterverband (DRV) in Zweifel. Der DRV hatte erst vor wenigen Tagen den Rückstand der Branche in Deutschland zum Vorjahr auf sechs Prozent beziffert, dies allerdings auf die gebuchen Umsätze bezogen.

"Die Wertigkeit, also der Preis der gebuchten Reisen muss in diesem Jahr demnach besonders hoch sein. Anders lässt sich das sehr geringe Umsatzminus im Vergleich zu dem sehr hohen Rückgang der Buchungen nicht erklären", sagte Start-Sprecherin Dorothea Hohn der Nachrichtenagentur Reuters. Allerdings hatte DRV-Präsident Klaus Laepple am vergangenen Montag erklärt, die Reiseveranstalter hätten ihre Preise um durchschnittlich neun Prozent in diesem Jahr gesenkt.

Neben der seit längerem anhaltenden Konsumflaute sei für den starken Rückgang im Februar vor allem die aktuelle Irak-Krise verantwortlich. "Irak, Irak, Irak. Es gibt in der öffentlichen Diskussion praktisch nur dieses eine Thema. Und deshalb wollen die Menschen zur Zeit keinen Flugurlaub buchen", sagte Hohn.

Deutschland ist für die beiden führenden europäischen Touristikkonzerne Tui und Thomas Cook trotz der Übernahmen großer Reiseveranstalter in Großbritannien und anderen Ländern weiterhin wichtigster Einzelmarkt. Tui hatte kürzlich den Buchungsrückstand konzernweit auf lediglich drei bis vier Prozent beziffert. An diesem Samstag will sich Tui-Chef Michael Frenzel auf der ITB detaillierter zur aktuellen Entwicklung des weltweit größten Reisekonzerns äußern.

Konkurrent Thomas Cook nannte für die Sommersaison ein konzernweites Minus von neun bis zehn Prozent. Gut abgeschnitten haben bisher lediglich die Anbieter besonders preiswerter Reisen, darunter auch die Veranstalter der Rewe Touristik ITS und Tjaereborg, die nach Rewe-Angaben noch leicht über dem Vorjahr liegen, allerdings im Februar mit rückläufiger Tendenz.

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