Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

09.01.2002

13:44 Uhr

Rückkehr des alten Freundes

Gaddafi zweitgrößter "Juve"-Aktionär

Die "Große Alte Dame" des italienischen Fußballs ist zum Teil in die Hände von Muammar el Gaddafi gefallen. Der libysche Staatschef ist seit dieser Woche der zweitgrößte Aktionär des italienischen Fußball-Rekordmeisters Juventus Turin. Über seine Investmentgesellschaft "Lafico" hat Gaddafi für 22,9 Mill. Euro rund 6,4 Mill. "Juve"-Aktien an der Mailänder Börse aufgekauft.

dpa TURIN. Von Empörung oder Entrüstung über den Finanzcoup des Libyers war in Turin keine Spur. Im Gegenteil: Gaddafi ist schließlich so etwas wie ein guter alter Geschäftsfreund der Agnellis, die weiterhin mit 63 % die Mehrheit der "Juve"-Papiere kontrollieren.

Vor 26 Jahren hatte Fiat-Boss Gianni Agnelli schon einmal ein Aufsehen erregendes Geschäft mit Gaddafi gemacht, als er dem Libyer 9,09 % seines Unternehmens verkaufte. Der kriselnde Autobauer brauchte Geld, und Libyens Diktator Gaddafi musste seine Öl-Dollars investieren. 1986 kaufte Agnelli das mittlerweile auf 15,19 % angewachsene Aktienpaket den Libyern wieder ab. Fiat war wieder flott gemacht, und Gaddafi strich dank der Kursgewinne umgerechnet rund 1,5 Mrd. Euro ein.

Auch diesmal hoffen beide Seiten auf ein gutes Geschäft. "Juve" spekuliert laut "La Gazzetta dello Sport" auf bessere Vermarktungschancen in Afrika. Gaddafi setzt auf "Mondo Juve", das mit dem Börsengang im Dezember 2001 vorgestellte Projekt einer Umwandlung des Fußballclubs in einen breit gefächerten Unterhaltungskonzern. "Juve", das seit fünf Jahren Gewinne einfährt, wird nicht mehr nur mit Fußball Geld verdienen, sondern auch mit Freizeitzentren, Kinos und Restaurants. Anders als viele andere Fußball-Aktien soll der Kurs des Fußball-Papiers nicht so stark vom sportlichen Erfolg des Clubs abhängen.

Der allerdings wird Großaktionär und Sportfan Gaddafi auch am Herzen liegen. Auch dessen Sohn Al Saadi, einst selbst Nationalkicker und jetzt Club-Präsident von Al Ittihad, gilt als großer "Juve"-Fan. "Das Aktienpaket ist auch ein Geschenk an seinen Sohn", kommentierte die "Gazzetta dello Sport" am Mittwoch. Dem Fachblatt zu Folge will Gaddafi mit Hilfe des italienischen Trainers Franco Scoglio und vielleicht auch mit "Juves" Unterstützung seine Nationalelf zur Fußball-Weltmeisterschaft 2006 nach Deutschland bringen.

Von Juventus Turin gehören Gaddafi jetzt 5,31 %. Geschäftsführer Antonio Giraudo kommt als drittgrößter Aktionär auf 3,6 %. 28,09 % der "Juve"-Papiere verteilen sich auf Klein-Aktionäre.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×