Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

05.02.2003

13:15 Uhr

Rückkehr in die Gewinnzone erwartet

Commerzbank nimmt Privatkunden ins Visier

Die Commerzbank will sich strategisch neu ausrichten und als flächendeckende Bank für gehobene Privatkunden und den Mittelstand 2003 in die Gewinn-Zone zurück.

Die Commerzbank-Zentrale in Frankfurt, Foto: dpa

Die Commerzbank-Zentrale in Frankfurt, Foto: dpa

Reuters FRANKFURT. Bankchef Klaus-Peter Müller hat seinem Institut einen noch strikteren Sparkurs verordnet und kündigte bei der Vorlage der Geschäftszahlen für 2002 am Mittwoch einen beschleunigten Abbau von Industriebeteiligungen an.

Spekulationen um eine bevorstehende Fusion der Commerzbank mit anderen Instituten erteilte der Vorstandssprecher erneut eine klare Absage. Der Aktienkurs drehte nach anfänglichen Verlusten bis zum Nachmittag ins Plus und notierte 0,78 Prozent höher bei 6,43 Euro.

Trotz Verlust Dividende möglich

Wegen hoher Verluste im vierten Quartal ist die Bank im Gesamtjahr 2002 erstmals in ihrer Firmengeschichte in die roten Zahlen gerutscht, will den Aktionären aber dennoch eine Dividende von 0,10 (Vorjahr: 0,40) Euro pro Aktie zahlen.

Der Vorsteuerverlust für 2002 betrage 372 Millionen Euro nach einem Gewinn von 43 Millionen Euro im Vorjahr, teilte das Institut mit. Nach Steuern lag der Verlust bei 298 Millionen Euro. Der Verlust war größer als von Analysten erwartet. Sie äußerten sich enttäuscht über die operativen Zahlen, lobten aber die Kostensenkungen.

"Unsere Planung 2003 sieht vor, dass wir wieder schwarze Zahlen schreiben. Wie hoch das Ergebnis sein wird, lässt sich zu so einem frühen Zeitpunkt noch nicht abschätzen", sagte Müller. Bis Ende 2004 solle der Verwaltungsaufwand weiter deutlich sinken, und zwar auf 4,5 (2002: 5,15) Milliarden Euro. Insgesamt will sich das Institut stärker auf seine Kerngeschäftsfelder des Filial- und Firmenkundengeschäfts konzentrieren, nachdem es seine außereuropäischen Aktivitäten im Investmentbanking schon deutlich zurückgefahren hat.

Müller betonte, dass zunächst an den Sachkosten gespart werde und die Bank bei weiteren Stellenstreichungen sehr zurückhaltend sein werde. "Es ist noch zu früh, um etwas über Umfang zusätzlicher Streichungen sagen zu können." Der Bankkonzern beschäftigte zum Jahresende insgesamt gut 37 000 Mitarbeiter und hatte für das laufende Jahr bereits den Wegfall von bis zu 3000 Stellen angekündigt.

Fusionsgerüchten Absage erteilt

Akquisitionen im Privatkundenbereich schloss Müller nicht aus. "Um mögliche Zukäufe zu finanzieren, aber auch zur Schonung des Eigenkapitals und um der Konzentration auf Kernaktivitäten Ausdruck zu geben, werden wir den Verkauf von nichtstrategischen Beteiligungen im Finanz- wie im Industriebereich aktiv vorantreiben", sagte er. Dabei werde sich die Bank aber nur auf Verkäufe einlassen, wenn der Preis stimme und die betreffende Gesellschaft damit einverstanden sei.

Der Commerzbank-Chef erteilte gleichzeitig Fusionsgerüchten - am Markt wurde in der Vergangenheit immer wieder von einem Zusammengehen mit der HypoVereinsbank gesprochen - eine neuerliche Absage: "Ich dementiere erneut, dass wir Fusionsgespräche mit der HypoVereinsbank führen oder das wir dies in näherer Zukunft tun werden."

Analysten sind enttäuscht

Analysten zeigten sich von den operativen Zahlen enttäuscht, sahen aber vor allem bei den Kosten Lichtblicke. "Die Kosten scheinen wirklich im Griff zu sein und auch der Anstieg der Kernkapitalquote ist positiv. Die Ertragsseite war aber sehr schwach, dabei fällt insbesondere der Provisions- und Zinsüberschuss ins Auge", sagte Georg Kanders von WestLB Panmure. Die für die Refinanzierung wichtige Kernkapitalquote verbesserte sich auf 7,3 (6,0) Prozent. Kanders rechnet im Jahresverlauf wieder mit schwarzen Zahlen und lässt sein Rating angesichts des niedrigen Aktienkurses bei "outperform". Die Rating-Agentur Standard & Poor's hat einen pessimistischeren Ergebnisausblick. "Die Bank wird es sehr schwer haben, 2003 wieder profitabel zu werden", sagte S&P-Analyst Stefan Best.

Verluste höher als erwartet

Allein im vierten Quartal verzeichnete das Institut einen Vorsteuerverlust von 417 Millionen Euro. Die Bank hat hohe Restrukturierungsaufwendungen im Schlussquartal gebucht, was sich entlastend auf die Ergebnisse im laufenden Jahr auswirkt. Bei der Risikovorsorge erreichte die Bank 2002 ihr Ziel mit 1,32 Milliarden nach 927 Millionen Euro im Vorjahr. 2003 peilt das Institut 1,25 Milliarden an.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×