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26.03.2003

09:50 Uhr

Rückversicherer will drei Milliarden Euro am Anleihemarkt aufnehmen – Moody’s überprüft Rating

Münchener Rück zapft Kapitalmarkt an

Die Münchener Rück will ihre Kapitalbasis stärken und eine Anleihe in Höhe von drei Milliarden Euro auflegen. Eine Kapitalerhöhung, wie sie zuletzt die Allianz vornahm, ist damit zunächst vom Tisch. Doch für eine Entwarnung ist es noch zu früh: Die Ratingagentur Moody?s prüft derzeit das Rating - es droht eine Herabstufung.

cbu/Reuters MÜNCHEN. Die Münchener Rückversicherung will nach Angaben aus Finanzkreisen rund drei Milliarden Euro am Anleihemarkt aufnehmen, um ihre Kapitalbasis zu stärken. "Drei Milliarden Euro sind etwa die Größenordnung, die die Münchener Rück anpeilt", sagte ein mit der anstehenden Transaktion Vertrauter am Dienstag der Nachrichtenagentur Reuters. Es sei dabei denkbar, dass nicht eine einzige sondern mehrere Emissionen in verschiedenen Währungen begeben würden. Ein Sprecher der Münchener Rück gab am Dienstagabend keinen Kommentar ab und verwies auf die Bekanntgabe der Geschäftszahlen für 2002 am Donnerstag. Dann sollen auch erste Details zur Kapitalmarkttransaktion genannt werden. In der vergangenen Woche hatte das Unternehmen lediglich angekündigt, eine nachrangige Schuldverschreibung begeben zu wollen.

Die internationale Ratingagentur Moody?s prüft derzeit die Finanzsituation der Münchener Rück. Wie Moody?s gestern mitteilte, sind der weltgrößte Rückversicherer und seine Tochtergesellschaften auf die Beobachtungsliste gesetzt worden. Möglicherweise droht eine Herabstufung des derzeitigen Ratings "Aa1".

Zu Begründung führte Moody?s an, die Kapitalbasis habe sich verschlechtert. Dies resultiert unter anderem aus den heftigen Kursverlusten der Allianz und der Hypo-Vereinsbank. An beiden Unternehmen ist die Münchener Rück mit gut 21 % bzw. mit etwa 26 % beteiligt. Die Börse reagierte mit Gelassenheit. Die Aktie der Münchener Rück lag gestern sogar leicht im Plus. Bereits im vergangenen Jahr gab es Herabstufungen durch Moody?s und Standard & Poor?s. Ein Sprecherin der Münchener Rück sagte gestern, der Schritt sei nicht unerwartet gekommen. Zudem sei das Rating noch nicht gesenkt, sondern werde zunächst nur überprüft.

Am morgigen Donnerstag wird die Münchener Rück ihre Zahlen für 2002 vorlegen. Für das vierte Quartal erwarten Analysten wegen der Beteiligungen sowie Wertpapierabschreibungen einen Netto-Verlust von knapp 1,3 Mrd. Euro. Der Münchener Rück macht zudem die Börsen-Baisse zu schaffen. Nur dank hoher Gewinne aus den Beteiligungsverkäufen erzielte der Konzern zuletzt noch ein Plus. Für das Gesamtjahr hatte Controlling-Vorstand Jörg Schneider schwarze Zahlen angekündigt. Nach Analystenschätzung wird unter dem Strich noch ein Überschuss von 1,8 Mrd. Euro übrig bleiben.

Erst in der vergangenen Woche hatte die Allianz Pläne für eine Kapitalerhöhung von bis zu 4 Mrd. Euro bekannt gegeben. Der Münchener Versicherer reagierte ebenfalls auf großen Druck der Ratingagenturen, die der Allianz mit einer Herabstufung gedroht hatten. Deshalb will der Versicherer trotz der extrem unsicheren Lage die Kapitalmärkte anzapfen. Allianz-Finanzvorstand Paul Achleitner geht davon aus, dass damit das Rating vorerst gesichert ist.

Moody?s prüft zudem die Ratings der Lebensversicherer im Konzern der Münchener Rück, Hamburg-Mannheimer und Victoria, sowie der US-Tochter American Re. Letztere hatte zuletzt mit großen Problemen und hohen Verlusten zu kämpfen. Die Münchener Rück musste der US-Tochter bereits mit frischem Kapital in Höhe von zwei Mrd. Euro unter die Arme greifen.

Für das letzte Quartal 2002 rechnen Analysten im Durchschnitt mit einem Nettoverlust von knapp 1,3 Mrd. Euro für die Münchener Rück. Dank hoher außerordentlicher Gewinne aus Beteiligungsverkäufen von etwa 4,7 Mrd. Euro wird der Konzern für das Gesamtjahr aber schwarze Zahlen ausweisen.

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