Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

28.04.2003

07:30 Uhr

Rummenigge kündigt einen Spielertransfer mit „Wow“-Effekt an

Meisterfeier auf bayerische Art

VonDaniel Pontzen (Handelsblatt)

Oliver Kahn und Franz Beckenbauer sind nicht dabei, als sich der deutsche Rekordmeister standesgemäß bejubelt - und von der Rückkehr in Europas Spitze träumt. Möglicherweise mit Real-Star Louis Figo im Kader.

Endlich der ersehnte Titel für Michael Ballack. Foto: dpa

Endlich der ersehnte Titel für Michael Ballack. Foto: dpa

MÜNCHEN. Als die Polizisten eintrafen und die Feiergemeinschaft baten, doch bitte die Fenster zu schließen, war die Gesellschaft längst außer Rand und Band. Es galt ein Versprechen einzulösen. Noch in Wolfsburg hatte Bayern Münchens Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge nach dem Gewinn der 18. Meisterschaft angekündigt: "Es wird eine Feier, die FC-Bayern-like ist." Er sollte Recht behalten, in vielerlei Beziehung.

Sternekoch Alfons Schuhbeck hatte seine Südtiroler Stuben dekoriert. "Wir haben ihn aus der Kabine angerufen und ihm gesagt, dass er für uns frei räumen muss", berichtete Uli Hoeneß. Schuhbeck hatte freigeräumt. 40 andere Gäste quartierte er dazu kurzerhand um. Meisterbonus. Als es sich die Jubelnden auf den Polstersitzen in dem fein vertäfelten Saal bequem gemacht hatten, reckten sie die Meisterschale hoch - wenn auch eine alte. Die neue gibt es erst in drei Wochen, also hatten sie sich eilig ein Exemplar aus der Vereinsvitrine besorgt.

Für die Musik sorgte Alfred, der afro-amerikanische Alleinunterhalter. Er war mit der Lufthansa aus Los Angeles angereist - nur "Proffis" waren engagiert, wie Ottmar Hitzfeld sagen würde. Deshalb walzte Alfred eifrig hinter seinem Keyboard hin und her, und bald schon johlte eine Horde Spieler altbekannte Lieder, besonders inbrünstig die musikalischen Werke von Wolfgang Petry und Frank Sinatra. Zwischendurch aßen sie vom FC-Bayern-Salat, dem Beerlauchpüree oder Kaiserschmarrn mit Rhabarber.

Franz Beckenbauer blieb der Feier übrigens fern, ein Freund feierte seinen Sechzigsten. Seine Absenz passte ins Bild der letzten Wochen. Die Münchner Handlungsbevollmächtigten - Rummenigge und Hoeneß - vertraten zuletzt meist eine andere Meinung als ihr Aufsichtsratsvorsitzender. Rummenigge etwa hatte mit der indirekten Androhung, die Fernsehrechte bald selbst vermarkten zu wollen, Beckenbauer zu deutlichen Widerworten animiert. Nun versicherte Rummenigge, "wir wollen keinen Streit mit ihm". Man habe telefoniert, "und danach hatte der Franz auch Verständnis für meine Meinung". Vielleicht hatte Rummenigge in dem Telefonat auch die "erstklassigen Kontakte zur EU" erwähnt, die "sehr stark an einer dezentralen Vermarktung interessiert" sei.

In finanzielle Schieflage sind die Bayern freilich noch nicht geraten, sonst hätte Rummenigge nicht einen sich anbahnenden Transfer der Größenordnung XXL erwähnt. Der Umworbene sei jemand, bei dem auch "die Leute in München noch ,Wow? sagen" würden. Geübten Spekulanten zufolge meinte er Luis Figo von Real Madrid, der bei den Spaniern im Falle einer Verpflichtung David Beckhams seinen Arbeitsplatz verlieren könnte. Vielleicht kündigte Uli Hoeneß auch deshalb schon einmal an, "Real wird bald wieder Angst haben müssen vor uns". Man wird ja noch warnen dürfen.

Für den Abend hatte Hoeneß eigentlich eine "etwas ruhigere Feier" erwartet, da der Titel in der Schönheit seiner Entstehung nicht vergleichbar sei mit der vergangener Saisonfinals. Mit 13 Punkten Vorsprung vier Spieltage vor Schluss hatten die Bayern ihren Fans diesmal Herzrhythmusstörungen erspart. Das 2:0 in Wolfsburg war eine Blaupause der Saison: Nicht brillant, aber äußerst souverän beherrschten die Bayern die Konkurrenz - diesmal durch Tore von Elber und Pizarro.

Bei der Meisterfeier tauchte später noch ein Überraschungsgast auf: Dortmunds Manager Michael Meier, der in der Stadt war, weil seine Borussia bei 1860 gespielt hatte. Er wollte persönlich gratulieren, und die Bayern-Granden boten bereitwillig einen Platz an. Wer sich der verbalen Bissigkeiten erinnerte, die zuletzt wieder regelmäßig ausgetauscht worden waren zwischen Dortmund und München, der wunderte sich ob der großen Heiterkeit, die sich am Tisch von Hoeneß, Rummenigge und Meier entlud.

Die Spieler interessierte wenig, wer zu Gast war, eher schon: wer nicht da war. Thomas Linke schaute ratlos: "Es ist schade, dass Oliver Kahn nicht hier ist. Er hatte einen großen Anteil am Titel." Der Kapitän schwänzte die Feier. Erst später sah er die meisten Kollegen wieder; im P1, der Diskothek, die er so lieb gewonnen hat in den letzten Monaten. Auch seine Ex-Geliebte Verena schwirrte durch den Laden, wenn auch nicht an seiner Seite. Da war nämlich Kahns Ehefrau.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×