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05.02.2003

13:03 Uhr

Rummenigge mahnt zur Geduld

Das Ende der vielen Zweifel für Deisler

Mit dieser Zugabe machte Trainer Ottmar Hitzfeld den ohnehin traumhaften Fußball-Abend des FC Bayern München komplett. Die Stadion-Uhr zeigte 22.03 Uhr, als Sebastian Deisler unter dem Beifall der 13 000 Zuschauer und seiner Team-Kollegen 262 Tage nach seiner schweren Knie-Verletzung erstmals im Trikot des Rekordmeisters den Rasen des Olympiastadions betrat. Dann durfte er auch noch 15 Minuten teil haben am 8:0-Schützenfest im DFB-Viertelfinale gegen einen desolaten Zweitliga-Spitzenreiter 1. FC Köln.

Der Moment, auf den er so lange gewartet hat: Deisler kommt für Ze Roberto aufs Feld. Foto: dpa

Der Moment, auf den er so lange gewartet hat: Deisler kommt für Ze Roberto aufs Feld. Foto: dpa

HB/dpa MÜNCHEN. Bei Deislers Eckstoß zum letzten Treffer durch Willy Sagnol blitze sogar die alte Klasse des Nationalspielers auf, der nach dem Comeback des Jahres seine große Erleichterung nicht verhehlte. "Das ist das Ende der vielen Zweifel - natürlich", gab der 23-Jährige zu.

Deisler war der Mann des Abends, auch wenn der bei den Bossen in Ungnade gefallene Giovane Elber drei Mal traf (7./32./70.), der 18 Jahre alte Bastian Schweinsteiger gleich eine doppelte Tor-Premiere als Profi feiern konnte (31./50), Owen Hargreaves ein Freistoß- Treffer in bester Scholl-Manier gelang (20.) und Ze Roberto seine starke Leistung mit einem seiner seltenen Tore krönte (55.).

Auch für Tribünengast Rudi Völler war die Einwechslung seines neben Jens Nowotny größten "Sorgenkindes" der bewegendste Moment in außergewöhnlichen 90 Minuten. "Ich war auch überrascht. Ich wusste nichts davon, dass er auf der Bank sitzen würde. Ich habe mich riesig gefreut für ihn - toll, super", sagte der DFB-Teamchef strahlend.

Am 18. Mai 2002 hatte sich Deisler im letzten Länderspiel der deutschen Nationalmannschaft vor der Weltmeisterschaft in Leverkusen gegen Österreich (6:2) erneut schwer am rechten Knie verletzt. Es folgten zwei Eingriffe am insgesamt schon fünf Mal operierten Gelenk - vom Karriereende war immer wieder die Rede. "Ich bin überglücklich, dass ich nach einer so langen Zeit erstmals mit der Mannschaft mitspielen konnte", sagte Deisler nach dem "Riesenfortschritt" am Dienstag. Der medienscheue Star öffnete seine Seele allerdings selbst in dieser besonderen Stunde nur einen Spalt weit: "Es hat ganz gut geklappt. Was jetzt kommt, steht alles in den Sternen."

Über Monate hatten die Bayern, die im vergangenen Sommer 9,2 Mill. ? für Deisler an Hertha BSC überwiesen hatten, das Comeback generalstabsmäßig geplant. Bayern-Arzt Hans-Wilhelm-Müller- Wohlfahrt überwachte jeden (Fort-)Schritt, ein eigens eingestellter Physiotherapeut arbeitete rund um die Uhr mit ihm. Ausgerechnet am "Tag X" führte dann der Zufall Regie. Mittags kam der überraschende Anruf von Hitzfeld, der Deisler ins Mannschafts-Quartier beorderte, nachdem sich Michael Ballack (Grippe) krank gemeldet hatte. "Er hat sich riesig gefreut", berichtete der Trainer und behauptete: "Ich hätte ihn auch gebracht, wenn es 0:1 gestanden hätte."

Tatsächlich stand es 7:0, als Deisler ins Spiel kam an einem Tag, an dem den Bayern alles und Köln - nach 289 Tagen ohne Niederlage - gar nichts gelang. "Dass Basti wieder da ist, sind kleine bewegende Momente", meinte Nationaltorhüter Oliver Kahn. "So einen Spieler brauchen wir für die Meisterschaft", sagte Torjäger Elber, der auch ein Gewinner des Abends war. "Ich bin der größte Fan von Giovane, wenn er so spielt wie heute", lobte Bayern-Chef Karl-Heinz Rummenigge den am vergangenen Wochenende noch hart kritisierten Brasilianer: "Aber ich werde auch zum Kritiker, wenn er spielt wie in Bielefeld."

Im Fall Deisler mahnte Rummenigge zur Geduld. "Man darf nicht zu forciert an die Sache rangehen", sagte er. Immerhin: Die Chance, dass Deisler am 31. Mai ausgerechnet an seiner alten Wirkungsstätte in Berlin beim Pokalfinale seine lange Leidensgeschichte mit einem Happy-End beschließen könnte, ist seit Dienstag rapide gestiegen.

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