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30.04.2003

17:30 Uhr

Rumsfeld besucht den besiegten Irak

"US-Truppen bleiben keinen Tag länger als nötig"

Drei Wochen nach der Einnahme Bagdads hat US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld am Mittwoch die irakische Hauptstadt besucht. In einer Rede an die Iraker versprach er, die US-Truppen würden das Land sobald wie möglich verlassen. "Der Irak gehört Ihnen", sagte er.

US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld in Bagdad, Foto: dpa

US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld in Bagdad, Foto: dpa

Reuters BAGDAD. US-Präsident George W. Bush wird seinem Sprecher zufolge am Donnerstag aber noch nicht das Ende des Krieges erklären. Der Präsident werde in seiner Rede an die Nation lediglich davon sprechen, dass die größeren Kampfhandlungen beendet seien. In London berieten Militärvertreter aus rund einem Dutzend Staaten über die Sicherheitslage im Irak. In der irakischen Stadt Falludscha kam es wieder zu Protesten gegen die USA. US-Soldaten schossen dabei erneut in eine Menschenmenge; nach irakischen Angaben wurden zwei Männer getötet.

Rumsfeld begann seine Rede, die vom US-Militär ausgestrahlt werden soll, mit den Worten: "Hallo, ich bin Don Rumsfeld, der amerikanische Verteidigungsminister. Ich freue mich, im Irak zu sein - Ihrem Land - und Ihre Befreiung zu sehen." Die Aufgabe der US-geführten Truppen im Land sei es, den Irakern dabei zu helfen, in ihrem Land die Kontrolle zu übernehmen und den Wechsel von der Tyrannei zu Freiheit und Selbstverwaltung zu schaffen, sagte Rumsfeld. "Lassen Sie es mich klar sagen: Der Irak gehört Ihnen. Wir wollen das Land nicht regieren." "Wir werden so lange bleiben, wie es nötig ist, Ihnen dabei zu helfen, das zu tun, und keinen Tag länger", sagte er.

Rumsfeld ist das bislang ranghöchste Mitglied der US-Regierung, das den Irak seit dem Krieg besucht. Die Aufnahme der Rede wurde in einem der Paläste des gestürzten Präsidenten Saddam Hussein gemacht. Spezialeinsatzkräfte der Armee begleiteten Rumsfeld durch die Stadt. Statt von einem Ende des Krieges werde Präsident Bush davon sprechen, dass "größere Kampfhandlungen zu Ende sind", sagte Bushs Sprecher Ari Fleischer. Eine entsprechende Einschätzung der Lage habe der Kommandeur der US-Truppen im Irak, General Tommy Franks, an Bush übermittelt. In US-Regierungskreisen hatte es zuvor geheißen, Bush werde in seiner Ansprache an die Nation das Ende des Krieges erklären.

Etwa zwölf Staaten sind nach britischen Angaben bereit, sich am Aufbau von Sicherheitskräften für den Irak zu beteiligen. Ein Sprecher des britischen Verteidigungsministeriums sagte, an einem Treffen in London zur Sicherheitslage im Irak hätten Offiziere aus etwa einem Dutzend Staaten teilgenommen. "Die Leute, die Offiziere schicken, haben ihre Bereitschaft angedeutet, sich auch zu beteiligen", sagte er. Welche Staaten dies seien, sagte er nicht. Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums in Berlin sagte, er wisse nichts von einer deutschen Beteiligung an dem Treffen. Dagegen bestätigten Dänemark und Polen ihre Teilnahme.

Nach dem Sturz Saddams war es in Teilen des Iraks zu Plünderungen und Unruhen gekommen. In der Nacht zum Dienstag waren mindestens 13 Iraker bei einer Demonstration in Falludscha von US-Soldaten erschossen worden. Am Mittwoch demonstrieten die Menschen dort wieder und erneut fielen Schüsse. "Die Zahl der Toten beträgt zwei. Sie wurden in den Kopf getroffen", sagte ein Krankenhaussprecher der Nachrichtenagentur Reuters. Ein Sprecher des US-Militärs sagte, die Soldaten seien aus der Menge heraus gezielt beschossen worden und hätten das Feuer erwidert. Möglicherweise seien zwei Iraker verletzt worden. Nach den tödlichen Schüssen bildeten sich neue Protestzüge und ein Vertreter der Stadt sagte einem arabischen Fernsehsender: "Wir haben darum gebeten, dass die US-Truppen die Stadt verlassen und am Stadtrand bleiben.

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