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07.04.2003

20:38 Uhr

Rumsfeld: Chemie-Ali ist tot

"Chemie-Ali" war für Brutalität berüchtigt

Der zuletzt für die Verteidigung des Südiraks zuständige General Hassan Ali el Madschid, dessen mutmaßlicher Tod durch einen gezielten Bombenangriff der Alliierten jetzt gemeldet wurde, gehörte zu den Schlüsselfiguren des Saddam-Regimes.

General Hassan Ali el Madschid, bekannt unter dem Spitznamen "Chemie-Ali". Foto: dpa

General Hassan Ali el Madschid, bekannt unter dem Spitznamen "Chemie-Ali". Foto: dpa

HB/dpa WASHINTON/HAMBURG. Der wegen seines Chemiewaffeneinsatzes berüchtigte irakische General Hassan Ali el Madschid ist nach Einschätzung des Pentagon tot. "Wir glauben, dass die Terrorherrschaft von Chemie-Ali ein Ende gefunden hat", sagte US- Verteidigungsminister Donald Rumsfeld am Montag. An die Kurden im Nordirak gewandt, fügte der Minister hinzu: "Er wird nie wieder Eure Familien terrorisieren."

Der wegen seiner Brutalität gefürchtete Cousin Saddam Husseins sorgte als "Chemie-Ali" wegen seines Giftgaseinsatzes gegen die Kurden im Nordirak vor 15 Jahren weltweit für Schlagzeilen.

Denn in seine Amtszeit als Gouverneur in der Nordprovinz Kurdistan (1987-1989) fielen jene Angriffe der irakischen Armee mit tödlichem Nervengas, durch die vor allem im Gebiet der Stadt Halabdscha tausende von Menschen getötet worden sein sollen. Auch in seiner letzten Rolle als Statthalter Saddams im Südirak war ihm am ehesten der Befehl zum Einsatz von Massenvernichtungswaffen zugetraut worden.

Fünf Jahre lang Innen- und Verteidigungsminister

Während der siebenmonatigen Besetzung Kuwaits vor dem ersten Golfkrieg 1991 war Madschid Gouverneur des als 19. Provinz des Iraks annektierten Emirats. Danach wurde er für zahlreiche Gräueltaten an der Zivilbevölkerung während der Besatzungszeit mitverantwortlich gemacht. Nach dem Ende des Golfkriegs soll Madschid die Niederschlagung der regimefeindlichen Unruhen der Schiiten in der südirakischen Stadt Basra geleitet haben.

Von 1991 bis 1995 war Madschid Innen- und Verteidigungsminister unter Saddam. Als er sich 1995 mit Saddams ältestem Sohn Udai überwarf, durfte er vorübergehend keine öffentlichen Ämter mehr bekleiden, agierte aber als einflussreiches Mitglied der Baath-Partei weiter im Hintergrund.

Ende der 90er Jahre wurde der Name Madschids vor allem im Zusammenhang mit brutalen Aktionen gegen Abtrünnige des Saddam- Regimes genannt. So soll er selbst zwei Angehörige einer Spezialeinheit wegen angeblichen Geheimnisverrats in aller Öffentlichkeit mit dem Schwert geköpft haben.

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