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23.03.2003

19:06 Uhr

Rumsfeld: Flugzeuge und Soldaten werden vermisst

US-Truppen stoßen bei Offensive in Irak auf Widerstand

Die von den USA angeführten Truppen sind bei ihrem Vormarsch in Richtung Bagdad am Sonntag zum Teil auf hartnäckigen Widerstand der irakischen Armee gestoßen. Ungeachtet dessen soll die Bodenoffensive gegen die irakische Hauptstadt britischen Verteidigungskreisen zufolge voraussichtlich schon Montagnacht oder Dienstag beginnen.

US-Soldaten tragen einen verletzten Kameraden, um ihn medizinisch zu versorgen. Foto: dpa

US-Soldaten tragen einen verletzten Kameraden, um ihn medizinisch zu versorgen. Foto: dpa

Reuters BAGDAD. Bei den Kämpfen um die südirakische Stadt Nassirijah sind nach Angaben der irakischen Streitkräfte 25 US-Soldaten getötet worden. Das irakische Fernsehen zeigte zudem Bilder von mindestens vier angeblich toten US-Soldaten und fünf gefangenen Kameraden. US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld räumte ein, ein Flugzeug und einige Soldaten zu vermissen. Nach irakischen Angaben wurden fünf Flugzeuge und zwei Hubschrauber abgeschossen.

Die USA setzten ihre Luftangriffe auf Bagdad bei Tageslicht fort. Iraks Präsident Saddam Hussein hat die bisherigen Angriffe britischen Angaben zufolge wohl überlebt. Die im Süden vorrückenden alliierten Bodentruppen sind nach Berichten von Reuters-Korrespondenten noch rund 180 Kilometer von Bagdad entfernt.

Offiziere offenbar von Widerstand überrascht

Vor allem in der Nähe einiger größerer Städte leisteten die irakischen Soldaten heftigen Widerstand. In der Hafenstadt Umm Kasr an der schmalen irakischen Küste zum Persischen Golf beschossen US-Panzer und britische Kampfflugzeuge Ziele, an denen sich bis zu 120 Soldaten der Republikanischen Garde von Iraks Präsident Saddam Hussein verschanzt haben sollen. "Hier sind schwere Feuergefechte zu hören", berichtete Reuters-Korrespondent Adrian Croft. Das US-Militär hatte am Vortag erklärt, die Hafenstadt mittlerweile vollständig zu kontrollieren. Auch nahe Nassirija rund 375 Kilometer südöstlich von Bagdad gab es erneut Gefechte, nachdem die Stadt am Euphrat nach US-Angaben am Samstag bereits eingenommen worden sein soll. "Aus der Stadt sind Explosionen zu hören und große Rauchwolken steigen auf", berichtete Reuters-Korrespondent Sean Maguire von einem Lager rund 30 Kilometer südöstlich Nassirijas. Rund 200 Kilometer weiter in Richtung Bagdad berichteten Reporter von Kämpfen nahe der Stadt Nadschaf. "Mein Eindruck nach Gesprächen mit einigen Offizieren ist, dass sie ziemlich überrascht sind von der Stärke des Widerstands und dass nicht mehr Iraker kapitulieren", sagte Reuters-Korrespondent Luke Baker.

Das irakische Fernsehen zeigte unterdessen Bilder angeblicher amerikanischer Kriegsgefangener. Diese sagten, sie seien Amerikaner. Zwei von ihnen, darunter eine Frau, schienen verletzt zu sein. Die Gefangenen wären die ersten US-Soldaten dieses Krieges in der Hand Iraks. Zuvor hatte Rumsfeld dem US-Fernsehsender NBC gesagt: "Es gab einen Bericht über ein vermisstes Flugzeug." Er glaube, einige US-Soldaten würden vermisst und seien möglicherweise in Gefangenschaft. Nach Angaben des US-Generalstabschefs Richard Myers ist der Aufenthaltsort von weniger als zehn US-Soldaten ungeklärt.

Trotz des Widerstands der irakischen Soldaten sollen die von den USA angeführten Streitkräfte nach Einschätzung aus britischen Verteidigungskreisen bald die irakische Hauptstadt erreichen. "Wir rechnen für Montagnacht oder Dienstag mit der Bodenoffensive auf Bagdad", hieß es. Der Vormarsch der Truppen werde auch nicht durch Kämpfe um die zweitgrößte Stadt des Landes, Basra, aufgehalten werden. Bei den Kämpfen um die Einnahme Basras stießen die alliierten Truppen auch am Sonntag weiter auf Gegenwehr irakischer Soldaten. Nach irakischen Angaben wurden bei den Gefechten um die Stadt bereits 77 Zivilisten getötet und 366 verletzt.

Weitere Explosionen in Bagdad

Die Hauptstadt Bagdad wurde auch am Sonntag wieder von Bomben- und Raketeneinschlägen erschüttert. Reuters-Korrespondenten berichteten von zahlreichen Einschlägen. "Die Erde unter unseren Füßen bebte und Gebäude wackelten", sagte Reuters-Korrespondent Nadim Ladki. Mindestens sieben schwere Bomben seien abgeworfen worden. "Nach dem, was wir in den vergangenen Tagen gesehen haben, denke ich, dass es sich um einige der schwersten Bomben gehandelt hat, die bislang auf Bagdad abgeworfen worden."

Auch dieses Mal zielten die Bombardements offenbar vor allem auf Regierungsgebäude und Paläste Saddams. Dieser hat nach britischen Angaben die Angriffe bislang wohl überlebt. Es sei unwahrscheinlich, dass Saddam verletzt oder gar tot sei, sagte der Staatssekretär im Außenministerium, Mike O'Brien, dem Radiosender BBC unter Berufung auf britische Geheimdienstquellen. "Wenn er verletzt wurde, scheint es keine schwere Verletzung zu sein." Nach dem ersten Angriff Donnerstagnacht habe Saddam das Gebiet möglicherweise in einem Krankenwagen verlassen.

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