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31.01.2001

17:15 Uhr

Rund 400 000 Tiere sollen geschlachtet werden

Deutschland beteiligt sich an EU-Massentötung von Rindern

Auch Deutschland wird sich an der EU-weiten Massentötung von Rindern beteiligen. Wie das Landwirtschaftsministerium am Mittwoch in Berlin mitteilte, sollen rund 400 000 Rinder getötet werden. Dabei handle es sich auch um eine Verbraucherschutzmaßnahme. Die Kosten für die Aktion wurden auf rund 362 Mill. DM beziffert. Der Bauernverband äußerte sich erleichtert über die Entscheidung des Bundesregierung.

ap BERLIN/BRÜSSEL. In Brandenburg wurde unterdessen der erste BSE-Verdachtsfall des Landes bestätigt. Bundesweit ist es der 25. Fall. Insgesamt wurden in Deutschland bisher 168 133 Rinder auf BSE getestet; davon waren diese 25 oder 0,015 % positiv.

Weiterhin sollen die noch vorhandenen umfangreichen Bestände von Tiermehl und-fetten vernichtet werden. Außerdem berichtet die Zentrale Markt- und Preisberichtsstelle (ZMP) von Preissteigerungen auf Grund der BSE-Krise für Hähnchen- und Putenschnitzel. Zwei Verdachtsfälle in Bayern erwiesen sich als falsch.

Die Aufkaufaktion der Rinder sei notwendig, da die Schlachtzahlen dramatisch eingebrochen seien, begründete die Ministeriumssprecherin. In Deutschland waren die Schlachtzahlen von Rindern nach Ausbruch der BSE-Krise den Angaben zufolge um 50 % zurückgegangen, im europäischen Durchschnitt um 27 %. Gleichzeitig würden mit der Maßnahme die am meisten risikobehafteten, älteren Tiere vom Markt genommen, hieß es weiter.

Die für die Aufkaufaktion vorgesehenen Rinder müssen älter als 30 Monate sein. Die Maßnahme der EU ist seit dem 2. Januar in Kraft und gilt bis Jahresmitte. Europaweit sollen den Angaben zufolge insgesamt zwei Mill. Rinder geschlachtet werden.

Verbraucherschutzministerin Renate Künast teile die von Tierschutzverbänden geäußerten Bedenken und habe alle Alternativen zu Schlachtungen geprüft, hieß es weiter. Die Grünen-Politikerin habe aber auch darauf hingewiesen, dass es derzeit keine Alternative gebe. Volle Ställe, Platzmangel und Fütterungsengpässe könnten ebenfalls zu Tierschutzproblemen führen, sagte die Ministeriumssprecherin. Die Aufkaufaktion sei ein Angebot an die Landwirte und solle "schnellst möglich" beginnen, hieß es weiter.

Weitere Preissteigerungen für Fleisch wahrscheinlich

Nach ZMP-Angaben stiegen die Preise für Hähnchen- und Putenschnitzel seit dem ersten Fall von Rinderwahnsinn um sechs Prozent und mehr. Schweinekoteletts und-schnitzel wurden um mehr als vier Prozent teurer; auch Rinderschmorfleisch und Kalbschnitzel legten um rund drei Prozent zu. In den nächsten Wochen rechnen Marktbeobachter mit weiteren Preissteigerungen. BSE-Tests, höhere Futtermittelkosten, Ausgaben für Entsorgung der Schlachtabfälle und höhere Energiepreise ließen die Produktionskosten für Fleisch steigen. Dies werde auf die Kosten im Laden durchschlagen, prognostizierten die Experten. Bei Geflügel sorge zudem die boomartige Nachfrage für Versorgungsengpässe und hohe Preise.

Unterdessen wurde bekannt, dass die Rinderseuche die Europäische Union an den Rand einer Haushaltskrise bringt. Für das laufende Jahr stellte die EU-Kommission für den Rindfleischsektor mit insgesamt sieben Mrd. Euro (fast 14 Mrd. DM) 50 % mehr Geld zur Verfügung als im Vorjahr, wie EU-Haushaltskommissarin Michaele Schreyer in Brüssel mitteilte. Von den zusätzlich bewilligten 971 Mill. Euro sollen 700 Mill. in das Vernichtungsprogramm für Rindfleisch investiert werden.

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