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22.02.2002

22:47 Uhr

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Runter, hoch, runter ... hoch: Die Wall Street fährt weiter Achterbahn

VonWALL STREET CORRESPONDENTS

Flacher Handel, kaum Volumen, so hatte der Tag an der Wall Street angefangen - und dann kam wieder einmal alles ganz anders. Nach drei Tagen Achterbahnfahrt war es dem Dow noch lange nicht zu bunt: dreistellig runter am Dienstag, dreistellig rauf am Mittwoch, dreistellig runter am Donnerstag ... da ging es am Freitag wieder dreistellig rauf. Die Wall Street weiß nicht wohin.

Der Dow Jones Index beendete den letzten Handelstag der Woche mit einem Plus von 134 Punkten oder 1,3 Prozent bei einem Stand von 9968 Punkten, die Nasdaq geht mit 1724 Punkten ins Wochenende, das ist ein Plus von 8 Zählern oder 0,5 Prozent am Freitag. Auf die Woche bezogen hat sich der Dow um 0,7 Prozent verbessert. Die Nasdaq hat derweil erneut 4,5 Prozent abgegeben, das Tech-Barometer hat seit Jahresbeginn 16,5 Prozent verloren und notiert auf dem tiefsten Stand seit November.

Damit ist klar: Im Tech-Sektor ist zur Zeit kein Blumentopf zu gewinnen. Die Unternehmen der Chip-, Netzwerk-, Glasfaser-, Hard- und Softwarebranche haben an vier Handelstagen 6,6 Prozent abgegeben. Eine Trendwende ist nicht in Sicht, auch wenn es am Freitag einige Aktien knapp in positives Terrain geschafft haben. Zum Beispiel Intel : Der Chip-Gigant Intel wurde nach negativen Kommentaren der Bank of America vom Donnerstag zum Wochenschluss von Bear Stearns verteidigt, wo man an einer "Kauf"-Empfehlung festhält. Intels Ausblick für das zweite Halbjahr sei attraktiv, man könne dem Konkurrenten Advanced Micro Devices weitere Marktanteile abjagen. Intel verbessert sich um 0,4 Prozent, AMD verliert 2,2 Prozent.

Die Analysten von JP Morgan nahmen sich unterdessen der mittelgroßen Unternehmen des Sektors an und stuften Xilinx und Altera auf "kaufen" auf. Anleger hätten die Unternehmen zuletzt zu sehr auf die Telekomchip-Sparte beschränkt und unangemessen verkauft. Sowohl Xilinx als auch Altera machten 70 Prozent ihres Umsatzes aber in anderen, stabileren Chip-Sektoren, so die Experten. Aktien von Xilinx legten 2,4 Prozent zu, Altera schloss stark behauptet. Robertson Stevens nennt RF Micro Devices und Triquint "Marktperformer", Triquint verbesserte sich um 3,8 Prozent.

Andere Tech-Branchen blieben in der Gunst von Anlegern und Analysten schwach: Auf die Software-Aktien drückte BEA Systems . Das Unternehmen hatte am Vorabend enttäuschende Quartalsergebnisse vorgelegt, und auch für die nahe Zukunft sieht man nur eine flache Entwicklung. Bea Systems verlor 6 Prozent. Nach dramatischen Verlusten zum Wochenbeginn verliert auch Computer Associates erneut 15 Prozent. Das Unternehmen hat zugegeben, dass die Börsenaufsicht wegen Bilanz-Unstimmigkeiten ermittelt. Die Analysten von Salomon Smith Barney stufen das Papier ab.

Die UBS Warburg sieht weiter düster für Cisco und senkt die Gewinnerwartungen für 2002 und 2003 sowie das Kursziel. Allerdings bleiben die Experten bei ihrer "Kauf"-Empfehlung und die Aktie gewinnt 1,1 Prozent.

Schwächster Sektor nach den Tech-Firmen ist die Finanzbranche. Die Banken finden sich immer mehr in die Enron-Krise und Bilanztricksereien bei anderen Unternehmen verstrickt, allen voran JP Morgan . Gegen die zweitgrößte US-Bank wird in verschiedenen Fällen ermittelt, die Aktie verlor zum Wochenende erneut 5 Prozent. Zudem klingt eine "Kauf"-Empfehlung der UBS Warburg nicht überzeugend. Trotz des positiven Ratings warnen die Analysten vor Risiken im Zusammenhang mit Argentinien, Buchhaltungsfragen, Turbulenzen im Management und dem schwierigen Umfeld in Privatkundengeschäft und Investment Banking.

Nicht besser präsentierten sich die Brokerhäuser, die größtenteils im Minus schlossen. In 2002 gab es erst 8 Börsengänge, damit ist der IPO-Markt so schwach wie zuletzt 1980. Zudem leiden die Unternehmen, wie die Banken, unter den Bilanz-Krisen bei Enron und einigen Telekomriesen, und unter dem allgemein schwachen Handel. Die UBS Warburg senkt am Morgen die Gewinnerwartungen für die Firmen, der Sektor verlor gut 1 Prozent.

Der größter Verlierer am Freitag steht jedoch zwischen den Sektoren Einzelhandel und Tech. Der Elektronikhändler Circuit City verlor fast 30 Prozent. Drei Tage nach dem ersten großen Kurssturz, und zwei Tage, nachdem das Papier von Merrill Lynch auf "aggressiv kaufen" gestuft hatte (!), spricht das Unternehmen eine Gewinnwarnung für 2002 aus. Auch Konkurrent Best Buy gab 4,5 Prozent ab, obwohl Salomon Smith Barney eine "Kauf"-Empfehlung bestätigte.

Größter Gewinner war unterdessen die Aktie des Industrieriesen TRW. Der Rüstungskonzern Northrop Grumman , einer der besten Performer im S&P 500 seit dem 11.September, hat dem Unternehmen ein Übernahmeangebot unterbreitet. Northrop Grumman will sich vor allem die Rüstungs- und Raumfahrtsparte des Multis einverleiben und die Auto- und Autoelektroniksparte abschieben. Die Aktie von TRW legt im vorbörslichen Handel um 26 Prozent zu und notiert bereits deutlich über 47 Dollar, dem Übernahmekurs, den Northrop Grumman genannt hat. Die Aktie von Northrop Grumman gab 7 Prozent ab.

Analysten erwarten, dass Northrop Grumman eine Übernahmeschlacht begonnen hat, denn auch Boeing und Lockheed Martin könnten an TRW interessiert sein. Auf deren Kurse wirkt sich die Offensive des Konkurrenten nicht aus. Konkurrent General Dynamic verlor derweil 5 Prozent. Eine Abstufung durch Goldman Sachs belastete das Papier. Die Analysten erwarten, dass die Nachfrage nach Flugzeugen zurückgehen und auf das Ergebnis von General Dynamic drücken wird.

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