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26.03.2003

17:30 Uhr

Russland nicht ohne Risiko

Rewe gründet Reiseveranstalter in Russland

Deutschlands drittgrößter Reisekonzern Rewe Touristik hat in Russland als erstes deutsches Unternehmen einen Reiseveranstalter gegründet und ist damit Marktführer TUI zuvor gekommen.

Reuters DÜSSELDORF/HANNOVER. An dem neuen Gemeinschaftsunternehmen "ITourS" halte die Rewe-Pauschalreisetochter LTU Touristik mit 70 Prozent die Mehrheit. Ziel sei, schon in wenigen Jahren zu den führenden Veranstaltern auf dem viel versprechenden russischen Reisemarkt zu zählen, sagte der Vize-Chef der LTU Touristik GmbH, Dirk Berlinghoff, der Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch. "Wir wollen zu einem der größten Reiseveranstalter auf dem russischen Markt werden und uns peu à peu immer mehr von dem Kuchen abschneiden" sagte Berlinghoff. Binnen drei Jahren wolle man die Verlustzone verlassen und eine schwarze Null schreiben.

Auch Europas größter Touristikkonzern TUI plant seit einem Jahr den Einstieg in Russland und befindet sich nach eigenen Angaben in Gesprächen mit russischen Veranstaltern. Geplant sei allerdings weiterhin lediglich ein vorsichtiger Einstieg mit einer Minderheitsbeteiligung, sagte ein TUI TUI-Vorstandsmitglied-Sprecher. Ralf Corsten hatte kürzlich im Gespräch mit Reuters erklärt, angesichts der aktuellen Buchungsflaute in der Reisebranche habe der Einstieg in Russland bei TUI derzeit nicht die höchste Priorität. Jüngste Berichte, wonach die TUI ihre Kontakte in Russland auf Eis gelegt habe, wies der TUI-Sprecher zurück. "Wir sprechen weiter. Russland ist ein sehr interessanter Markt, aber nicht ohne Risiko. Wir prüfen deshalb sorgfältig und halten nichts von übereilten Entscheidungen."

LTU Touristik mit den Veranstaltern ITS, Tjaereborg und Jahn Reisen sieht die Expansion nach Russland als langfristiges Engagement. "Wir sind nicht wie andere Wettbewerber börsennotiert und müssen deshalb keine spektakulären Erfolgsmeldungen produzieren", sagte Berlinghoff mit Blick auf die TUI. In Russland entstehe ein zunehmend kaufkräftiger Mittelstand. Zur Höhe der Investitionen der LTU Touristik in Russland wollte sich Berlinghoff nicht äußern. Nach eingehender Prüfung habe man sich gegen eine Minderheitsbeteiligung entschieden. "Bei einem russischen Unternehmen ist keine ausreichende betriebswirtschaftliche Transparenz und insbesondere keine "due diligence' (eingehende Prüfung der Bücher) möglich", sagte Berlinghoff.

Seinen Angaben zufolge wurde Anfang Januar gemeinsam mit der russischen Charterfluggesellschaft Airline 400 der neue Veranstalter "ITourS" gegründet. Rechtzeitig zur derzeit stattfindenden Moskauer Touristikmesse MITT habe man die erforderliche Lizenz erhalten und das operative Geschäft aufgenommen, sagte Berlinghoff. In der Sommersaison 2003 rechnet das Unternehmen mit einem Umsatz von rund 30 Mill. Euro und 45 000 Urlaubern. Reiseziele sind mehrere Länder rund ums Mittelmeer.

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