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12.02.2001

08:16 Uhr

Reuters DNIPROPETROWSK. Der russische Präsident Wladimir Putin ist am Montag in der Ukraine zu Gesprächen mit seinem unter innenpolitischen Druck geraten Kollegen Leonid Kutschma eingetroffen. Wegen der Affäre um den Mord an einem Journalisten hatten am Sonntag in der Hauptstadt Kiew mehrere tausend Menschen gegen Kutschma demonstriert. Putin versicherte vor seinem Abflug, Russland stehe weiterhin zu dem rechtmäßig vom Volk gewählten ukrainischen Präsidenten. Bei den Gesprächen Putins mit Kutschma in der Industriestadt Dnipropetrowsk geht es unter anderem um die Zusammenarbeit in der Luftfahrt, Fragen der Energieversorgung und die Vernichtung von Waffen aus sowjetischen Zeiten.

Kritiker aus den Reihen der Opposition bringen Präsident Kutschma in einen Zusammenhang mit dem Verschwinden und der mutmaßlichen Ermordung des regierungskritischen Journalisten Georgij Gongadse, dessen enthauptete Leiche nach Angaben von Freunden im vergangenen November gefunden wurde. Auf Tonbändern, die im Kiewer Parlament vorlagen, soll die Stimme Kutschmas zu hören sein, wie dieser in grober Form seinen früheren Geheimdienstchef Leonid Derkatsch anweist, den unbotmäßigen Internet-Journalisten zu beseitigen. Kutschma hat das heimlich mitgeschnittene Tonband als manipuliert bezeichnet und eine Verwicklung in die Affäre zurückgewiesen. Derkatsch war am Samstag überraschend von Kutschma entlassen worden.

Kutschma war im November 1999 für eine zweite Amtszeit von fünf Jahren bei Wahlen bestätigt worden. Der Internationale Währungsfonds (IWF) kritisiert den nach seiner Einschätzung zu langsamen Gang der Reformen unter Kutschma, dessen Land insbesondere bei der Gasversorgung stark von Russland abhängig ist. Die Ukraine schuldet Russland unter anderem über 1,4 Mrd. $ für Gaslieferungen.

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