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29.01.2001

17:14 Uhr

dpa MOSKAU. Der russische Präsident Wladimir Putin hat sich am Montag für den Erhalt des unabhängigen und Kreml-kritischen Fernsehsenders NTW "in seiner gegenwärtigen Form" ausgesprochen. Das verlautete nach einem mehrstündigen Treffen Putins mit Redakteuren des Senders, die den Präsidenten in der Vorwoche um dieses Treffen gebeten hatten. Hintergrund des Gesprächs war die Sorge der NTW- Redakteure um die Unabhängigkeit ihres Senders nach einer drohenden Auswechselung des Verwaltungsrates.

NTW-Generaldirektor Jewgeni Kiseljow berichtete nach der Unterredung, dass Putin den Erhalt von NTW als "nicht-staatlichen Sender" befürwortet habe. "Wie sehr er uns damit überzeugt hat, ist eine andere Frage", sagte Kiseljow.

Im Gegenzug unterstrich Putins Sprecher Alexej Gromow, dass der Präsident "unbedingt" für die Beibehaltung des gegenwärtigen Redakteurs-Kollektivs sei. Putin habe die Meinung vertreten, dass bei NTW "eines der besten journalistischen Kollektive" arbeite. Der Sender berichte kritisch über Staat und Regierung, doch sei dies nach Meinung des Präsidenten "völlig normal, aber auch nützlich".

Nachdem der teilstaatliche Erdgaskonzern Gasprom sich in der vergangenen Woche zum Besitzer des hoch verschuldeten Senders erklärt hatte, wurde umgehend ein Wechsel im Verwaltungsrat gefordert. NTW ist das Flaggschiff im Medienimperium Media-Most des Unternehmers Wladimir Gussinski, den die russische Justiz wegen Kreditbetrugs und der Konkursverschleppung angeklagt hat.

Gasprom Media, eine Tochterfirma des Erdgasmonolisten, hatte vergangene Woche ein als Kreditbürgschaft hinterlegtes Paket von 19 Prozent der NTW-Anteile gerichtlich beschlagnahmen lassen. Als neuer Inhaber der Stimmenmehrheit wolle man den NTW-Verwaltungsrat anders besetzen, kündigte Gasprom Media an. Media-Most sieht das juristische und wirtschaftliche Vorgehen als gezielte Kampagne des Kremls, die missliebigen Medien auf die Linie der Staatsführung zu bringen.

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