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10.01.2010

15:34 Uhr

Sabbatical

Chance für Ausstieg auf Zeit

VonClaudia Obmann

Karibik statt Kurzarbeit: Etliche Angestellte nutzen die Wirtschaftsflaute für einen Ausstieg zum Auftanken. Mit einem Sabbatical können gestresste Angestellte nicht nur neue Horizonte erschließen - mitunter sind sie der Startschuß für einen beruflichen Neustart.

Neue Perspektiven in den Anden: Viele Führungskräfte nutzen die Krise zum Ausstieg. dpa

Neue Perspektiven in den Anden: Viele Führungskräfte nutzen die Krise zum Ausstieg.

DÜSSELDORF. Seine Wanderstöcke liegen vergessen irgendwo in Bolivien, dafür hat er mindestens 10 000 Fotos zurück nach Hause gebracht. Als sich die Auftragslage beim Siemens-Bereich Schienenfahrzeugtechnik in Erlangen eintrübte, erfüllte sich der Verkehrstechnikingenieur Sven Arnold einen Traum: Der 38-Jährige durchquerte mit dem Rucksack den halben südamerikanischen Kontinent - von Feuerland über die Anden durch die bolivianische Salzwüste und an Vulkanen vorbei bis zu den legendären Inkaruinen von Machu Picchu in Peru. "Nach dem Abschluss eines Entwicklungsprojektes habe ich von November 2008 bis April 2009 meine Überstunden in Urlaub umgewandelt", sagt Arnold. Mit seiner fünfmonatigen Auszeit, dem sogenannten Sabbatical, hat der Ingenieur von der Wirtschaftskrise persönlich sehr profitiert.

Meist reichte Arnolds Tagesetappe mit und ohne einheimischen Führer nur soweit, wie ihn seine Füße trugen. Doch an Heiligabend saß der Deutsche in einem klapprigen Überlandbus. 30 Stunden fuhr er als einziger Ausländer unter lauter Südamerikanern auf der berühmten Panamericana dahin. Um Mitternacht teilte der Fahrer Sekt und Kirschen aus statt teurer Geschenke wie zu Hause.

Auf seiner Abenteuerreise hat der deutsche Ingenieur nicht nur sein Spanisch aufpoliert, sondern auch Flexibilität, Gelassenheit und Selbstvertrauen trainiert. Und fühlt sich nun fit, eine verantwortungsvollere und internationalere Aufgabe zu übernehmen.

Ob am Ende eine neue berufliche Herausforderung winkt oder nicht: Ein Sabbatical erweitert den Horizont. Und die Wirtschaftsflaute ist eine besonders gute Gelegenheit, dem Trott zu entfliehen. Eine Auszeit beschert frische Kräfte, neue Ideen und Perspektiven für den Zeitpunkt, an dem wieder Dauer-Power angesagt ist. Und wie eine exklusive Umfrage der Jobbörse Monster für das Handelsblatt zeigt, geben sich auch Arbeitgeber offener für solche Wünsche ihrer Mitarbeiter - nicht zuletzt, weil sich dadurch Lohnkosten sparen lassen. Scheiterten Mitte 2008 noch 34 Prozent der an einer Auszeit Interessierten am Chef, sind es derzeit nur 31 Prozent (siehe Grafik).

Vor allem große, internationale Unternehmen bieten ihren Angestellten inzwischen Freistellungsregelungen: Audi, Vodafone, IBM oder BMW gewähren Freizeiten für persönliches soziales Engagement oder zur Weiterbildung. Die Strategieberatung BCG zum Beispiel unterstützt einen bis zu zweijährigen Ausstieg, damit ihre Berater den MBA oder eine Promotion draufsatteln können, um sich so für weitere berufliche Schritte zu qualifizieren. "Fortbildung ist einer der Hauptgründe für den freiwilligen Jobausstieg auf Zeit", beobachtet Barbara Hess. Sie ist Unternehmensberaterin aus Stuttgart und Autorin des Buches "Sabbaticals - Auszeit vom Job".

Accentures Flex Leave-Programm ermöglicht es IT-Beratern, eine Auszeit zwischen einem halben und einem ganzen Jahr einzulegen, um private Träume zu realisieren oder sich der Familie zu widmen, die sonst hinter der beruflichen Belastung zurücksteht. "In der Flaute haben das zig Leute wahrgenommen", sagt Personalchef Harald Borck-Essel. Ein Grundgehalt und die Jobgarantie bei der Rückkehr sind offenbar verlockend. Nach ihrer Auszeit stehen die Mitarbeiter oft bestens erholt und voller Tatendrang wieder in den Startlöchern - motiviert für neue Projekte.

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