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24.03.2003

12:06 Uhr

Saddam-Ansprache: Werden Krieg in die Länge ziehen

Rentenkurse steigen ebenso wie Öl- und Goldpreis

Schwindende Hoffnungen auf einen kurzen Irak-Krieg haben Anleger am Montag Aktien meiden lassen, während die als krisensichere Anlagen geltenden Renten und Gold gefragt waren. Der Ölpreis stieg infolge der Sorgen vor einem langen Krieg in der ölreichen Golfregion deutlich an, der Dollar fiel indessen.

Reuters FRANKFURT. "Der Markt hatte die Chancen auf einen schnellen Krieg eingepreist. Die Schwankungen, die wir jetzt sehen, kommen von einer Änderung der Sichtweise", sagte ein Rentenhändler in Madrid. Stefan Schilbe, Chefvolkswirt bei HSBC Trinkaus & Burkhardt sagte: "Saddam Hussein hat in seiner Rede angedeutet, dass sich die Iraker nicht kampflos ergeben werden." Dies nähre Befürchtungen, dass ein Krieg länger dauern könne als von vielen zuvor erwartet.

Iraks Präsident Saddam Hussein hat am Montag bei einem Auftritt im Staatsfernsehen gesagt, Irak bemühe sich darum, den Krieg in die Länge zu ziehen und bringe den Angreifern schwere Verluste bei. Die US-geführten Truppen sind bei ihrem Vormarsch in Richtung Bagdad zuletzt auf teilweise massiven Widerstand gestoßen. Der irakischen Armee gelang es offenbar, einige US-Soldaten gefangen zu nehmen. Die USA räumten ein, bei Gefechten seien mehrere Soldaten getötet worden, zwölf würden vermisst. Ungeachtet dessen soll die Bodenoffensive gegen Bagdad britischen Verteidigungskreisen zufolge voraussichtlich schon Montagnacht oder Dienstag beginnen.

In Europa litten die Aktienmärkte unter Kursverlusten. Der paneuropäische FTSE Eurotop 300-Index verlor rund drei Prozent, der DJ Euro Stoxx 50, der Index der wichtigsten Werte der Euro-Zone, gab knapp 3,5 Prozent ab. Der Deutsche Aktienindex (Dax) rutschte fast vier Prozent auf 2 601 Punkte. Die Terminkontrakte auf die wichtigsten US-Indizes deuteten des Weiteren auf eine niedrigere Eröffnung der US-Börsen hin.

Der Dollar stand ebenfalls unter Druck. "Der Dollar verliert an Fahrt vor dem Hintergrund, dass sich ein Krieg länger hinziehen könnte", sagte Volkswirt Schilbe. Dies könne hohe Kosten für die USA nach sich ziehen und damit den Dollar weiter belasten, fügte er hinzu. Der Euro legte zu und kostete gegen Mittag 1,0651/55 Dollar, nachdem er am Freitag in New York bei 1,0520/26 Dollar aus dem Handel gegangen war.

Anleger zogen am Montag die als krisensicher geltenden Staatsanleihen den Aktien vor, was den Kursen der Euro-Renten deutlich Auftrieb gab. Der richtungweisende Juni-Bund-Future stieg 61 Basispunkte auf 113,24 Punkte.

Gold profitierte ebenfalls von seinem Ruf als sichere Anlage in Krisenzeiten und kletterte auf 330,00/0,75 Dollar nach einem New Yorker Schlusskurs am Freitag bei 325,80/6,55 . Röhöl verteuerte sich angesichts der Sorgen vor einem langen Krieg in der ölreichen Golfregion. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent notierte 77 Cent höher bei 25,12 Dollar. Ein länger als erwarteter Krieg könne Konsequenzen für den Ölpreis haben, sagte Adam Sieminski, Ölanalyst bei der Deutschen Bank.

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