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04.03.2003

14:41 Uhr

Saddam Hussein gibt sich siegessicher

Türkei erwägt neue Abstimmung zu US-Stationierung

Die türkische Regierung erwägt, mit einer weiteren Abstimmung im Parlament doch noch den Weg für die Stationierung Zehntausender US-Soldaten frei zu machen. Außenminister Yasar Yakis bestätigte am Dienstag entsprechende Überlegungen, die es den USA ermöglichen würden, eine Front im Norden Iraks zu eröffnen und damit Verzögerungen in der Kriegsplanung zu verhindern.

Reuters ANKARA. Irak setzte seine Kooperation mit der Uno unterdessen mit der Zerstörung weiterer El-Samud-2-Raketen fort. An den Finanzmärkten sorgte die Nervosität über einen drohenden Irak-Krieg und die Folgen für die Weltkonjunktur am Dienstag weltweit für Kursverluste bei Aktien und beim Dollar.

Yakis sagte in Ankara auf die Frage, ob die türkische Regierung einen neuen Entwurf über die Erlaubnis zur Stationierung von US-Truppen einbringen wolle: "Wir diskutieren es sowohl innerhalb der Partei als auch in der Regierung." Am Wochenende hatte das Parlament überraschend die von der Regierung bereits zugesagte Stationierung von 60 000 US-Soldaten blockiert und den US-Angriffsplanungen damit einen deutlichen Rückschlag zugefügt. Die Haltung des Parlaments könnte einen Irak-Krieg nach Ansicht von Militärexperten um zwei oder mehr Wochen verzögern. US-Schiffe, beladen mit Ausrüstung, hatten in Erwartung einer Zustimmung des Parlaments bereits vor der türkischen Küste geankert und müssen nun möglicherweise nach Süden umgeleitet werden.

Saddam: Irak wird siegreich sein

Der irakische Präsident Saddam Hussein bekräftigte die Bereitschaft zur Verteidigung seines Landes. "Ihr, das mit Glauben bewaffnete irakische Volk, werdet siegreich sein. Die Despoten werden bezwungen und die Arroganz wird ihnen nicht zu Gute kommen", hieß es in einer Botschaft des Präsidenten zum islamischen Neujahrsfest, die im irakischen Fernsehen verlesen wurde. "Was will der Despot des Jahrhunderts? Was ist der richtige Weg, ihn zu bezwingen?" fragte Saddam mit offensichtlichem Bezug zu US-Präsident George W. Bush.

Die irakische Regierung gab bekannt, mit der Zerstörung weiterer zwei oder drei El-Samud-2-Raketen begonnen zu haben. Ein Sprecher der Vereinten Nationen bestätigte den Fortgang der Waffenvernichtungsaktion, ohne jedoch Einzelheiten zu nennen. Die Regierung hatte am Samstag im Streit mit der Uno eingelenkt und mit der Zerstörung der etwa 120 Raketen begonnen, deren Reichweite über der von der Uno genehmigten Grenze von 150 Kilometern liegt.

Experten sehen Kriegsbeginn im April

Militärexperten zufolge könnte eine Invasion Iraks im April beginnen, sollte die türkische Weigerung Bestand haben. Als möglicher Angriffstermin gilt die Neumondphase Anfang des Monats, in deren Schutz das US-Militär einen schnellen Schlag auf Bagdad ausführen könnte. Das türkische Nein habe die Situation zwar kompliziert, räumte ein Sprecher des US-Präsidialamts ein. Er bekräftigte jedoch, Bush strebe eine baldige Entscheidung im Irak-Konflikt an. "Der Präsident hat gesagt, der Zeitplan umfasst Wochen, nicht Monate. Das sagte er vor gut einem Monat, und nichts hat diesen Zeitplan verändert."

Nach Einschätzung des chinesischen Außenministeriums benötigen die Uno-Waffeninspektoren mehr Zeit, um die Suche nach Massenvernichtungswaffen in Irak abzuschließen. "In der gegenwärtigen Situation ist China der Ansicht, dass die Resolution 1441 ernsthaft ausgeführt werden sollte und das in einer umfassenden Weise", sagte der Sprecher des Außenministeriums, Kong Quanhe. Die USA hatten signalisiert, eine neue Resolution trotz der Befürchtungen von Seiten der Veto-Mächte im Sicherheitsrat in der nächsten Woche zur Abstimmung zu stellen. Zur Frage, ob China bei einer neuen Resolution von seinem Vetorecht Gebrauch machen würde, äußerte sich der Sprecher nicht.

Der Ölpreis stieg in London um 72 Cent pro Barrel (159 Liter) Brent-Öl. Im Zuge der Dollar-Schwäche kletterte der Euro über die Marke von 1,09 Dollar und notierte zeitweise wieder in der Nähe eines Vier-Jahres-Hochs. Weltweit verzeichneten die Akteinmärkte Kursverluste. Investoren befürchten, die Schäden eines Krieges könnte die ohnehin schon angeschlagene Wirtschaft weiter belasten.

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