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08.04.2003

17:05 Uhr

Sättigung des deutschen Marktes

Windkraftanlagen-Bauer rutschen in die Flaute

Der in der Vergangenheit boomende Bau von Windkraftanlagen in Deutschland hat in diesem Jahr erstmals einen Dämpfer erhalten. Als Grund für die um mehr als 20 % rückläufige Zahl von neuen Anlagen seit Jahresbeginn nannte der Bundesverband Windenergie am Dienstag lange Genehmigungsverfahren und eine allmähliche Sättigung des deutschen Marktes. Die deutschen Hersteller müssten sich künftig wesentlich stärker als bisher auf den Export ausrichten.

Reuters HANNOVER. Zwischen Januar und März sei mit 231 neuen Anlagen die Gesamtleistung um mehr als 100 Megawatt auf 357,3 Megawatt zurückgegangen, teilten der Bundesverband Windenergie und der Fachbereich Power Systems im Maschinenbauverband VDMA auf der Hannover Messe mit. Das entspricht einem Rückgang um mehr als 20 %. Auch für das Gesamtjahr rechnet der Verband mit einem Rückgang der Neubauleistung auf 2500 bis 3000 Megawatt nach dem Spitzenwert des Vorjahres von 3247 Megawatt.

"Wir bewegen uns damit dennoch auf einem hohen Niveau", sagte Thorsten Herdan, Geschäftsführer des VDMA-Fachverbandes. "Man darf den Rückgang auch nicht überwerten." Aber klar sei, dass die deutschen Hersteller sich stärker dem Export widmen müssen. Derzeit liege der Exportanteil der deutschen Windanlagenbauer unter 20 %. Ziel müsse in fünf Jahren eine Exportquote von 60 bis 70 % sein. Jüngste Branchenstudien gingen davon aus, dass sich bis Ende 2007 europaweit die installierte Windenergieleistung von derzeit 32 000 Megawatt verdoppeln oder gar verdreifachen werde.

Der Bau so genannter Offshore-Windräder auf hoher See wird nach Einschätzung des VDMA noch dauern. Die dafür notwendigen Kooperationen zwischen Windanlagenbauern und der maritimen Wirtschaft seien noch nicht sonderlich entwickelt. Interessanter sei für die Branche im Binnenland der Austausch älterer Windkraftmaschinen durch leistungsstärkere Anlagen.

Der Windenergie-Verband forderte den Abbau administrativer Hemmnisse für den Bau von Windkraftanlagen. Bau- und Umweltrecht oder auch fehlende Netzkapazitäten würden die Installation erschweren. Bis Ende März waren laut Bundesverband in Deutschland knapp 14 000 Windturbinen mit einer Gesamtleistung von 12 359 Megawatt installiert.

Mit einem Jahresumsatz von erneut über drei Mrd. ? werde die Windkraftbranche weiterhin ein bedeutender Wirtschaftszweig in Deutschland bleiben. In etlichen strukturschwachen Regionen mache die Windenergie den größten Teil der wirtschaftlichen Wertschöpfung aus, sagte Peter Ahmels, Präsident des Windenergie-Verbandes.

Allerdings dürfe bei der geplanten Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) durch die Bundesregierung die vorgeschriebene Einspeisevergütung für Windstrom nicht über die bereits vereinbarte schrittweise Verringerung hinaus gesenkt werden, sagte Ahmels.

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