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28.01.2003

12:44 Uhr

Saison beendet

Schock für Nowotny: Wieder Kreuzbandriss

Die niederschmetternde Diagnose trifft Jens Nowotny und Bayer 04 Leverkusen bis ins Mark. Exakt neun Monate nach seinem Kreuzbandriss am 30. April 2002 im Champions-League-Halbfinale gegen Manchester United zog sich der 29 Jahre alte Bayer-Kapitän gleich bei seinem Comeback in der Fußball-Bundesliga am Sonntag gegen Energie Cottbus (0:3) dieselbe schwere Verletzung im rechten Knie zu.

Kaum wieder von seinem Kreuzbandriss genesen, erlitt Jens Nowotny zum Rückrundenauftakt gegen Cottbus exakt die gleiche Verletzung. Fotos: dpa

Kaum wieder von seinem Kreuzbandriss genesen, erlitt Jens Nowotny zum Rückrundenauftakt gegen Cottbus exakt die gleiche Verletzung. Fotos: dpa

HB/dpa LEVERKUSEN. Er wird seinem Club im Kampf gegen den Abstieg in dieser Saison nicht mehr zur Verfügung stehen. "Ich glaube nicht, dass es für Jens das Karriere-Ende bedeuten wird. Dennoch ist es natürlich ein bitterer Schlag für den Verein und tragisch für den Jungen. Es trifft immer den Falschen. Er hatte sich gerade mit großer Akribie rangearbeitet", sagte Bayer-Geschäftsführer Reiner Calmund am Dienstag frustriert.

"Die Diagnose steht mit hundertprozentiger Sicherheit fest. Jens wird in der nächsten Woche in Regensburg bei Heinz-Jürgen Eichhorn erneut operiert", sagte Bayer-Physiotherapeut Dieter Trzolek der dpa. Eine Kernspintomographie am Montag brachte die Gewissheit. Offiziell bestätigt wurde die Nachricht erst am Dienstag. "Wir wissen es schon seit Montagabend", so Calmund, der sich um Nowotnys Psyche keine Sorgen macht: "Jens hat die niederschmetternde Nachricht seinem Naturell entsprechend sehr gefasst aufgenommen. Trotzdem ist jetzt Seelenmassage erforderlich."

Der neuerliche Ausfall des mit großen Hoffnungen in die zuletzt desolate Bayer-Elf zurück gekehrten Abwehrchefs wiegt schwer für den Verein, der die größte Krise seit dem Fast-Abstieg 1996 durchmacht. Nach dem Abrutschen auf Rang 14 kämpft der Champions-League-Finalist und Vizemeister um den Verbleib in der Elite-Liga. Vor allem für den öffentlich in die Kritik geratenden Trainer Klaus Toppmöller war die Nachricht ein Schock, zumal auch der eigentlich ebenso unersetzliche Brasilianer Lucio erst im Lauf des Februars genesen sein wird.

Angesichts der Entwicklung sehen sich die Verantwortlichen zum Handeln gezwungen. "Schon in der vergangenen Nacht haben die Drähte geglüht. Wir haben in ganz Europa und Südamerika Spielerberater eingeschaltet", beschrieb Calmund die auf Hochdruck laufende Suche nach einem adäquaten Ersatz für Nowotny noch bis zum Transferschluss an diesem Freitag. Calmund warnte aber von Panikmache. Man verfüge mit Carsten Ramelow, Boris Zivkovic, Thomas Kleine und dem zurzeit leicht angeschlagenen Juan noch über vier gute Abwehrspieler, die Nowotnys Position in der Abwehr übernehmen können.

Nowotny erhielt im Cottbus-Spiel nach rund 70 Minuten im Zweikampf mit Andrzej Juskowiak einen Schlag gegen das im Vorjahr bei Richard Steadman in Vail/Colorado operierte Knie. Ausdrücklich betonte Calmund, es gebe "keinen Vorwurf an Juskowiak". Auch Nowotny sagte, es habe sich um einen "normalen Zweikampf" gehandelt. Angesichts des zu dem Zeitpunkt schon ausgeschöpften Auswechselkontingents musste Nowotny aber bis zum Ende durchhalten. Nun beginnt für den Pechvogel die Leidenszeit mit Operation, Rehabilitation und Aufbautraining von neuem.

Auch Rudi Völler hatte auf ein baldiges Comeback des 37-maligen Nationalspielers Nowotny im Team des Vizeweltmeisters gehofft. Der Leverkusener spielte in den Planungen des deutschen Teamchefs vor den weiteren EM-Qualifikationsspielen eine entscheidende Rolle. Nun muss sich auch der DFB-Teamchef auf die neue Situation einstellen.

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