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09.01.2003

07:56 Uhr

SAP hat 2002 die Profitabilität gesteigert - Wachstum nur durch Verdrängung

Softwarekonzerne sparen sich ihre Ergebnisse schön

VonJens Koenen

Die Aktienkurse der Softwarekonzerne haben vor der Veröffentlichung der Jahresergebnisse mächtig angezogen. Die Analysten sind für die Branche wieder optimistischer gestimmt. Doch bessere Ergebnisse im Jahr 2002 sind das Ergebnis eiserner Sparprogramme und Personalabbaus. Diese Möglichkeit, Kosten zu senken, ist begrenzt.

FRANKFURT/M. Die Softwarebranche hat 2002 ein weiteres Krisenjahr hinter sich gebracht, und fundamental gibt es wenig Anzeichen für eine schnelle Änderung im Jahr 2003. Trotzdem steigen seit dem Jahreswechsel die Aktienkurse vieler Software-Firmen. So haben SAP um knapp 17 %, Oracle um 13 %, Peoplesoft um 8 % und Siebel Systems gar um 20 % zugelegt.

Ein Grund für die steigenden Kurse: Analysten erwarten, dass das deutsche Softwarehaus SAP im vierten Quartal 2002 besser abgeschnitten hat als erwartet. Dabei sahen die Prognosen für den Marktführer für Unternehmenssoftware Ende des vergangenen Jahres eher düster aus: Nachdem SAP nach dem dritten Quartal 2002 seine zuvor nach unten revidierte Umsatzprognose wieder kassiert hatte und keine Voraussagen mehr treffen wollte, rechneten Analysten für das wichtige Jahresschlussquartal mit dem Schlimmsten.

Doch jetzt gehen die Experten davon aus, dass SAP das Ziel, seine operative Gewinnmarge (vor Kosten für Mitarbeiterbeteiligungsprogramme und Akquisitionsaufwendungen) von 20 % auf 21 % zu steigern, erreichen wird. Für den Umsatz rechnen die Analysten im Durchschnitt allerdings mit 7,45 Mrd. Euro, also nur mit einem geringfügigen Anstieg im Vergleich zum Vorjahresumsatz von 7,34 Mrd. Euro.

Erreicht hat SAP dieses Ziel jedoch nicht durch einen höheren Absatz margenstarker Softwarelizenzen. Im Gegenteil: In den Monaten Januar bis Oktober 2002 ging der Anteil der Softwareerlöse am Gesamtumsatz um 14 % zurück. Dafür wurde bei den Ausgaben drastisch gekürzt: Allein im dritten Quartal senkte SAP die Verwaltungskosten um 12 %. Im Geschäftsbereich Service und Schulung stieg die Bruttoertragsmarge durch konsequentes Sparen von 20 % auf 27 %.

Doch das sind Erfolge, die sich nicht beliebig viele Quartale wiederholen lassen. "Bei den Kosten ist zwar noch etwas Luft drin, aber irgendwann kommt eine Grenze", räumt ein SAP-Mitarbeiter ein. "Die 2002 beschlossenen Sparprogramme werden sich aber auch noch 2003 positiv auf die Profitabilität auswirken", glaubt Bob Liao, Analyst bei der Investmentbank Dresdner Kleinwort Wasserstein.

Unterdessen wächst an den Finanzmärkten der Erwartungsdruck auf die Software-Spezialisten. Die Investoren hoffen nach einer über zweijährigen Durststrecke endlich wieder auf bessere Zahlen. Notfalls auch über Personalabbau: Beim Spezialisten für Kundenmanagement-Software Siebel musste jeder sechste Mitarbeiter gehen. Der Datenbankspezialist Oracle hat 2002 rund 1000 Stellen abgebaut, und bei den deutschen Beratern des Softwareriesen steht Kurzarbeit an. Auch SAP hat in den USA knapp 90 Mitarbeitern gekündigt.

Den Managern der Softwarekonzerne ist längst klar, dass ohne steigende Verkaufszahlen auf Dauer keine besseren Ergebnisse realisierbar sind. Doch die Aufträge aus der Wirtschaft sind angesichts fehlender Konjunkturimpulse vorerst nicht in Sicht. So rechnen die Marktforscher von Gartner Dataquest frühestens in der zweiten Jahreshälfte mit einer leichten Erholung der IT-Budgets der Unternehmen. Mehr als eine Stagnation sei im gesamten Jahr allerdings kaum drin, sagen die Experten.

Noch skeptischer sind die Analysten von Goldman Sachs, die ein Minus von 1 % bei den weltweiten IT-Investitionen prognostizieren. Angesichts dessen sei es fraglich, ob die Softwarebranche das von vielen Experten erwartete Plus von 6 % beim Nettoergebnis im Jahr 2003 erreichen könnten, heißt es.

Auch fehle nach wie vor ein neuer Technologietrend, der die IT-Ausgaben stimulieren könne. Nach den diversen Experimenten und den hohen IT-Investitionen der vergangenen Jahre setzten die Unternehmen auf die Integration und die Optimierung ihrer bestehenden Systeme, um die Kosten zügig herunterzufahren.

Ungeachtet der zu Jahresbeginn aufgeflammten Euphorie steht die Software-Industrie folglich vor einem weiteren schwierigen Jahr. Die Großen der Branche wie SAP, Oracle oder Peoplesoft können auf Kosten der kleineren Wettbewerber nur noch in Nischenmärkten wachsen. Ansonsten deuten die Zeichen auf einen Verdrängungswettbewerb zwischen den Konzernen.

Quelle: Handelsblatt

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