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02.04.2003

21:50 Uhr

SARS und Irak-Krieg gehen nicht spurlos an deutscher Airline vorüber

Lufthansa rechnet mit schwächerem Jahr

Die Deutsche Lufthansa geht angesichts des Irak-Krieges und der Lungenkrankheit SARS von einem schwächeren Jahr 2003 aus. Lufthansa-Chef Jürgen Weber sagte laut einem Vorabbericht der Tageszeitung "Die Welt" (Donnerstagausgabe): "Auch wir mussten wegen der derzeitigen Probleme schon 55 Flugzeuge stilllegen und werden wohl ein schwächeres Jahr 2003 haben".

Reuters FRANKFURT. Die Lufthansa habe aber frühzeitig ihre Bilanz in Ordnung gebracht, die Schulden reduziert und die Kosten gesenkt. Sie sei deshalb relativ widerstandsfähig, sagte Weber dem Blatt weiter.

Bereits bei der Bilanz-Pressekonferenz am 20. März hatte die Lufthansa für das laufende Jahr ein niedrigeres Ergebnis prognostiziert. Aus heutiger Sicht könne das operative Ergebnis von 2002 in Höhe von 718 Mill. ? nicht wieder erreicht werden, hatte der im Sommer scheidende Konzern-Chef vor rund zwei Wochen gesagt. Angesichts der unsicheren weltpolitischen Lage, der Bedrohung durch den Terrorismus und der konjunkturellen Situation sei derzeit eine belastbare Ergebnisprognose für das laufende Geschäftsjahr allerdings nicht möglich, hieß es damals.

Zudem kündigte Weber weitere Konsequenzen für die Fluggesellschaft aus dem Irak-Krieg an. "Wir haben zwei Programme: Das so genannte D-Check-Programm, das bis zum Jahr 2004 läuft und das Einsparungen von einer Milliarde Euro bringen soll - innerhalb dieses Programms wollen wir nun weitere 100 Mill. ? senken", sagte Weber der Zeitung. "Und wir haben ein Programm mit dem Arbeitstitel "Zukunftsentwicklung Kont-Verkehr" initiiert. Hier wollen wir die Kosten um mindestens 20 % reduzieren - sowohl intern, als auch extern, das heißt bei unseren Lieferanten. Wir wollen aber auch neue Prozesse entwickeln, Abläufe ändern und eventuell neue Produkte einführen", fügte Weber hinzu.

Die zuletzt durch Flugausfälle wegen des Irak-Krieges getroffene Lufthansa hatte bereits Ende März angekündigt, ein Programm zur Kostensenkung und Steigerung der Profitabilität im Kontinentalverkehr starten zu wollen. Es soll den früheren Angaben zufolge zum 1. Mai anlaufen.

Darüber hinaus wiederholte Weber, eine Arbeitszeitverkürzung zu prüfen. Sollte der Krieg gegen den Irak länger dauern und die Lungenkrankheit SARS zu einem Nachfragerückgang führen, könne bei der Lufthansa in Teilbereichen statt 37,5 nur noch 35 Stunden gearbeitet werden, sagte Weber. Die unter anderem für den Irak-Krieg geschaffene Krisenklausel im Lufthansa-Tarifvertrag sieht vor, dass bei einem Einbruch der Erlöse oder des Passagieraufkommens die Arbeitszeit verkürzt und ein Einstellungsstopp verhängt werden kann. Ziel dieser Klausel sind rasche Einsparungen ohne Entlassungen beim Personal.

Durch die flexible Anordnung von Kurzarbeit hatte der Konzern bereits früher in schweren Zeiten Entlassungen vermieden. Unmittelbar nach Beginn des Irak-Krieges hatte die Lufthansa bereits weitere Flugzeuge stillgelegt. Die Buchungen sind nach Konzernangaben seither im einstelligen Prozentbereich rückläufig.

Mit Blick auf die Überprüfung des Ratings der Lufthansa durch Moody's sagte Weber: "Das ist völliger Unfug. Die haben bei einer Anleihe, die wir 1996 begeben haben, Mill. mit Mrd. verwechselt. Statt 130 Mill. sprach ein Finanzdienst in dieser Woche von 130 Milliarden. Die Rating-Agentur Moody's hatte im März mitgeteilt, eine Senkung ihres Langfrist-Emittenten-Rating BAA1 für die deutsche Fluglinie zu erwägen.

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