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23.01.2003

12:54 Uhr

Satellitengeschäft um 40 Prozent eingebrochen

Luft- und Raumfahrtindustrie erwartet Stellenabbau

Die Deutsche Luft- und Raumfahrtindustrie rechnet angesichts der Krise in der Luft- und vor allem der Raumfahrt mit dem Verlust vieler Stellen in Deutschland und Europa. Der Präsidialgeschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie (BDLI), Hans-Joachim Gante, sprach am Donnerstag in Berlin von einer "höllischen Situation" im Raumfahrt-, besonders im Satellitenbereich, die einen Arbeitsplatzabbau notwendig mache.

Reuters BERLIN. Auch die Lage bei den Flugzeugherstellern werde 2003 wohl noch schwieriger als im Vorjahr werden. Viele Experten erwarteten inzwischen erst gegen Ende 2004 eine Erholung. Damit bestehe hier vor allem in der Produktion auch die Notwendigkeiten von Personalanpassungen. Ein Vertreter der EADS-Raumfahrttochter Astrium sprach von 1 200 Stellen, die in seinem Unternehmen auf europäischer Ebene in Gefahr seien. Im Bereich der Trägersysteme stünden weitere 200 Stellen zur Diskussion.

Gante warnte davor, die Mittel für das nationale Raumfahrtprogramm, wie vom Haushaltsausschuss vorgeschlagen, um 25 Prozent gegenüber dem ursprünglichen Ansatz auf rund 118 Mill. Euro zu kürzen. Er hoffe, dass sich das noch abmildern lasse und setze dabei auf Forschungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD). Die Dotierung des Luftfahrtforschungsprogramms mit 160 Mill. Euro von 2003 bis 2006 nannte Gante angesichts der Notlage des Staatshaushalts "ok". Damit könne die Industrie leben. Es gebe Hinweise, dass hier noch etwas nachgebessert werden könne.

"Die Gesamtsituation ist kritisch, um nicht zu sagen katastrophal", sagte Gante zur Lage im Raumfahrt- und speziell im Satellitenbereich. Maßgebend dafür sei vor allem der Einbruch im kommerziellen Telekommunikationsgeschäft, so dass das europäische Satellitengeschäft gegenüber dem Höchststand von 1995/96 auf 40 Prozent eingebrochen sei. Damit verbunden sei das Trägergeschäft - über die europäische Ariane-Trägerrakete - um 50



Prozent zurückgegangen. "Das heißt, ohne Arbeitsplatzreduzierung geht es da wohl nicht", sagte Gante.

Das europäische Ariane-Konsortium müsse grundlegend umstrukturiert und mit effizienteren Strukturen versehen werden, wozu auch die europäischen Staaten Hilfe geben müssten. "Man muss hier etwas anderes aufstellen", erklärte der BDLI-Funktionär. Die geplante Reduzierung der Mittel für das nationale deutsche Raumfahrtprogramm werde unter anderem das geplante europäische Satelliten-Navigationsprojekt Galileo, aber auch die Nutzung der Internationalen Raumstation ISS sowie geplante Tests zum Raumgleiterprojekt Phönix treffen.

Auch die Lage bei den europäischen Flugzeugherstellern ist nach Gantes Worten schwierig. "Es herrscht Übereinstimmung in der Einschätzung, dass dieses Jahr 2003 erheblich schwieriger werden wird als das letzte Jahr", sagte Gante, der bis vor kurzem Deutschland-Chef von Airbus war. Viele Experten rechneten erst gegen Ende 2004 mit einem Umschwung. "So pessimistisch bin ich nicht." Er halte es aber beispielsweise für sehr schwierig für Airbus, die angepeilte Zahl von 300 produzierten und ausgelieferten Flugzeugen zu erreichen. Möglich sei das aber.

Insgesamt werde es insbesondere bei den Ausrüstern, im Produktionsbereich, einen Anpassungsbedarf beim Personal geben. Beim umstrittenen Airbus - Transportflugzeugprojekt A 400M hoffe er, dass die noch offenen finanziellen und politischen Fragen nach der Kürzung der Bestellzahlen, gerade auch von Deutschland, im ersten oder zweiten Quartal 2003 geklärt sein werden.

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