Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

19.03.2003

12:37 Uhr

Satellitenortung

Flugsicherung erwartet keine Probleme

Sollte das US-Militär während des wahrscheinlichen Irak-Krieges die Nutzung der weltweiten Satelliten-Navigation einschränken, würde dies nach Einschätzung von Deutscher Flugsicherung (DFS) und Lufthansa der zivilen Luftfahrt keine Probleme bereiten.

Reuters FRANKFURT. Die Piloten nutzten zwar auch das amerikanische Satelliten-Ortungssystem GPS, verließen sich aber hauptsächlich auf die davon unabhängige Flächennavigation anhand von Funkfeuern und die sogenannte Trägheitsnavigation, sagte der Sprecher der Deutschen Flugsicherung, Axel Raab, am Mittwoch in Frankfurt. Gerade um bis zum Start des geplanten europäischen Satelliten-Ortungssystems Galileo nicht völlig vom US-Militär abhängig zu sein, sei das flächendeckende Netz von Funkfeuern nicht abgeschaltet worden.

Lufthansa-Sprecher Michael Lamberty erklärte ebenfalls, die Piloten der Fluggesellschaft verließen sich primär auf die Trägheitsnavigation. Dabei zeichnet das Flugzeug nach Angaben Raabs vom Start bis zur Landung jede seiner Bewegungen auf und gleicht sie mit einer gespeicherten Landkarte ab, so dass sich jeweils der exakte Aufenthaltsort ablesen lässt. Bei der Flächennavigation dagegen peile das Flugzeug die am Boden fest installierten Funkfeuer an und berechne daraus seine Position. Auch kleinere Privatflugzeuge, die das GPS stärker nutzten, könnten stets über die Funkfeuer navigieren oder sich von den Fluglotsen über Radar ans Ziel bringen lassen, sagte Raab.

In früheren Kriegen wie in Afghanistan oder dem Kosovo habe es keine Probleme mit dem vom US-Militär entwickelten GPS (Global Positioning System) gegeben, sagte Raab. Denkbar sei allerdings, dass die satellitengestützte Ortung etwa dadurch ungenauer werden könnte, dass möglicherweise ein Großteil der Satellitenkapazität auf den Nahen Osten und die Golfregion konzentriert werde. Das Bundesverteidigungsministerium habe der DFS vor einigen Tagen allerdings mitgeteilt, dass es bisher keine Hinweise auf eine bevorstehende Beeinträchtigung des Systems gebe.

"Weil die Piloten auch andere Navigationsmöglichkeiten nutzen, würde es sehr schnell auffallen, wenn das System verstellt würde", betonte Lufthansa-Sprecher Lamberty. Technisch sei es wohl möglich, das System ungenauer zu machen, die Lufthansa halte dies jedoch für relativ unwahrscheinlich. Auf die Sicherheit werde es keine Auswirkungen haben. Mit Hilfe des GPS lassen sich im zivilen Gebrauch Positionen auf einige Meter genau bestimmen.

Um sich von den USA unabhängig zu machen, plant die Europäische Union (EU) den Aufbau eines eigenen Satelliten-Ortungssystems namens Galileo, das 2008 mit rund 30 Satelliten in Betrieb gehen soll. Die Entwicklung soll nach bisherigen Schätzungen etwa 3,4 Mrd. ? kosten. Das US-Verteidigungsministerium lehnt das Projekt mit der Begründung ab, dass es in einem Krieg von Gegnern missbraucht werden könne, weil es nicht unter militärischer Kontrolle stehe.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×