Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

02.01.2003

11:53 Uhr

Schaden- und Unfallversicherer in den USA nehmen mehr Geld ein

Höhere Preise führen nicht überall zu größeren Gewinnen

VonChristopher Oster (Wall Street Journal)

Die Preise steigen so schnell wie seit mehr als zehn Jahren nicht mehr. Aggressive Konkurrenten stehen vor der Pleite. Zu nachgiebige Konditionen gehören der Vergangenheit an. Also warum erleben die Aktien der amerikanischen Schaden- und Unfallversicherer keinen Boom?

NEW YORK. Ein Grund: Die Investoren sind unsicher, wie lange die Party dauert. Wenn die guten Zeiten das kommende Jahr nicht überdauern, bleibt unsicher, ob die Prämiensteigerungen auch zu Kursgewinnen führen. Anleger müssen zudem sorgfältig auswählen: Einige Versicherer verwandeln die steigenden Preise in Profite, andere stopfen erst einmal die Löcher in ihrer Bilanz.

Nach den Terrorattacken im September 2001 setzten viele Anleger auf die Branche, weil sie steigende Prämien voraussahen. Das brachte zunächst auch die Kurse in Schwung, doch inzwischen fiel die Branche fast wieder in den allgemeinen Börsentrend zurück.

Der Prämienanstieg ist jedoch beeindruckend. Er liegt, je nach Art der Versicherung, zwischen 30 und 100 Prozent. Aber die Versicherer sind damit immer noch unzufrieden, sie sehen darin lediglich eine Erholung von einem rund zehn Jahre dauernden Preiskrieg. Maurice Greenberg, Chef des US-Marktführers AIG, klagte vor einigen Wochen, die Preise seien immer noch nicht "angemessen", er sehe nichts, was ihren Anstieg im Verlauf des kommenden Jahres beenden könnte. Aber Statistiken des Council of Insurers Agents and Brokers zeigen, dass der Anstieg bereits langsamer geworden ist.

Der Blick auf die einzelnen Aktien zeigt große Unterschiede. Alice Schroeder, Analystin bei Morgan Stanley, nennt Chubb als Beispiel einer Gesellschaft, die zunächst einmal Löcher in der Bilanz stopfen muss: Um 625 Mill. Dollar hat diese Gesellschaft ihre Reserven wegen Forderungen aus Asbestschäden aufgestockt. Das Beispiel Chubb ist typisch: Die Gesellschaft expandierte mitten im Preiskrieg der späten 90er Jahre innerhalb der Schaden- und Unfallversicherung und handelte sich einige große Forderungen im Bereich der Managerhaftung ein. Zusätzlich besetzte Chubb neue Marktnischen. Zum Beispiel wurde eine neue Deckung angeboten, bei der die Gesellschaft einspringen muss, wenn Unternehmensanleihen nicht mehr bedient werden können. Die Optimisten unter den Branchenexperten erwarten aber, dass auch bei Chubb bald ein Aufschwung spürbar wird.

Die Analystin Schroeder rät ihren Kunden, den Branchentrend nur selektiv mitzumachen. Sie empfiehlt kleinere Rückversicherer wie IPC-Holdings und Everest Re, die vernünftig bewertet seien. Eric Holmes von Victory Capital Management hält dagegen AIG und St. Paul für gute Aktien. Nach dem Rückzug aus einigen unprofitablen Bereichen zeige das Kerngeschäft von St. Paul jetzt sehr gute Wachstumsraten. "Bei diesen Aktien zeigt die Bewertung noch nicht das Gewinnpotenzial", sagt er. Nach ein oder zwei Quartalen mit "wirklich soliden Erträgen" sollten die Kurse in Schwung kommen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×