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17.02.2002

13:47 Uhr

Schadenersatz

Kirch will Deutsche Bank-Chef Breuer verklagen

Der hoch verschuldete Medienhändler Leo Kirch will nach einem Bericht des Magazins "Focus" den Deutsche Bank-Chef Rolf Breuer auf Schadenersatz verklagen.

dpa MÜNCHEN. Kirch gehe von einer Schadenssumme von mindestens 800 Mill. Euro (1,56 Mrd. DM) aus, schreibt das Blatt. Breuer hatte vor etwa zwei Wochen gesagt, es sei unwahrscheinlich, dass die Großbanken Kirch neues Geld geben werden. Daraufhin war der Druck auf das Kirch-Imperium gewachsen.

Ein Kirch-Sprecher sagte dazu am Sonntag in München: "Wir kommentieren derartige Spekulationen nicht". Ein Sprecher der Deutschen Bank sagte in Frankfurt: "Davon ist uns nicht bekannt."

Unterdessen wurde in Finanzkreisen ein Bericht des "Spiegel" über ein angebliches Zerwürfnis zwischen den Gläubigerbanken dementiert. Hintergrund sind ein nachrangiges Pfandrecht für Kirchs Anteil am Springer-Konzern. Für diesen Anteil, der zunächst der Deutschen Bank als Sicherheit dient, besitzen auch die Bayerische Landesbank sowie die US-Banken J.P. Morgan Chase und Lehman Brothers ein solches Pfandrecht. Sollte die HypoVereinsbank also wie geplant mit der Dresdner Bank das Aktienpaket übernehmen, müssten demnach von dem Erlös auch die Bayerische Landesbank und die US-Banken ausbezahlt werden. Die Bayerische Landesbank habe bereits unmissverständlich klar gemacht, dass sie auf ihr Pfandrecht nicht verzichten werde, schreibt der "Spiegel".

Gemeinsames Interesse der Gläubiger

In Finanzkreisen hieß es am Wochenende dagegen, die Kreditinstitute bewegten sich im Moment aufeinander zu. Alle Gläubiger hätten ein gemeinsames Interesse. Ein Konkurs Kirchs wäre für alle die schlechteste Lösung. Wenn die HypoVereinsbank wie angeboten für 1,1 Mrd. Euro das 40-Prozent-Paket Kirchs am Springer-Verlag übernähme, würde zuerst der Kredit der Deutschen Bank bezahlt. In einer konzertierten Aktion müsse dann entschieden werden, wie der restliche Verkaufserlös verteilt werde.

Spekuliert wird auch weiter über die Zukunft von Kirchs verlustreichem Bezahlsender Premiere. Die "Süddeutsche Zeitung" hatte berichtet, dass Kirch Premiere World abstoßen wolle. Bei den Verhandlungen mit Gläubigerbanken in den vergangenen Tagen habe die KirchGruppe erkennen lassen, dass sie auf eine Übernahme von Premiere durch Mitgesellschafter Rupert Murdoch hoffe. Dessen Ankündigung, bei Premiere ganz aussteigen zu wollen, ist nach Einschätzung der KirchGruppe taktisch bedingt. Murdoch kann im Oktober seine Premiere - Anteile an Kirch zurückgeben und dafür etwa 1,6 Mrd. Euro verlangen. Ein Kirch-Sprecher sagte am Samstag der dpa: "Es gibt keine Gespräche über einen Verkauf von Premiere."

Nicht kommentieren wollte der Sprecher den Stand der Auseinandersetzung mit dem Springer-Verlag um den Verkauf von ProSiebenSAT.1-Anteilen. Springer hatte eine Option zum Verkauf der Anteile gezogen und von der KirchGruppe wie vereinbart rund 770 Mill. Euro gefordert. Kirch erklärte, die Option sei rechtlich unwirksam. Laut "Süddeutscher Zeitung" will Kirch in Verhandlungen mit Springer nun einen Preisnachlass von bis zu 45 % erreichen. Der Kirch-Sprecher verwies lediglich auf die Kirch-Erklärungen vom Januar. Damals hatte der Konzern eine Feststellungsklage angekündigt, zugleich aber auch Verhandlungsbereitschaft signalisiert.

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