Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

25.01.2001

18:20 Uhr

vwd/ap CINCINNATI. Der US-Konzern Chiquita Brands International Inc., Cincinnati, hat die EU-Kommission wegen illegaler Begrenzung des Zugangs zum europäischen Bananenmarkt vor dem Europäischen Gerichtshof verklagt. Chiquita erklärte am Donnerstag in Cincinnati im US-Staat Ohio, die Klage werfe der EU-Kommission vor, die Handelsschranken nach einer Entscheidung der Welthandelsorganisation (WTO) von 1997 nicht abgebaut zu haben. Das Unternehmen verlangt 525 Mill. $ (564 Mill. Euro) Schadenersatz und das Recht auf weitere Zahlungen, wenn seine Forderungen nicht erfüllt werden.

Chiquita hoffe noch immer auf eine außergerichtliche Einigung mit der EU, erklärte der Präsident des Konzerns, Steven Warshaw. Das Unternehmen hoffe aber, den Prozess mit dem Gang vor Gericht zu beschleunigen. EU-Handelskommissar Pascal Lamy lehnte am Donnerstag eine Stellungnahme mit Hinweis auf das schwebende Verfahren ab. Vertreter der EU haben in der Vergangenheit erklärt, Chiquita habe seine Probleme selbst verursacht. Chiquita gab in der vergangenen Woche bekannt, dass das Unternehmen mit Anteilseignern über Zugeständnisse verhandelt, um dem tief verschuldeten Bananenkonzern aus der Krise zu helfen und einen Konkurs abzuwenden.

Laut Chiquita rührt die Krise vom Zoll- und Quotensystem der EU, die damit den Verkauf so genannter Dollarbananen begrenzt. Seit Einführung des Systems 1993 ging der Anteil von Chiquita am EU-Bananenmarkt stark zurück, derzeit liegt er bei 20 Prozent. In der Vergangenheit habe Chiquita mehr als die Hälfte seines Gewinns in der EU erwirtschaftet, erklärte Warshaw. Analysten zufolge sind die Finanzprobleme allerdings teilweise darauf zurückzuführen, dass die Unternehmensführung Anfang der 90-er Jahre die Schulden mit der Vergrößerung der Schiffsflotte in die Höhe trieb. In den Folgejahren sei wenig getan worden, um die Schulden abzubauen.

Nach einem Beschluss der EU-Landwirtschaftsminister vom Dezember soll für eine Übergangszeit bis 2006 ein so genanntes Windhundverfahren gelten, bevor ein reines Zollsystem in Kraft tritt. Mit dem Importregime soll sowohl den Interessen der Bananenproduzenten aus den Afrikanisch-Karibisch-Pazifischen Staaten (AKP-Staaten) und den europäischen Überseegebieten als auch den Anforderungen der WTO Rechnung getragen werden. Nach dem Windhundverfahren sollen diejenigen Produzenten begünstigt werden, die zuerst liefern können. Die WTO hatte das alte, aus Quoten und Lizenzen bestehende Einfuhrregime 1997 verworfen. Daraufhin hatten die USA Strafzölle gegen die EU verhängt.

Die USA und lateinamerikanische Staaten sehen ihre Dollarbananen allerdings auch nach der Neuregelung im Wettbewerb benachteiligt. Die Europäer werfen den US-Firmen vor, die kleineren AKP-Produzenten aus dem Geschäft drängen zu wollen, indem sie lediglich die Interessen der Großkonzerne verfolgten und Themen wie Arbeiterrechte und Umweltbelange missachteten.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×