Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

05.05.2003

07:13 Uhr

Scharfe Kritik an Usbekistan

Osteuropabank vergibt Kredite in Rekordhöhe

Die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) hat am Sonntag von ihren Mitgliedsländern ein gutes Zeugnis ausgestellt bekommen. "2002 war ein weiteres Rekordjahr für die Bank - trotz globaler Wirtschaftsschwäche hat die EBRD Rekordausleihungen in Höhe von 3,9 Mrd. Euro realisieren können", lobte die Vorsitzende des Gouverneursrats der Osteuropa-Entwicklungsbank, die britische Entwicklungshilfeministerin Clare Short, auf der Jahresversammlung der Bank in Taschkent.

mbr TASCHKENT. Die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) hat am Sonntag von ihren Mitgliedsländern ein gutes Zeugnis ausgestellt bekommen. "2002 war ein weiteres Rekordjahr für die Bank - trotz globaler Wirtschaftsschwäche hat die EBRD Rekordausleihungen in Höhe von 3,9 Mrd. Euro realisieren können", lobte die Vorsitzende des Gouverneursrats der Osteuropa-Entwicklungsbank, die britische Entwicklungshilfeministerin Clare Short, auf der Jahresversammlung der Bank in Taschkent.

Die EBRD ist ein von 60 Mitgliedstaaten - der Europäischen Union und der Europäischen Investitionsbank - getragenes Finanzinstitut, das den wirtschaftlichen und politischen Umbau der Staaten Mittel- und Osteuropas sowie Zentralasiens durch Kredite unterstützen soll. Während die Bank ihre Zusagen über Kredite, Kapitalbeteiligungen und Projektfinanzierungen voriges Jahr um 6,6 % auf 3,9 Mrd. Euro steigern konnte, entsprach das tatsächlich ausgezahlte Volumen mit 2,4 Mrd. Euro dem Niveau von 2001. Der Reingewinn hingegen sank von 157 auf 108 Mill. Euro, was die Bank mit buchhalterischen Umstellungen und höherem Rückstellungsbedarf begründet. Tatsächlich aber gingen die Rückstellungen am Jahresende sogar von 13,9 % auf 13,3 % zurück. Das erhöhte Geschäftsvolumen erklärt die EBRD mit der überdurchschnittlichen Konjunkturentwicklung in ihrem Einsatzgebiet zwischen Mitteleuropa und Zentralasien.

Dabei zieht es die Bank immer weiter nach Osten: Während nach der Gründung der EBRD vor zwölf Jahren hauptsächlich mitteleuropäischen Reformstaaten mit Projektgeldern geholfen wurde, macht heute Russland den wichtigsten Einzelposten des EBRD-Portfolios aus. Mit dem Riesenreich wurden 2002 ein Drittel der Projektfinanzierungen vereinbart.

Überschattet wurde die EBRD-Jahrestagung von scharfer Kritik am Austragungsort: Die Wahl der usbekischen Hauptstadt gebe dem autoritären Regime von Usbekistans Präsident Islam Karimow einen "Persilschein", warfen Diplomaten, Geschäftsleute und Menschenrechtler in Taschkent der Bank vor. EBRD-Präsident Jean Lemierre und Short kritisierten ihrerseits das 25 Millionen Einwohner große Land.

Die EBRD könnte mehr in Usbekistan investieren, wenn das Land das nötige Investitionsklima schaffe, sagte Lemierre. Notwendig wäre dazu ein Ende der Kontrolle über den Währungskurs sowie der staatlichen Kontrolle über die Wirtschaft, die Einhaltung von Menschenrechten und der Pressefreiheit. Usbekistan hatte stattdessen seine Grenzen geschlossen, um Importe und damit die Nachfrage nach Dollar zu verringern. Damit brachte Usbekistan den Schwarzmarktkurs der Landeswährung Sum in die Nähe des offiziellen und staatlich festgesetzten Zentralbankkurses. Der Internationale Währungsfonds hatte hingegen die Konvertibilität des Sum gefordert. Usbekistan verzeichnete 2002 mit 6 $ pro Kopf die niedrigsten ausländischen Direktinvestitionen aller Staaten der ehemaligen UdSSR. Zugleich ist das Bruttoinlandsprodukt in den letzten vier Jahren von 400 auf 300 $ pro Einwohner gesunken und der monatliche Durchschnittslohn von 57 auf 29 $ gefallen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×