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08.01.2003

08:37 Uhr

Scharfer Wettbewerb in den USA drückt die Margen

Rabattaktionen und Konjunkturflaute verderben Appetit auf Autoanleihen

VonAndrea Cünnen

Es könnte alles so schön sein. Die Autobranche feiert sich in diesen Tagen auf der Detroit Motor Show selbst. Alles, was Rang, Namen und vier Räder hat, ist auf der Messe vertreten. Die Vorstände der Autokonzerne verbreiten Optimismus und präsentieren stolz ihre neuen Modelle. Abgerundet wird das gute Bild durch die zur Messe veröffentlichten Absatzzahlen für Dezember, die je nach Hersteller mehr oder weniger deutlich über denen des Vormonats lagen.

FRANKFURT/M. Im Handel haben sich denn auch die Risikoaufschläge der Auto-Anleihen seit Mitte Oktober von ihren Höchstständen wieder deutlich verringert. Die in den nächsten Tagen erwarteten Anleiheemissionen von Ford und Volkswagen erfreuen sich schon jetzt großer Nachfrage. Schließlich setzen die meisten Volkswirte darauf, dass sich die weltweite Konjunktur in der zweiten Jahreshälfte zumindest leicht erholt - das sollte die Nachfrage nach zyklischen Gütern wie Autos beflügeln.

Trotz dieser scheinbar positiven Signale sind Analysten für Auto-Anleihen aber vorsichtig gestimmt. Fest steht für sie nur eins: Die Entwicklung der Bonds - absolut und gemessen an den Risikoaufschlägen im Vergleich zu Staatsanleihen - wird 2003 stark schwanken.

Viele Banken raten Investoren, mit dem Kauf von Auto-Anleihen abzuwarten, bis sich die Zeichen für eine Konjunkturerholung konkretisiert haben. Das werde frühestens im zweiten Halbjahr der Fall sein. Doch auch dann ist fraglich, ob die Nachfrage nach Autos anspringt. Denn mit ihren großzügigen Rabatt-Aktionen und kostenlosen Krediten haben die Autokonzerne - allen voran Vorreiter General Motors - im wichtigen US-Markt viel Nachfrage vorweggenommen. "Der Markt ist gesättigt", sagt zum Beispiel Scott Sprinzen von der Ratingagentur Standard & Poor?s (S&P).

Der heftige Kampf um Kunden mit hohen Preisnachlässen und aufwendigen Service- und Zubehörpaketen dürfte auch in diesem Jahr anhalten. Das schmälert die Gewinnmargen der Konzerne. Dazu wird der Autoabsatz Prognosen zufolge 2003 in Westeuropa und den USA sinken. Die Autohersteller brauchen jedoch Umsätze und Erträge, um ihre teils hohe Verschuldung zurückzufahren.

Das Verhältnis zwischen Gewinn und Schuldenstand ist wichtig für die Bonitätsbewertungen der Unternehmen. Die Ratings von General Motors (GM) und Ford kamen schon im vergangenen Oktober unter Druck, als S&P die Bonitätsnoten der Nummer eins und zwei unter den Autoherstellern senkte. Dabei liegen GM und Ford mit der der Note "BBB" aber noch zwei Stufen von der Einstufung als Schrottanleihen (Junkbonds) entfernt.

Von einer weiteren Herabstufung ist Ford mit einem negativen Ratingausblick mehr bedroht als GM. Hauptgrund dafür ist die schwierige und langwierige Restrukturierung des Unternehmens. Goldman Sachs befürchtet, dass Toyota, Honda und Nissan den US-Autokonzern überholen und im Club der Großen Drei - neben GM und Daimler-Chrysler - ablösen könnten. Eine Rating-Herabstufung auf BBB- und damit die unterste Stufe der Investitionsklasse schließt auch ABN Amro nicht aus. Ein solches Downgrade würde den ganzen Markt deutlich belasten.

Negativ sind zudem die ungedeckten Pensionsverpflichtungen der großen Drei in den USA. Sie waren ein Grund für das schlechtere Rating von GM. Noch verfügen die Autobauer aber über hohe Liquiditätsreserven. Dass sie ihre Bonds nicht zurückzahlen können, ist zumindest kurzfristig nicht zu befürchten.

Anlegern, die Anleihen bis zur Endfälligkeit halten, raten Experten deshalb bei Ford und GM nur zu Laufzeiten von zwei bis drei Jahren. Für längere Laufzeiten empfehlen sie defensivere Auto-Titel etwa von BMW, Porsche, Toyota, Volkswagen oder auch Daimler-Chrysler.

Quelle: Handelsblatt

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