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30.01.2003

21:00 Uhr

Scharon lehnt Gespräche ab

Israelische Armee rückt in Hebron ein

Israelische Soldaten sind am Donnerstag mit Panzern in Hebron im Westjordanland eingerückt und haben mehrere Palästinenser festgenommen. Ministerpräsident Ariel Scharon hatte zuvor eine Aufforderung zu Verhandlungen zurückgewiesen, die Palästinenser-Präsident Jassir Arafat nach dem Wahlsieg des Regierungschefs ausgesprochen hatte.

Reuters JERUSALEM. Augenzeugen berichteten, Soldaten hätten vor Tagesanbruch begonnen, Hebron nach militanten Palästinensern zu durchsuchen. Neben Panzern seien gepanzerte Truppentransporter und Planierraupen im Einsatz gewesen. Israels Wähler haben Scharons harte Politik gegen die Palästinenser unterstützt und verhalfen seiner rechts-konservativen Likud-Partei dazu, ihre Sitze im Parlament auf 37 fast zu verdoppeln.

Per Lautsprecher wurde den Bewohnern Hebrons mitgeteilt, dass eine Ausgangssperre über die Stadt verhängt worden sei. Es sei eine Militäraktion gegen die "Infrastruktur des Terrors" im Gang, sagte ein israelischer Armeesprecher. In der vergangenen Woche waren drei israelische Soldaten nahe einer jüdischen Siedlung bei der Stadt getötet worden. Hebron ist gemäß dem Interimsfriedensabkommen von 1997 in israelisch und palästinensisch kontrollierte Zonen geteilt. 450 meist radikale jüdische Siedler leben inmitten von 150 000 Palästinensern.

Die Armee teilte weiter mit, in der Nacht seien 19 militante Palästinenser im Westjordanland festgenommen worden, davon vier in Hebron. In Tulkarm erschoss die Armee nach eigenen Angaben zwei Palästinenser, die den radikalen El-Aksa-Brigaden angehört hätten. Die Armee teilte mit, Soldaten hätten die beiden Männer festgenommen und sie erschossen, als sie hätten fliehen wollen. Nach palästinensischen Angaben gehörte nur einer der Männer zu den El-Aksa-Brigaden. Im südlichen Gaza-Streifen zerstörte die israelische Armee Augenzeugen zufolge drei Häuser und beschädigte 18 weitere.

Arafat sagte nach Scharons Wahlsieg im Fernsehen: "Wir bestehen darauf, sobald wie möglich an den Verhandlungstisch zurückzukehren." Er sei bereit, Scharon sofort zu treffen und die Palästinenser zu einer Waffenruhe aufzurufen.

Scharon-Berater Raanan Gissin ging nicht weiter auf die Aufforderung Arafats ein. "Arafat ist nicht von Bedeutung", sagte er. Der Palästinenser-Präsident solle zunächst einmal mit seinen eigenen Leuten sprechen, um den Terrorismus zu stoppen.

Scharon suchte unterdessen nach Partnern für eine Koalitionsregierung. Likud ist mit Abstand die stärkste politische Kraft in der 120 Mitglieder umfassenden Knesset. Die sozialdemokratische Arbeitspartei, die unter ihrem Spitzenkandidaten Amram Mizna für Friedensgespräche mit den Palästinensern eingetreten war, verlor sechs Mandate und ist mit 19 Abgeordneten vertreten. Mizna bekräftigte in einem Rundfunkinterview, dass er eine Koalition mit der Likud-Partei ablehne. Dies sei ein Wahlversprechen gewesen.

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