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06.02.2004

07:11 Uhr

"Schaue manchmal gerne auch Trash-Fernsehen"

Giovanni de Lorenzo: "Nepal entdecken"

Das Handelsblatt Weekend Journal im Gespräch mit Giovanni di Lorenzo, Chefredakteur des Berliner "Tagesspiegels" und Fernsehmoderator.

Wie sehen Sie das heutige Berlin?

Giovanni di Lorenzo: Berlin wird immer ansehnlicher. Aber es tut mir in der Seele Leid mitzuerleben, wenn alles wie am Prenzlauer Berg bis zur Sterilität saniert wird und Altes nicht mehr alt aussehen darf. Außerdem wurde zu spät bemerkt, dass die Menschen sehen wollen, wo die Mauer stand.

Wie würden Sie Ihren Führungsstil als Chefredakteur beschreiben?

Das sollen andere beurteilen. Aber ein Chef sollte drei Dinge hundertprozentig leisten: Information, Kommunikation und Motivation.

Und wie würden Sie Ihren persönlichen Stil beschreiben?

Auf Kleidung verwende ich sehr wenig Aufmerksamkeit. Wenn es sich ergibt, kaufe ich mir etwas auf einem Flughafen.

Welchen Stil bevorzugen Sie bei anderen?

Ich bin kein Fan von Schlabber-Looks. Aber meine Redaktion kann und will ich nicht bekehren. Immerhin: Zumindest geht keiner mehr in Jeans oder im Poncho oder mit gelber Lederkrawatte zum Kanzlerinterview.

Was empfinden Sie als stillos?

Nudeln mit Sahnesoße.

Was mögen Sie an Deutschland, was an Ihrer zweiten Heimat Italien?

Deutschland ist eine funktionierende Demokratie, in der auch die kleinen Leute zu ihrem Recht kommen. Über Italien kann man sich dagegen grün und blau ärgern. Aber auch ich bin immer wieder aufs Neue überwältigt von der Entdeckung, wie liebenswert Italiener sein können.

Welches ist Ihr liebstes Reiseziel und warum?

Der schönste Flecken, den ich kennen gelernt habe, war eine wilde Karibikinsel. Vor dem Anflug mussten Kühe von der Landebahn gescheucht werden. Nepal möchte ich entdecken und auch den Osten Europas.

Was darf nicht fehlen, wenn Sie auf Reisen gehen?

Belletristik und guter Wein.

Lesen Sie auf Reisen Zeitung?

Hm, ich versuche, es zu vermeiden. Aber wenn, dann lese ich "Bild". Und das Feuilleton der "FAZ".

Was unterscheidet die deutsche von der italienischen Presselandschaft?

Die deutsche ist unabhängiger und freier.

Sie sind seit 1989 Moderator der Sendung "3 nach 9" im Fernsehen. Wie sehen Sie die deutsche Fernsehlandschaft?

Als Mitglied der Jury des Deutschen Fernsehpreises war ich immer überrascht, wie viel gutes Fernsehen es hier gibt. Ich gestehe, dass ich mir zum Vergnügen auch gerne Trash-Fernsehen anschaue . . .

Die Fragen stellte Dorit Heß

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