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27.06.2000

08:18 Uhr

Schickedanz soll am Ende der Transaktion mit 10 Prozent an italienischer Bank beteiligt sein

Bipop will Direktbank Entrium voll übernehmen

Das italienische Bankhaus Bipop-Carire übernimmt mehrheitlich die Nürnberger Direktbank Entrium. Beide Unternehmen teilten am Montagabend mit, es sei Einvernehmen über das Übernahmeangebot für 68 Prozent der Aktien der Entrium Direkt Bankers AG, Nürnberg, erzielt worden. Der Vertrag sei bereits unterzeichnet worden.

Rtr/dpa MAILAND/NÜRNBERG. Bipop wird den Angaben zufolge zunächst den 68-Prozent-Anteil der Familie Schickedanz an der 1990 gegründeten früheren Quelle Bank übernehmen. Den außenstehenden Aktionären der Entrium werde im November 2000 ein Übernahmeangebot unterbreitet. Die am Neuen Markt notierte Entrium-Aktie werde anschließend voraussichtlich von der Börse genommen. Nach Abschluss der gesamten Transaktion werde die Nürnberger Unternehmerfamilie Schickedanz rund zehn Prozent an der Bipop aus Brescia halten, hieß es weiter.

Italiener wollen die Management-Ebene nicht antasten

Entrium teilte zu der Vereinbarung mit, man werde mit unverändertem Management im starken Verbund des neuen Gesellschafters das Kompetenz-Center zum Auf- und Ausbau der europaweiten Direktbanking-Aktivitäten der Bipop-Carire sein.
Für die 28 % Entrium-Aktien, die sich direkt im Familienbesitz befinden, erhält Schickedanz der Vereinbarung zufolge je sieben Bipop- Aktien. Für den 40-prozentigen Anteil der Schickedanz Beteiligungs-GmbH (SBH) sollen je 8,5 Anteile der italienischen Bank gezahlt werden. Das entspricht einem Preis von 63,60 Euro für die Familien-Aktien und von 77,48 Euro für die Anteile der Holding. Das Umtauschverhältnis von eins zu sieben gilt den Angaben zufolge später auch für den Streubesitz von 32 %. Geld fließt bei der Transaktion nicht. Am Freitag hatten Entrium am Neuen Markt mit 57,99 Euro geschlossen, Am Montag waren die Titel ebenso wie die Bipop- Aktien vom Handel ausgesetzt. Am Dienstagmorgen legte die Aktie am Neuen Markt um 1,4 Prozent auf 58,80 Euro zu.

Die Bipop-Aktie strebt nach Frankfurt und Paris

Nach Angaben von Bipop-Vorstandschef Bruno Sonzogni soll die Bipop-Aktie künftig auch in Frankfurt und Paris notiert werden. In Mailand ist die frühere Regionalbank im Börsenindex MIB-30 gelistet.
Mit einer Börsenkapitalisierung von rund 14 Mill. Euro (27,4 Mill. DM) ist Bipop, die aus der Fusion zweier oberitalienischer Genossenschaftsbanken in Brescia und Reggio Emilia entstanden ist, nach einer starken Expansion die fünftgrößte Bank Italiens. Die Ausrichtung auf das Internet als Vertriebskanal hat den Aktienkurs der Bank im vergangenen Jahr um 300 Prozent wachsen lassen. Als ihr Kerngeschäft definiert Bipop die Vermögensverwaltung. Hier besetzt die Bank gemessen am Marktanteil in Italien derzeit den sechsten Platz.

Bipop hatte in diesem Jahr bereits mit der i-Bourse eine Online-Handelsplattform in Frankreich gekauft und in Spanien und Portugal Kooperationsvereinbarungen geschlossen. Von der geplanten Abspaltung und dem Börsengang des größten Online-Brokers in Italien, der Fineco mit 100 000 Kunden, will Bipop nach der Übernahme von Entrium Abstand nehmen.

Die meisten Kunden der Entrium-Bank betreiben keinerlei Wertpapierhandel

Die 1990 als erste reine Direktbank gegründete Quelle Bank wurde vor einem Jahr in Entrium umbenannt. Durch den Schritt wollte sich die Entrium vor allem von dem Versandhandelskonzern abgrenzen. Im September 1999 war die Bank an den Neuen Markt gebracht worden. Die Emissionskurs von 16,50 Euro hat sich seither fast vervierfacht. Entrium ist mit rund 800 000 Kunden die kundenstärkste Direktbank in Deutschland. Nur knapp 100 000 Kunden handeln allerdings mit Wertpapieren. Für den größten Teil des Einlagevolumens von 8,7 Mrd. DM sorgt ein Tagesgeld- Konto. Entrium vergibt zwar Verbraucherkredite, entgegen der verbreiteten Auffassung aber keine Ratenkredite für Quelle. Im vergangenen Jahr machte Entrium einen Gewinn von 36 Mill. DM.

Die Familie Schickedanz hatte das Quelle Versandhaus im vergangenen Jahr in die Karstadt Quelle AG eingebracht und war im Gegenzug größter Aktionär bei dem Düsseldorfer Handelskonzern geworden.

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