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03.02.2003

13:15 Uhr

Schicksalsspiel in Unterhaching

Calmund stellt Toppmöller Ultimatum

Die Vorahnung vom nahen Ende seiner Amtszeit stand Klaus Toppmöller ins Gesicht geschrieben. Regungslos, mit hängenden Mundwinkeln und leerem Blick verfolgte der ansonsten lebhafte Trainer von Bayer Leverkusen die 0:2-Schlappe bei Borussia Dortmund.

HB/dpa DORTMUND/LEVERKUSEN. Nach dem neuerlichen Offenbarungseid des trudelnden Vize- Meisters ging selbst Reiner Calmund deutlich auf Distanz und stellte dem einstmals geschätzten Fußball-Lehrer ein Ultimatum: "Man braucht als Trainer Erfolg und Ergebnisse. Und wir hoffen alle gemeinsam und kämpfen, diese Ergebnisse in Unterhaching und Bochum einzufahren. Wenn das nicht der Fall ist, dann muss man natürlich in dem Geschäft darüber diskutieren - mit aller Offenheit, mit aller Fairness."

Ausgerechnet dem aus Leverkusener Sicht verwunschenen Ort in Unterhaching kommt einmal mehr besondere Bedeutung zu. Knapp drei Jahre nach der folgenschweren Schlappe gegen die Münchner Vorstädter, mit der Bayer am letzten Spieltag den Meistertitel der Saison 1999/2000 verspielte, droht ein neues Trauma. Verliert sein Team am Mittwoch an gleicher Stätte auch das Viertelfinale im DFB - Pokal,dürfte die Geduld der Vereinsbosse endgültig aufgebraucht und Toppmöller nicht länger zu halten sein.

Von der Bereitschaft, sich hinter seine Spieler zu stellen, war bei dem in die Enge getriebenen Coach nach dem 0:2 nichts geblieben. "Hab ich beim ersten Gegentor gepennt? Bin ich vom Platz geflogen?", beklagte Toppmöller die unglaublichen Fehler seiner Profis, die bereits nach sechs Minuten desillusioniert die Köpfe hingen ließen. Ungläubig musste der Trainer des Jahres 2002 mit ansehen, wie seine Abwehrspieler Juan und Diego Placente beim 0:1 von Ewerthon (3.) anfängerhaft patzten und sein Spielmacher Yildiray Bastürk (6.) nur drei Minuten später nach einem überflüssigen Foul an der Mittellinie die Rote Karte sah. Beim Treffer zum 2:0 von Koller (26.) saß Toppmöller bereits in sich gekehrt auf der Bank.

Die noch im Winter-Trainingslager zur Schau gestellte Zuversicht ist verflogen. "Wir werden die Mannschaft der Rückrunde", hatte Toppmöller in Naples/Florida getönt. Nach zwei Auftaktniederlagen gegen Cottbus und Dortmund geht der Blick aller Beteiligten jedoch nur noch nach unten. "Nichts hat sich geändert, dabei lief es im Trainingslager so gut", meinte Carsten Ramelow. Anders als die wachsende Schar der Toppmöller-Kritiker hält der Nationalspieler von einem Trainerwechsel jedoch wenig: "Diejenigen, die die Karre in den Dreck gefahren haben, sollen sie auch wieder rausziehen."

Das wird zumindest beim kommenden Meisterschaftsspiel in Bochum nicht möglich sein. Denn im Ruhrstadion fehlen die gesperrten Ramelow (5. Gelbe Karte) und Bastürk (Rot). Deshalb sind die wenige Stunden vor Ablauf der Wechselfrist verpflichteten - in Dortmund noch nicht spielberechtigten - Profis Radoslaw Kaluzny (Energie Cottbus) und Cris-Marques (Cruzeiro Belo Horizonte) schnell gefordert. "Jetzt muss ich sie gleich ins kalte Wasser werfen", kündigte Toppmöller die rasche Integration der Hoffnungsträger an.

Zumindest auf verbaler Ebene war die erhoffte Trendwende erkennbar. Anders als nach den letzten Pleiten verzichteten fast alle Leidtragenden auf Klagen über das große Verletzungspech. "Herumjammern bringt uns nicht weiter", sagte Ramelow und schwor seine Mitspieler auf den bevorstehenden Überlebenskampf ein. "Es geht noch ein Stückchen nach unten. Wer das bis jetzt noch nicht kapiert hat, dem kann man auch nicht mehr weiterhelfen."

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