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03.08.2000

16:04 Uhr

dpa STOCKHOLM. Schwedens Regierung erwägt eine neue amtliche Untersuchung zum Untergang der Ostseefähre "Estonia", bei dem 1994 853 Reisende ums Leben kamen. Gewerbeministerin Mona Sahlin sagte am Donnerstag in Stockholm im Fernsehen, man werde eine neue Untersuchung in Gang setzen, falls ein für den Spätsommer angekündigtes privates Tauchunternehmen des US-Millionärs Greg Bemis in diesem Monat neue Erkenntnisse zu Tage bringe.

Bemis hatte die Tauchaktion von den USA aus damit begründet, dass "95 % der Hinterbliebenen dies wünschten" und die amtlichen Stellen die wirkliche Ursache für die Katastrophe am 28. September 1994 vor der finnischen Küste verschleiern wollten. Nachdem Finnlands Regierung zunächst angekündigt hatte, man werde die Taucher an ihrer Aktion an dem gesetzlich als Grabstätte geschützten Wrack hindern, erklärte Sahlin, dass die Regierungen in Stockholm und in Helsinki zusammen mit Estland gemeinsam beschlossen hätten, Bemis gewähren zu lassen.

"Ich kann mir allerdings nicht vorstellen, was dabei Neues herauskommen soll", meinte die Ministerin. Vertreter von Organisationen der 3 000 Hinterbliebenen und der 137 Überlebenden äußerten sich unterschiedlich bei der Bewertung des von zahlreichen Medien begleiteten Tauchunternehmens. Auch knapp sechs Jahre nach dem schlimmsten Schiffsunglück der europäischen Nachkriegsgeschichte gilt weiter als ungeklärt, warum das Bugvisier des mit mehr als 1 000 Menschen besetzten Schiffes bei einer Fahrt von Tallinn nach Stockholm abbrach und Wasser einlaufen ließ, wonach das Schiff in weniger als einer halben Stunde sank.

Während die amtliche Havariekommission Konstruktions- und Baufehler am Bugvisier durch die Papenburger Meyer-Werft in Deutschland als Ursache in den Vordergrund stellte, wurde unter privaten Ermittlern neben zu schneller Fahrt und anderen seemännischen Fehlern auch immer wieder die Möglichkeit einer Explosion an Bord unmittelbar vor dem Unglück durch Sprengstoff ins Spiel gebracht.

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