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20.01.2003

14:57 Uhr

Schlager-Grand-Prix könnte an die Wand gedrängt werden

Die „Superstars“ werden zur Goldgrube

Es ist erst wenige Wochen her, da dümpelte die RTL-Show "Deutschland sucht den Superstar" bei einer Zuschauerzahl von rund vier Millionen am Vorabend. Jetzt spricht der Sender schon selbstbewusst von "DSDS" und setzt damit voraus, dass jeder mit diesem Kürzel etwas anzufangen weiß.

Deutschland sucht den Superstar, Foto: dpa

Deutschland sucht den Superstar, Foto: dpa

HB/dpa HAMBURG. Was ist in der kurzen Zeit passiert? Aus der Massen-Castingshow mit Laiendarstellern ist eine Selektion von wenigen hochbegabten Talenten geworden, die Millionen junger Menschen vor die Bildschirme lockt. "Deutschland sucht den Superstar" ist in aller Munde und scheint für die Veranstalter zur Goldgrube zu werden.

Auf der Internetseite herrscht im Chatforum reger Informations- und Meinungsaustausch. Sekündlich treffen neue E-Mails ein von Fans, die sich mit der Gemütslage der noch verbliebenen fünf Kandidaten Daniel, Juliette, Gracia, Vanessa und Alexander befassen. "Daniel Küblböck würde besser in eine Comedyshow passen als in diese Sendung", kritisiert ein Schreiber. "Juliette war grottenschlecht", befindet ein anderer. "Lexi" meint, dass Juliette, Gracia und Alex es verdient hätten, unter die letzten drei zu kommen. "DaDa" gesteht, am Samstag bei der Zuschauerentscheidung 35 Mal Daniels Nummer gewählt zu haben. Vor allem der 17-jährige Bayer polarisiert die Fans. Er hat die schlechteste Stimme, aber das größte Showtalent - aber das weiß er.

"Deutschland sucht den Superstar" wird ganz offenbar zum neuen Erfolgsmodell und könnte sich als Lokomotive für den flauen Werbemarkt entpuppen. Die werbetreibende Industrie schaltet bis zu 64 000 Euro teure Spots - etwa dieselbe Tarifebene wie bei Günther Jauchs Show "Wer wird Millionär?". Aber nicht nur das: Der Sender ist am Verkauf des neuen Printmagazins "Deutschland sucht den Superstar" und der CD "We habe a dream" mit den letzten zehn Kandidaten und Dieter Bohlen beteiligt. Sie hat sich bereits mehr als 500 000 Mal verkauft, wie es am Montag hieß. Und Simon Fuller, auf 300 Millionen Euro Vermögen geschätzter Erfinder der internationalen Vorlage "Idols" - so hieß die Show in Großbritannien und den USA -, kann sich jetzt schon die Hände reiben.

Wichtig ist für den deutschen Sender RTL die Erkenntnis, dass sich neben der konventionellen Werbung über Zeitschriftenvertrieb und Plattenverkauf Erwerbsquellen erschließen lassen, die die Fernsehsender bislang noch nicht auf der Rechnung hatten. RTL II hat es mit der TV-Reihe "Popstars" geschafft, die "No Angels" und "Bro'Sis" hervorzubringen, aber bei den "Teenstars" blieb der Erfolg aus. Auch die "Cross Promotion" zwischen den Medien funktioniert. Die "Bild"-Zeitung lässt die Nation jetzt täglich am Privatleben der "Superstars" teilhaben: Sie war beim Kollaps von Daniel Lopes, ergründete seine erste Ehe und die Affäre mit Kandidatin Juliette oder machte - wie am Montag - mit den "Hass-Briefen" gegen Daniel Küblböck auf.

Der Wettbewerb, den die "Süddeutsche Zeitung" vor einigen Wochen noch "Deutschland sucht das Suppenhuhn" nannte, könnte in neue Dimensionen vorstoßen. RTL-Sprecher Christoph Körfer hält die Zuschauerzahl von 9,78 Millionen vom vergangenen Samstag für "steigerbar". RTL-Unterhaltungschef Tom Sänger sagt: "Je länger der Wettbewerb dauert, desto emotionaler und spannender wird er". So könnten die stimmgewaltigen Kandidaten und die Jury um BMG-Chef Thomas Stein und Dieter Bohlen glatt dem "Grand Prix d'Eurovision de la Chanson", der jetzt auch in seine entscheidende Phase rückt, den Rang ablaufen. Denn der gute, alte Schlager-Grand-Prix zählte bei seinem Deutschland-Finale vor einem knappen Jahr lediglich 8,7 Millionen Zuschauer und bei der internationalen Entscheidung 9,75 Millionen.

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