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11.02.2002

10:56 Uhr

Schlechte Karten im TV-Poker

Stich lobt sein Team und rüffelt Haas

Michael Stich lobt sein geschlagenes Team und rüffelt "Aussteiger" Thomas Haas. Der neue Daviscup-Kapitän hatte sich sein Debüt mit dem 1:4 gegen Kroatien in Zagreb auch anders vorgestellt. Dennoch fiel das Fazit der neuen Führungs-Crew positiv aus.

Tommy Haas am Boden. Foto: ap

Tommy Haas am Boden. Foto: ap

dpa ZAGREB. Der erwachte Teamgeist überstand schließlich auch die Niederlage. "Die Jungs haben 100 % gegeben - und das war es, was ich von ihnen erwartet habe. Also gibt es keinen Grund, unzufrieden zu sein", meinte Stich. Das Theater um Thomas Haas ging ihm dagegen zunehmend auf die Nerven. Als Vermittler stehe er gleichwohl nicht zu Verfügung. Warum auch?

"Ich sehe mich nicht in der Bringeschuld", betonte Stich. Die liege ganz allein bei Haas, der gefordert sei, endlich das unwürdige Schauspiel zu beenden. Nachdem sich der Team-Chef in den Tagen von Zagreb bewusst zurückgehalten hatte, sprach er nach der Niederlage Klartext und rüffelte den aus Florida mehr und mehr Giftpfeile aussendenden Hamburger. Einer Sonntag-Zeitung hatte der ein Interview gegeben, das am Tag der Entscheidung in Kroatien erschienen war.

"Wie man so etwas machen kann, verstehe ich überhaupt nicht - selbst wenn ich mir noch so viel Mühe gebe", sagte Stich und Zornesfalten gruben sich in sein Gesicht. Die Tür sei dennoch nicht verschlossen, aber die Störfeuer, "während hier noch gespielt wird", seien unmöglich gewesen. An Haas sei es, die Situation zu klären und das überfällige Gespräch mit DTB-Präsident Georg von Waldenfels zu suchen. Stich: "Wenn er Daviscup spielen will, dann soll er es tun."

Der Daviscup-Kapitän will bis zum Abstiegsspiel im Herbst, für das am 10. April der Gegner ausgelost wird, auf dem eingeschlagenen Weg weiter voran gehen. "Es gibt viel zu tun", sagte er ohne ganz konkret zu werden. Im Nachwuchsbereich müsse hart gearbeitet werden, im Verband die Strukturen weiter reformiert werden, ein schlagkräftiges Doppel müsse geformt werden - und der Kontakt zu den Daviscupspielern auf der ATP-Tour generell verbessert werden. "Aber die Spieler müssen auch wissen, dass sie sich melden, wenn etwas ist", forderte Stich ein neues Kommunikations-Verständnis.

Schlechte Karten im Poker um einen neuen TV-Vertrag hat der Verband - und das nicht erst seit der Niederlage in Kroatien. "Es ist ja nicht einmal garantiert, dass die stärkste Mannschaft spielt", heißt es bei der UFA, die bis 2005 die Fernsehrechte vermarktet. Das Relegationsspiel (20. bis 22. September) übertragen ARD und ZDF. Danach ist alles offen, obwohl die öffentlich-rechtlichen Anstalten Interesse bekunden. In den vergangenen zwei Jahren sollen umgerechnet rund 1,5 Mill. Euro gezahlt worden sein. Die Zeiten, in denen die Aushängeschilder Steffi Graf, Boris Becker und Michael Stich der UFA garantierte 65 Mill. Euro für fünf Jahre wert waren, sind für den sportlich und finanziell ärmer gewordenen DTB lange vorbei.

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