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16.01.2003

07:04 Uhr

Schleppende Liberalisierung des Strommarkts macht auch Yello zu schaffen

Billiganbieter verabschieden sich

VonJürgen Flauger

Fünf Jahre nach Öffnung des Strommarktes haben die meisten der hoffnungsvoll gestarteten Billigstromanbieter schon wieder aufgegeben: Mit Ares und Riva zogen sich zuletzt die Nummern zwei und vier unter den Neulingen zurück. Auch hinter der Zukunft von Marktführer Yello stehen Fragezeichen.

BERLIN. Die Zahl der Billiganbieter auf dem deutschen Strommarkt schrumpft zusehends. Die Neulinge beklagen die hohen Gebühren für die Benutzung der Stromnetze, die ihnen von den etablierten Versorgern berechnet wird. Dadurch bleibt kaum Luft für Gewinne. Branchenführer Yello bekundet gleichwohl seinen Durchhaltewillen: "Wir werden uns durchsetzen und glauben an das Geschäftsmodell Direktvertrieb", äußerte sich der Kundenvorstand der Yello-Mutter Energie-Baden AG-Württemberg (EnBW), Pierre Lederer, im Gespräch mit dem Handelsblatt entschlossen - "auch wenn es nicht leicht wird". Die unzureichende Marktöffnung mache aber auch Yello das Leben schwer. Auf Dauer könne das nicht so bleiben.

Am vergangenen Freitag hatte die Riva Energie AG einen Insolvenzantrag gestellt. Das Essener Unternehmen wird wohl für immer vom Netz bleiben. "Wir sind nicht mehr sanierungsfähig", sagte Finanzchef Michael Klein dem Handelsblatt. Nur einen Monat zuvor hatte die Berliner Ares Energie GmbH-Direkt den Gang zum Insolvenzverwalter angetreten. Ares war mit 220 000 Kunden die Nummer zwei der Newcomer. Riva lag mit 50 000 Kunden auf Rang vier. Die beiden Unternehmen hatten noch versucht sich zu verbünden

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Die Branche blickt nun gespannt auf Marktführer Yello. "Ares und Riva sind nicht mit Yello zu vergleichen", sagte Lederer. Die beiden Unternehmen seien weit von der für das Überleben kritischen Größe von 1 Mill. Kunden entfernt gewesen. "Wir sind nah dran", sagte Lederer. Eine konkrete Zahl wollte er aber nicht nennen. Die EnBW-Tochter hatte mit ihrer aggressiven Werbung ("Strom ist gelb") schnell einen soliden Kundenstamm aufgebaut; die letzte publizierte Kundenzahl ist mit rund 700 000 aber bereits rund ein Jahr alt.

In Branchenkreisen wird bezweifelt, dass sich Yello tatsächlich durchsetzen kann. "Die Kurve flacht deutlich ab", sagt ein Kenner des Unternehmens, der die Zahl auf maximal 800 000 schätzt.Entscheidend werde sein, wann Yello die Gewinnzone erreiche und welche Geduld der neue EnBW-Chef Utz Claassen mitbringe, hieß es in den Branchenkreisen. Dort werden die Anlaufverluste auf über 500 Mill. Euro geschätzt und der Break-Even nicht vor 2005 gesehen. Lederer wollte hierzu keine Angaben machen und sagte lediglich, dass Yello in diesem Jahr erstmals eine positiven Rohmarge erreichen werde: "Dass heißt: Mit jedem neuen Kunden verbessern wir die Ertragslage." Er fügte hinzu: "Yello ist ein fester und wichtiger Bestandteil der Endkundenstrategie der EnBW."

Einen potenten Partner wie Yello mit EnBW hatten Ares und Riva nicht im Rücken. Sie machen vielmehr gerade die Marktmacht der etablierten Anbieter für ihr Scheitern verantwortlich: Unsichere gesetzliche Regelungen, Abwicklungsprobleme mit den Netzbetreibern und zum Teil überhöhte Netzentgelte. "Die Newcomer müssen den Kunden einen Vorteil gegenüber den alten Versorgern bieten", sagt Riva-Finanzchef Klein, - "das ist in Deutschland nicht möglich".

Die Billiganbieter werfen den großen Verbundkonzernen zudem vor, die überhöhten Einnahmen aus dem Netzgeschäft zur Quersubventionierung ihres Stromvertriebs zu benutzen, um so die Newcomer aus dem Markt zu halten.

"Weil das Produkt identisch ist, verkauft sich Strom nur über den Preis", sagt Sabri Eryigit, Marketing- und Vertriebschef von Ares, "aber 80 % des Preises sind nicht steuerbar". Neben den Netzentgelten sorgten die Abgaben an die öffentliche Hand - wie die Ökosteuer - für einen hohen Fixkostenblock. Zu viel, um die Wettbewerbsvorteile wie die schlankere Verwaltung auszuspielen.

In der Tat sind die Zahlen ernüchternd: Gerade mal 3 bis 4 % der Privathaushalte haben den Anbieter gewechselt - und das trotz des anfänglichen recht regen Wettbewerbs. Mit Kampfpreisen sei versucht worden, Marktanteile zu gewinnen; Abschläge von 30 % seien gewährt worden, erinnert sich Eryigit.

Inzwischen hat sich der Wettbewerb freilich gelegt. Die großen Konzerne haben erkannt, dass die Newcomer keine Bedrohung darstellen und lassen die Strompreise wieder steigen. "Das kommt für uns aber leider zu spät", sagt Riva-Finanzchef Klein.

Quelle: Handelsblatt

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