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28.01.2003

07:00 Uhr

Schmid nutzt HV zur Selbstdarstellung

Aktionäre stimmen Mobilcom-Sanierung zu

Firmengründer Gerhard Schmid hat sich der geplanten Sanierung der Büdelsdorfer Mobilcom AG nicht in den Weg gestellt. Auch die Aktionäre haben auf der außerordentlichen Hauptversammlung dem Rettungsplan mit großer Mehrheit zugestimmt. Sie forderten, dass sich Schmid zurückzieht. Mobilcom soll endlich zur Ruhe kommen.

Firmengründer Gerhard Schmid, Foto: dpa

Firmengründer Gerhard Schmid, Foto: dpa

HB/lip HAMBURG. So lange ist es auch noch nicht her, dass die Mobilfunkfirma Mobilcom zu den Stars der Branche gehörte. Gestern präsentierte sich das Unternehmen in einer desolaten Verfassung: Auf der außerordentlichen Hauptversammlung musste Vorstandschef Thorsten Grenz über hohe Verluste im Kerngeschäft berichten, Aufsichtsräte zankten sich auf offener Bühne; und Mobilcom-Gründer Gerhard Schmid bezichtigte den Vorstand auch noch der Täuschung. Wer von den Kleinaktionären sollte da noch durchblicken?

Gerhard Schmid versuchte wenigstens, die aufgebrachten Anteilseigner zu beruhigen. "Ich werde der Sanierung zustimmen", sagte er beschwichtigend. Schmid hatte die Tumulte um die schließlich gelungene Wahl des Ex-Thyssen-Chefs Dieter Vogel zum Versammlungsleiter der Hauptversammlung genutzt, um sich zu Wort zu melden.

Dabei behauptete der Marketingprofi und umstrittene Ex-Chef, dass die Rettung von Mobilcom ausschließlich sein Verdienst sei. "Nur auf der Grundlage des von mir ausgehandelten Vertrags ist heute die zu beschließende Entschuldung überhaupt möglich", sagte er. Anschließend setzte er sich, gefolgt von einem Dutzend Fernsehkameras, zu seiner Ehefrau - inmitten der Kleinaktionäre.

Kaum auf Gegenliebe

Doch bei deren Vertretern stößt der Großaktionär kaum auf Gegenliebe. "Herr Schmid sollte sich endlich für ein bis vier Jahre auf eine einsame Insel ohne Presse zurückziehen, um Mobilcom in Ruhe arbeiten zu lassen", forderte Hans-Georg Martius, Sprecher der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK). Schmid habe durch Provokation die Kündigung des Vertrags mit dem 28,5-prozentigen Pariser Anteilseigner France Télécom herbeigeführt und somit beinahe die Insolvenz des Unternehmens verursacht. Damit sei den Kleinaktionären ein großer Schaden entstanden. Einst lag der Höchstkurs bei gut 190 Euro, jetzt habe Mobilcom mit drei Euro einen neuen Tiefpunkt erreicht.

Auch Dirk Unrau, Sprecher der Deutschen Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz (DSW), ging mit Schmid hart ins Gericht. Der unprofessionelle Streit mit France Télécom habe Mobilcom den Todesstoß versetzt. "Wir stehen jetzt vor einem Scherbenhaufen", betont Unrau. Er zweifelte aber auch, ob der Vorstandschef Thorsten Grenz in der Lage sei, die angestrebte Sanierung umzusetzen. Mobilcom sei inzwischen eine "verbrannte Marke".

Grenz konnte die Zweifel nicht entkräften. Im Gegenteil. Er betonte, dass Mobilcom auch nach dem Ausstieg aus UMTS rote Zahlen schreibe. Die Verluste im Kerngeschäft als Vermittler von Mobilfunkverträgen hätten Besorgnis erregende Ausmaße erreicht. Für 2003 hoffe er allerdings, dass Mobilcom im Service-Providergeschäft operativ schwarze Zahlen schreibt.

UMTS-Netz muss womöglich abgebaut werden

Zudem bestätigte der Mobilcom-Chef, dass das halbfertige UMTS-Netz wieder abgebaut werden müsse, sollte sich bis Ende März kein Käufer finden. Die Gesellschaft stünde hier unter Zeitdruck, weil France Télécom nur noch bis zum Jahresende die Folgekosten für das Netz übernehme. Bis dahin müsse der Rückbau des Netzes abgeschlossen sein. Die UMTS-Lizenz würde in diesem Fall ersatzlos gestrichen. Schmid sieht dies anders. Nach seinen Angaben hat Mobilcom jetzt eine einmalige Chance. Die Firma besäße keine Schulden und könne unbelastet ins UMTS-Geschäft investieren.

Überraschend kündigte ein Rechtsvertreter von Schmids Ehefrau, Sybille Schmid-Sindram, eine Sonderprüfung an. Sie solle Licht in das umstrittene Millennium-Geschäft um bringen. Mit diesem Schachzug versucht Schmid nach Ansicht von Anteilseignern, Kritik zu ersticken.

Schmid hatte als Vorstandschef vor einem Jahr ein Aktienoptionsprogramm aufgelegt und hierfür an die Millennium GmbH, die Firma seiner Frau, einen Betrag von 71 Mill. Euro überwiesen. Dafür sollten Vertriebler mit Mobilcom-Aktien belohnt werden. Doch das Geschäft kam nicht zu Stande. Schmid wurde deswegen gefeuert. Die Staatsanwaltschaft verdächtigt ihn nun der Untreue.

Aktionärsvertreter hatten gerügt, dass dem Unternehmen durch den Millennium-Deal erheblicher finanzieller Schaden zugefügt worden sei. Denn der Vorstand der Mobilcom müsse das Geschäft nun wertberichtigen. Die Wertberichtigung ist notwendig, da der Mobilcom-Vorstand nicht davon ausgeht, dass Schmid und seine Frau das Geld zurückzahlen.

Am Ende der teilweise turbulenten Hauptversammlung stimmten 98,95 der Aktionäre dem zwischen France Télécom, der deutschen Bundesregierung und mehreren Banken ausgehandelten Rettungsplan zu. Die Billigung der Mobilcom-Aktionäre war die Voraussetzung dafür, dass auch die Anteilseigner von France Télécom auf einer Hauptversammlung im Februar dem Vertragswerk zustimmen.

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