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18.03.2003

12:10 Uhr

Schneller Sieg der Alliierten erwartet

Ölpreis fällt nach Bush-Rede

Nach dem US-Ultimatum an den irakischen Präsidenten Saddam Hussein ist der Ölpreis am Dienstag deutlich gefallen. Händler begründeten dies vor allem mit der Erwartung eines schnellen Sieges der alliierten Streitkräfte, wodurch eine längere Unterbrechung der Ölversorgung unwahrscheinlicher würde.

Reuters LONDON. Der Terminkontrakt auf die führende Nordseesorte Brent sank in London am Vormittag um zehn Prozent oder 3,08 Dollar auf 26,40 Dollar je Barrel (159 Liter). Auch der Terminkontrakt auf US-Leichtöl gab um 3,03 Dollar auf 31,90 Dollar nach. Noch im Februar hatte sich der Preis der psychologisch wichtigen Marke von 40 Dollar genähert.

"Die Unsicherheit ist vorbei. Der Markt glaubt, dass es Krieg geben wird, und dass wir gewinnen werden", sagte Peter Gignoux von Schroder Salomon Smith Barney. Wenige Stunden zuvor hatte US-Präsident George W. Bush Saddam und seinen Söhnen 48 Stunden Zeit gegeben, ihr Land zu verlassen und so einen Krieg zu verhindern. "Bush hat bestätigt, dass die USA in 48 Stunden eine Invasion starten, und das bedeutet für die Märkte ein baldiges Ende der Unsicherheit. Kein Markt mag Unsicherheit", sagte ein anderer Händler. Bush hatte allerdings keinen konkreten Zeitpunkt genannt.

Ein Irak-Krieg ist Händlern zufolge an den Ölmärkten inzwischen eingepreist. Die Ölpreise sind seit Anfang Dezember um 60 Prozent gestiegen, da viele Marktteilnehmer im Falle eines Krieges eine Unterbrechung der Öllieferungen aus dem Nahen Osten befürchten. Die Region stellt 40 Prozent der weltweiten Ölexporte. Die Erwartung eines raschen Sieges der USA und ihrer Verbündeten, die insgesamt rund 300 000 Soldaten in der Region zusammengezogen haben, habe diese Spekulationen nun verringert, sagten Händler. Viele Investoren hätten nun umgekehrt Angst, dass der Ölpreis schnell wieder fallen könnte, falls der Krieg von den Alliierten ohne nennenswerte Unterbrechung der Ölversorgung gewonnen würde.

Mit dem Auftakt des Golfkrieges von 1991 war der Ölpreis von mehr als 30 Dollar auf fast 20 Dollar eingebrochen. Dabei sei die Annahme ausschlaggebend gewesen, dass die saudiarabischen Ölfelder unversehrt blieben, erklärten Händler. Saudi-Arabien, das eine gemeinsame Grenze mit Irak hat, ist der größte Ölexporteur der Welt.

Bush appellierte in seiner Rede an die Iraker, ihre Ölfelder nicht zu zerstören. Sollte dies dennoch passieren, erwarten Ölhändler wieder deutlich steigende Ölpreise. Die in der Organisation der Erdöl exportierenden Länder (Opec) zusammengeschlossenen Länder haben angekündigt, im Falle eines Versorgungsengpasses Ausfälle auszugleichen. Die USA selbst wollen im Notfall ihre strategischen Ölreserven anzapfen.

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