Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

30.12.2011

09:56 Uhr

Schöpfer des Jahres

Steve Jobs - Zukunftsvisionär

VonRené Obermann

Im Herbst starb Apple-Gründer Steve Jobs nach langer Krankheit. Er war der Manager, der die Zukunft erfand. Eine Ikone, ein Visionär - das macht ihn posthum zum Schöpfer des Jahres.

Steve Jobs im Juni bei der Entwicklerkonferenz in San Francisco. dapd

Steve Jobs im Juni bei der Entwicklerkonferenz in San Francisco.

DüsseldorfAn diesem Herbsttag sehe ich am Flughafen zwei Mac-Book-Besitzer, links einen iPhone-Telefonierer, drüben einen iPod-Nutzer und dazwischen ’ne Menge Tablett-PC-Nutzer, davon die überwiegende Mehrheit iPads. Die Fangemeinde ist erschüttert, die Welt bedauert gerade den Verlust von Steve Jobs – aber sein Lebenswerk hat Bestand.

Was ist eigentlich der Kern seines Schaffens, woran werden wir uns erinnern? Mit ihm kam der „digitale Lifestyle“, graue Elektronik wurde durch Design verzaubert, Apple wurde zu einer Kultmarke, zum unverzichtbaren Statussymbol für viele. Und Steve Jobs verringerte die digitale Kluft zwischen den Generationen. Er hat die App-Ökonomie wie kein anderer geprägt und enorme externe Kreativität ausgelöst. Denken Sie zum Beispiel an die Welt des Apple-Zubehörs.

Steve Jobs - Stationen seines Lebens

Der Visionär

56 Jahre alt ist Steve Jobs geworden, dann starb der Apple-Gründer im Kreise seiner Familie. Ein Überblick über wichtige Stationen im Leben und in der beruflichen Laufbahn des Computer-Visionärs.

Kindheit und Jugend

Stephen Paul Jobs kommt am 24. Februar 1955 zur Welt. Seine leiblichen Eltern geben ihn zur Adoption frei, Paul und Clara Jobs nehmen ihn auf - er ist Automechaniker, sie ist Büroangestellte. 1972 schreibt sich Steve im Reed College in Portland im US-Staat Oregon ein, er bricht das Studium aber nach einem Semester ab. Er experimentiert mit Drogen und beschäftigt sich mit dem Hinduismus. 1974 nimmt er einen Job beim Videospiele-Hersteller Atari an und besucht zusammen mit seinem einige Jahre älteren Schulfreund Steve Wozniak Treffen des Homebrew Computer Clubs.

1974: Der erste Job

Jobs arbeitet für den Videospiele-Hersteller Atari und besucht zusammen mit seinem wenige Jahre älteren Schulfreund Steve Wozniak Treffen des Homebrew Computer Clubs.

Von der Garage an die Börse

Kein Scherz: Jobs und sein Kumpel Steve Wozniak gründeten die Firma Apple Computer am 1. April 1976. Der dritte, heute fast vergessene Gründer war Ron Wayne. In einer Garage im Silicon Valley bauten die beiden den Prototypen des Apple I, der im Sommer für einen Preis von 666,66 Dollar auf den Markt kommt. 1977 stellt das Unternehmen den Apple II vor, den ersten Heimcomputer, der Farbgrafiken generieren kann. Er bringt den Durchbruch und einen Jahresumsatz von einer Million Dollar. 1980 geht Apple an die Börse, Jobs wird zum Multimillionär. Zwei Jahre später steigt der Jahresumsatz auf eine Milliarde Dollar. Jobs' Freundin Chrisann Brennan bringt 1978 die gemeinsame Tochter Lisa zur Welt.

1977: Apple wird AG

Apple wird als Aktiengesellschaft eingetragen und stellt den Apple II vor, den ersten Heimcomputer, der Farbgrafiken generieren kann. Er bringt dem jungen Unternehmenden Durchbruch und einen Jahresumsatz von einer Million Dollar.

1978: Das erste Kind

Jobs' Freundin Chrisann Brennan bringt die gemeinsame Tochter Lisa zur Welt.

1980: Der IPO

Apple geht an die Börse. Zwei Jahre später steigt der Jahresumsatz auf eine Milliarde Dollar.

Jobs gibt die Kontrolle ab

Mit dem Börsengang geben die Gründer die Mehrheit ab. Ein erfahrener Manager soll an die Unternehmensspitze - Jobs wirbt 1983 für den Posten des Apple-CEO John Sculley von Pepsico ab. Apple entwickelt den Computer Lisa, der aber zum Misserfolg wird und nach zwei Jahren wieder vom Markt verschwindet. Anfang 1984 kommt der erste Mac auf den Markt, den ein Team um Steve Jobs entwickelt hat. Vermarktet wird der Rechner mit einem mittlerweile berühmten Werbespot von Regisseur Ridley Scott. Ein Jahr später kommt es zum Zerwürfnis zwischen Jobs und Sculley, das zu Jobs' Rücktritt führt. Auch Wozniak verlässt das Unternehmen.

1984: Der Mac

Der Macintosh Computer kommt auf den Markt. Ein Jahr später kommt es zum Zerwürfnis zwischen Jobs und Sculley, das zu Jobs' Rücktritt führt. Auch Wozniak verlässt das Unternehmen.

Jobs ohne Apple: Next und Pixar

Im Herbst 1985 verlässt Jobs mit einigen Vertrauten Apple und gründet Next. Das Unternehmen entwickelt hochwertige, teure Computer, die sich schlecht verkauften. 1993 stellt Next die Hardware-Produktion ein und konzentriert sich auf Software. Mehr Erfolg hat Jobs mit dem Trickfilmstudio Pixar, das er für zehn Millionen Dollar kauft. Die Firma bringt 1995 „Toy Story“ in die Kinos, den erste vollständig computeranimierten Film. Bald danach geht die Firma an die Börse. 2006 verkauft wird Pixar für 7,4 Milliarden Dollar an Disney verkauft. Jobs wird größter Einzelaktionär des Unterhaltungsriesen. 1991 heiratet er Laurene Powell, mit der er drei Kinder bekommt.

Apple ohne Jobs: Krisenzeiten

Apple und IBM gehen 1991 eine Kooperation zur Entwicklung neuer Microprozessoren und Software ein. Apple stellt das PowerBook vor, das einigen Erfolg hat. 1993 stellt das Unternehmen den Newton vor, einen tragbaren Computer. 1995 kommen die ersten Mac-Klone anderer Anbieter heraus. Unter dem Druck der Windows-Konkurrenz rutscht Apple in die roten Zahlen, schließlich wird CEO Sculley im Februar 1996 vom bisherigen Apple-Präsidenten Michael Spindler abgelöst.

1993: Apple in Not

Apple stellt den Newton vor, einen tragbaren Computer. Das Unternehmen rutscht in die roten Zahlen, und CEO Sculley wird vom bisherigen Apple-Präsidenten Michael Spindler abgelöst.

1995: Erfolge mit Pixar

Die ersten Mac-Klone gehen in den Handel. Microsoft gibt Windows 95 heraus. Apple steht unter starkem Druck der Konkurrenz. Pixar bringt „Toy Story“ in die Kinos, den erste vollständig computeranimierten Film. Pixar geht an die Börse.

Die Rettung von Apple

Apple braucht 1996 dringend ein neues Betriebssystem und kauft Jobs' Unternehmen Next für 430 Millionen Dollar. Ein Jahr später kehrt Steve Jobs zu Apple als Berater und bald als De-Facto-Chef zurück - er nennt sich iCEO: Interimschef. Jobs krempelt das Management des fast insolventen Unternehmens um und räumt die Produktpalette auf, die Mac-Klone werden eingestellt. 1998 kehrt Apple in die Gewinnzone zurück und stellt den iMac vor. Im Jahr 2000 wird Jobs wieder CEO.

1998: Wieder Gewinn

Apple kehrt in die Gewinnzone zurück und stellt den iMac vor. Im Jahr 2000 wird Jobs wieder CEO von Apple.

iPod, iPhone, iPad

In wenigen Jahren krempelt Apple mehrere Branchen um. 2001 kommt der iPod heraus, zwei Jahre später geht die Musik-Plattform iTunes wird mit 200.000 Songs für jeweils 99 Cent online. In der ersten Woche werden eine Million Songs verkauft. 2007 folgt das iPhone, das den Handymarkt revolutioniert. Menschenmassen warten in der Nacht vor dem Verkaufsstart vor den Geschäften, um eines der ersten Telefone zu erwerben. 2010 kommt das iPad heraus - es wird zu einem Renner: 15 Millionen Exemplare gehen in nur neun Monaten über den Ladentisch. Mit dem iPad wird die neue Kategorie der Tablet-Computer begründet.

2006: Verkauf von Pixar

Verkauf von Pixar an Disney für 7,4 Milliarden Dollar. Jobs wird Disneys größter Einzelaktionär.

2007: Das iPhone

Das iPhone kommt auf den Markt. Menschenmassen warten in der Nacht vor dem Verkaufsstart vor den Geschäften, um eines der ersten Telefone zu erwerben.

Zweifel an Jobs' Gesundheit

Im Herbst 2003 erfährt Jobs, dass er Bauchspeicheldrüsenkrebs hat. Mehrere Monate versucht er, die Erkrankung ohne die Methoden der Schulmedizin zu bekämpfen. Erst 2004 unterzieht er sich einer Operation. Die Sorge um Jobs' Gesundheit bleibt und bewegt sogar den Aktienkurs von Apple. 2009 erklärt der CEO seinen deutlich sichtbaren Gewichtsverlust mit einem behandelbaren hormonellen Ungleichgewicht und bekräftigt, Apple weiterhin zu führen. Im selben Jahr unterzieht er sich einer Lebertransplantation.

2009: Lebertransplantation

Jobs erklärt seinen deutlich sichtbaren Gewichtsverlust mit einem behandelbaren hormonellen Ungleichgewicht und bekräftigt, Apple weiterhin zu führen. Im selben Jahr unterzieht er sich einer Lebertransplantation.

2010: Das iPad

Das iPad wird zu einem Renner: 15 Millionen Exemplare gehen in nur neun Monaten über den Ladentisch. Mit dem iPad wird die neue Kategorie der Tablet-Computer begründet.

Abschied in Raten

Im Januar 2011 kündigt Jobs einen befristeten Ausstieg aus dem Tagesgeschäft aus gesundheitlichen Gründen an, hält aber an seinem Amt als CEO fest und stellt fest, dass er an strategischen Entscheidungen weiterhin beteiligt ist. Im August veröffentlicht Apple eine Erklärung, nach der Jobs als CEO zurücktritt und in den Aufsichtsrat des Unternehmens wechselt. Am 5. Oktober 2011 stirbt der Apple-Gründer.

24. August 2011: Rücktritt als CEO

Apple veröffentlicht eine Erklärung, nach der Jobs als CEO zurücktritt und in den Aufsichtsrat des Unternehmens wechselt.

6. Oktober 2011:

Apple verkündet den Tod von Steve Jobs.

Ich finde, sein Erfolg basierte vor allem auf seinem Mut zur Reduktion, seinem Perfektionismus in Sachen Ästhetik, Einfachheit und Kundennutzen. Ebendieser unbedingte Wille, technische Dinge einfach und schön zu machen: Es gab Rechner vor dem Mac, es gab MP3-Player vor dem iPod, und es gab Smartphones vor dem iPhone. Ein Unterschied ist, dass mit Apple erstmals das Internet und all die vielen Anwendungen, insbesondere Musik, Fotos und Videos, nahtlos über Computer, Smartphone und Tablet zugänglich sind. Sogar das Bezahlen im Internet wurde unkompliziert. Man kauft heute wie selbstverständlich in seinem Online-Store. Bei Apple liegt der Innovationsschwerpunkt nicht auf der Erfindung, sondern deren möglichst leichter Nutzung.

Steve Jobs hat polarisiert, und der Erfolg gab ihm oft recht. Damit hat er sich auch gegen Kritiker und Spötter durchgesetzt, die ihn ein Leben lang begleiteten. Als er das iPhone vorstellte, gab es genug Stimmen, die nicht glauben wollten, dass ein Mobiltelefon komplett ohne Tastatur auskommt, nur über den Bildschirm zu bedienen ist.

Und wie wurde im Vorfeld und zum Verkaufsstart auch gegen das iPad geätzt. Experten waren sich einig, dass diese Modelle keine Nachfrage fänden. Man berief sich auf Vorgängergeräte von anderen Herstellern – ein Irrtum, denn man übersah den Grund für das Scheitern der Konkurrenzprodukte: Sie waren kompliziert zu bedienen. Anders das iPad. Ähnlich wie iPod und iPhone war dieser Tablet-PC richtungsweisend für eine neue Ära von mobilen Internetgeräten.

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

B.Giertz

30.12.2011, 22:12 Uhr

Steve Jobs hat sicher auch seine Verdienste, aber ich glaube die Pietätsfrist ist nun so langsam verstrichen und statt Herrn Obermann hier eine Plattform für seine Beweihräucherung zugeben, sollte man jetzt mal ehrlich sein und aufhören Steve Jobs zum Heiligen zu stilisieren.

Einmal abgesehen von der hohen Selbstmordrate in den Fabriken in China
(Sicher auch andere lassen dort ihre Geräte zusammenbauen, aber die profilieren sich nicht als IT-Messias)

Die Visionen von Steve Jobs haben sich in seinen letzten Lebensjahren anscheinend leider darauf konzentriert
ein Monopol aufzubauen.
Da sind zum Beispiel die Klagen vor Gerichten
mit denen wo Apple doch tatsächlich das rechteckige Design mit abgerundeten Ecken für sich patentieren lassen will
Noch größenwahsinniger oder unverschämter geht's ja wohl nicht mehr !
Im Kern geht es doch darum (Zitat):
Apple versucht, den "kleinsten gemeinsamen Nenner" von Tablet-Computern einfach für sich zu beanspruchen:
"Eine flache rechteckige Form mit vier abgerundeten Ecken."
Die Form ist aber lediglich Ausdruck technisch sinnvoller Lösungen.
Und da muss ich Samsung volkommen Recht geben.
Runde und ovale Bildschirme gab's zuletzt bei Raumschiff Orion ...
Begonnen wurde damit als Steve Jobs noch lebte.

Atomkrieg gegen Android weil es Apple kopiert ? Android basiert auf Linux ! Ein offenes Betriebssystem !!

Ziemlich dreist finde ich auch diese Kundenbindung mittels Hardware:
Akku nicht auswechselbar, keine Standart-Anschlüsse

Kurz gesagt, ich glaube, dass es an der Zeit ist Steve Jobs den Heiligenschein wieder abzunehmen !!

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×