Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

20.07.2000

15:48 Uhr

Reuters ESSEN. Schon lange galt Wolfgang Urban als Kandidat für die Nachfolge des langjährigen Karstadt-Vorstanschefs Walter Deuss. Allerdings hatte es immer geheißen, der derzeitige Quelle-Chef Reinhard Koep könne sich auch berechtigte Hoffnungen machen, Deuss zu beerben. Nun ist dieser Machtkampf nach Einschätzung von Branchenkennern offenbar auf Druck des Mehrheitsaktionärs Schickedanz entschieden: Dem Doyen Deuss folgt der Macher Urban.

Urban, der 1999 in den Karstadt-Vorstand eintrat, wird nachgesagt, er könne Mitarbeiter und Publikum begeistern. Seine rhetorischen Fähigkeiten sind jedoch begrenzt. Das zeigte einmal mehr sein Auftritt auf der Bilanzpressekonferenz Ende Juni. Der passionierte Golfer, der 1945 in Schlesien geboren wurde, neigt dazu, sich bei einem spannenden Thema zu verhaspeln. Zudem fällt es auf, dass in all seinen wolkigen Worten mitunter wenig Konkretes zu finden ist.



Fraglich, ob Urban der richtige Mann ist

Analysten zeigten sich vom Wechsel nicht so richtig überrascht. Es sei schon öfter über einen Ablösung spekuliert worden. Die ersten Kommentare zu Urban fielen vorsichtig aus. Ein Branchenkenner meinte, es sei sich nicht sicher, ob ein Mann dieses Alters für Karstadt wirklich ein "Befreiungsschlag" sei. Es sei fraglich, ob Urban trotz seiner Erfahrung im Warenhausbereich, für Karstadt wirklich der richtige neue Mann an der Spitze sei. Man hätte sich auch vorstellen können, dass "ein smarter Wal-Mart-Mann" Deuss abgelöst hätte, um mehr Internationalität in den Konzern zu bringen.



Karriere bei der Kaufhof AG

Der gelernte Werkzeugmacher Urban studierte Betriebswirtschaft über den zweiten Bildungsweg und begann seine Karriere 1973 bei der damaligen Kaufhof AG. Dort verblieb Urban 23 Jahre und rückte in dieser Zeit stetig nach oben. 1987 wurde er zunächst stellvertretender Finanzvorstand, drei Jahre später übernahm er diesen Bereich und avancierte im April 1995 zum Vorstandssprecher und Nachfolger des langjährigen Vorstandschefs Jens Odewald, der überraschend sein Amt niedergelegt hatte.

Als der Kaufhof 1996 von der Metro AG mit der Asko, der SB-Kauf sowie den Metro-Großmärkten unter einem Dach verschmolzen wurde, war Urban der einzige Kaufhof-Mann im sechsköpfigen Metro-Vorstand. Zwei Jahre später verließ Urban die Metro überraschend und "im gegenseitigen Einvernehmen".

Im Juli 1998 nannte Metro-Aufsichtsratchef Erwin Conradi die Gründe. Urban habe sich so mit Arbeit zugedeckt, dass er den Überblick verloren habe und seinen Aufgaben nicht mehr gerecht geworden sei. Außerdem seien nach seinem Ausscheiden Unstimmigkeiten über die Abrechnung einer Flugreise aufgetreten, die Urban inzwischen an die Metro zurückgezahlt habe.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×