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28.03.2003

18:15 Uhr

Schriftsteller verfassen Resolution gegen Irak-Krieg

"Strafgerichtshof soll Irak-Krieg prüfen"

Der Verband deutscher Schriftsteller (VS) hat wegen des Irak-Krieges eine Überprüfung der Strafbarkeit der US- amerikanischen und britischen Regierung vor dem Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag gefordert. Dies geht aus einer Protest- Resolution hervor, die der Verband am Freitag zu Beginn seiner Konferenz in Wolfenbüttel beschloss.

HB/dpa WOLFENBüTTEL. Darin hießt es, "die Bundesregierung möge den Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag anrufen, um die eventuelle Strafbarkeit der Regierungen Saddam Hussein, George W. Bush und Tony Blair für Handlungen vor und während des Irak-Kriegs zu überprüfen". Das Gericht ist für die juristische Verfolgung von Kriegsverbrechen, Völkermord und Verbrechen gegen die Menschlichkeit zuständig.

Zugleich appellierte der Schriftsteller-Verband an die Bundesregierung, auf ein sofortiges Ende der Kampfhandlungen hinzuwirken. Die diplomatischen Bemühungen für eine friedliche Beendigung des Konflikts sollten auch unter der Führung des UN - Sicherheitsrats wieder aufgenommen werden.

Zum Auftakt der bis Sonntag dauernden Konferenz legten die Schriftsteller eine Schweigeminute für die Opfer des Irak-Krieges auf beiden Seiten ein. Mit dem stummen Protest verurteile der Verband den "wahnsinnigen und völkerrechtswidrigen" Krieg, sagte der Verbandsvorsitzende und Krimi-Autor Fred Breinersdorfer. Er kritisierte zudem die Sprache von US-Präsident George W. Bush im Irak-Krieg. Er und seine Sprecher verwendeten stets positive Begriffe für sich und sprächen etwa nicht von Krieg, sondern von einer Kampagne, sagte Breinersdorfer. "An die Stelle des Realismus ist ein freundliches Pathos getreten."

Der Schriftsteller Martin Walser wird am Samstagnachmittag zur Konferenz erwartet. Er will aus seinem umstrittenen Roman "Tod eines Kritikers" lesen. Außerdem beschäftigt sich der Verband, der zur Gewerkschaft ver.di gehört, mit dem neuen Urhebervertragsrecht und der schwierigen Lage der Bibliotheken in Deutschland.

Der Schriftsteller-Verband vertritt nach eigenen Angaben rund 4000 Autoren und Übersetzer in Deutschland. Er wurde 1969 unter anderem von Heinrich Böll und Walser gegründet. Wegen des Beitritts des Verbandes zur IG Medien waren 1988 mehr als 100 Autoren, darunter Günter Grass, ausgetreten. Sie hatten befürchtet, als kleine Gruppe in der Gewerkschaft unterzugehen.

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