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05.03.2003

10:56 Uhr

Schuld abgestritten

Star-Investmentbanker Quattrone muss gehen

Der mit Gerichtsverfahren konfrontierte amerikanische Star-Investmentbanker Frank Quattrone hat die zum Schweizer Finanzkonzern CS Group gehörende Investmentbank Credit Suisse First Boston (CSFB) verlassen.

Reuters NEW YORK. Quattrone, der bereits beurlaubt war, begründete seinen Abgang am Dienstag damit, dass er sich so besser um seine Verteidigung kümmern könne. Quattrone wird unter anderem vorgeworfen, seine Mitarbeiter zur Vernichtung von elektronischen Unterlagen angehalten zu haben, obwohl bereits eine amtliche Untersuchung lief.

Dass es zu einer Trennung von CSFB und Quattrone kommen würde, hatte sich Anfang der Woche abgezeichnet, als der Banker sich weigerte, vor einem Aufsichtsgremium der US-Wertpapierhändler zu erscheinen. Zudem hatte der Banker erklärt, die Schuld an den Problemen treffe die CSFB-Rechtsabteilung. Die CSFB-Juristen hätten weder ihn noch seine Mitarbeiter darauf hingewiesen, dass keine Dokumente vernichtet werden dürfen. Laut den bei CSFB geltenden Regeln waren solche Reinigungsaktionen erlaubt.

Anderen Quellen zufolge soll der CSFB-Chefjurist David Brodsky Quattrone über die Untersuchung der Behörden informiert haben; dies soll zwei Tage geschehen sein bevor der Banker in einem E-Mail seine Mitarbeiter aufforderte, ihre Files zu säubern. Quattrones E-Mail könnte als Behinderung der Justiz ausgelegt werden.

Der Banker verlässt CSFB zunächst ohne Abgangsentschädigung. Die Frage sei bis zum Abschluss der Ermittlungen und möglicher Verfahren gegen Quattrone zurückgestellt worden, erklärte ein Sprecher für Quattrone.

Der 47 Jahre alte Quattrone leitete eine in den 90er Jahren höchst erfolgreiche Gruppe von Investmentbankern, die sich auf Börsengänge im Technologiebereich spezialisiert hatte. Bei diesen Börsengängen soll es zu Unregelmässigkeiten gekommen sein.

CSFB hat sich wie eine ganze Reihe weiterer Investmentbanken an der Wall Street unlängst aussergerichtlich mit den Behörden geeinigt und ohne Anerkennung einer Schuld eine Geldbusse von 150 Millionen Dollar gezahlt. Dabei ging es neben den Zuteilungspraktiken bei Börsengängen auch um die Frage, ob Aktienanalysten geschönte Analysen veröffentlichten, um Kunden einen Gefallen zu tun.

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