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16.01.2003

14:43 Uhr

Schuldendienst an IWF eingestellt

Argentinien endgültig zahlungsunfähig

Die argentinische Regierung hat sich gegenüber einem ihrer letzten ausländischen Kreditgeber, der Interamerikanischen Entwicklungsbank (IADB), für zahlungsunfähig erklärt. Zudem machte Wirtschaftsminister Roberto Lavagna klar, dass Argentinien einen für Freitag fällig werdenden Kredit über eine Milliarde Dollar an den Internationalen Währungsfonds (IWF) nicht zurückzahlen will.

Reuters WASHINGTON/BUENOS AIRES. Auf die Frage, ob Argentinien dem IWF die Summe überweisen wird, sagte Lavagna: "Die Politik ist die gleiche." Zunächst müsse mit dem IWF ein neues Hilfsabkommen geschlossen werden. Er hoffe, dass es ein solches Abkommen geben werde, sagte Lavagna.

In den vergangenen Tagen hatte die Regierung bereits angekündigt, den Forderung nur nachkommen zu können, wenn ein kurzfristiger Überbrückungskredit mit dem Fonds vereinbart würde. Am 23. Januar will das IWF-Board über die Bewilligung dieses Kredits verhandeln. Während dieser auf eine Kreditverlängerung über fünf Mrd. Dollar hinauslaufen könnte, hat der IWF bereits zugesagt, nach der Präsidentenwahl im April über größere Summen weiter verhandeln zu wollen - unabhängig vom Ergebnis der Wahl.

Am Mittwoch hatte die IADB mitgeteilt, Argentinien zeige sich außer Stande, dem Institut noch am selben Tag fällige Schulden über 680 Mill. Dollar zu begleichen. Mit Blick auf den angekündigten Zahlungsausfall an den IWF sprachen Analysten von einem taktischen Manöver der Regierung. "Meiner Einschätzung nach versucht die Regierung damit Druck auf den IWF auszuüben, vor weiteren Schuldenrückzahlungen ein Abkommen zu unterzeichnen", sagte der politische Analyst Ricardo Rouvier in Buenos Aires.

ARGENTINIEN HAT 140 MILLIARDEN DOLLAR SCHULDEN

Die Regierung der drittgrößten Volkswirtschaft Lateinamerikas will zur Begleichung ihrer Schulden die Devisenreserven des Landes von zehn Mrd. Dollar, die ohnehin schon im vergangenen Jahr auf die Hälfte geschrumpft waren, nicht antasten. Sie fürchtet ansonsten, die sich langsam andeutende wirtschaftliche Stabilität des Landes zu gefährden. Sollte das mit insgesamt rund 140 Mrd. Dollar verschuldete Land auch die fälligen IWF-Verbindlichkeiten nicht bedienen, läuft es aber Gefahr, gar keine ausländische Finanzhilfe mehr erwarten zu können.

Unterdessen haben sich die Vereinigten Staaten als einflussreichster Anteilseigner des IWF für eine Beschleunigung der Verhandlungen mit Argentinien ausgesprochen. Mit 30 % halten die USA zudem auch den größten Anteil an der IADB.

Im vergangenen Jahr hatte Argentinien bereits Kredite privater Anleger von rund 95 Mrd. Dollar und der Weltbank nicht zurückzahlen können. Zugleich braucht das Land aber dringend weitere Gelder aus dem Ausland, um aus der seit Jahren dauernden Rezession herauszukommen. Nach dem jüngsten Zahlungsausfall muss die IADB eigenen Angaben zufolge nun die Auszahlung weiterer Kredite an das Land bis auf weiteres aussetzen.

Mehr als die Hälfte der Argentinier leben mittlerweile unterhalb der Armutsgrenze. Das heißt, sie können weder die notwendigen Lebensmittel, noch ihre Miete oder Gas und Strom bezahlen. Besonders im Norden des Landes ist die Armut soweit fortgeschritten, dass viele Menschen hungern müssen. Anfang 2002 hatte Argentinien die zehn Jahre währende Eins-zu-Eins-Bindung an den Dollar gelöst. Seitdem war der Peso zeitweise auf ein Rekordtief von 3,75/4,00 Peso je Dollar gefallen und hatte damit seit seiner Abkopplung rund drei Viertel seines Werts verloren. Mittlerweile pendelt die Landeswährung bei Kursen um rund 3,3 Peso je Dollar.

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