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22.01.2003

16:10 Uhr

Schumacher: „Sehr vernünftig“

Formel 1 lobt Regel-Kompromiss

Michael Schumacher fand die Lösung "sehr vernünftig", Gerhard Berger sprach von einem "sinnvollen Kompromiss": Die entschärfte Version der vermeintlichen "Regel-Revolution" hat in der Formel 1 breite Zustimmung gefunden und 46 Tage vor dem Saisonstart für Ruhe nach dem Sturm gesorgt.

HB/dpa MÜNCHEN/BARCELONA. "Ich bin froh, dass die Diskussionen nun zu Ende sind und wir wissen, woran wir sind", sagte Schumacher, der bei einer Sitzung mit den Ingenieuren von den neuen Londoner Beschlüssen hörte, am Mittwoch am Rande der Testfahrten in Barcelona über die Modifikationen im Reglement.

Am Vorabend hatte die FIA unter anderem einen Aufschub des Elektronik-Verbots beschlossen und den Boxenfunk wieder erlaubt. "In meinen Augen sind die Lösungen, die nun gemeinsam gefunden wurden, sehr vernünftig. Ich kann damit sehr gut leben", so Schumacher.

Die Verantwortlichen bei BMW und bei Mercedes begrüßten die Lösung ebenso wie Peter Sauber, Teamchef von Heinz-Harald Frentzen und Nick Heidfeld. "Um am Ende eine vernünftige Lösung zu erzielen, hat die FIA ihre Forderungen anfangs drastisch formuliert und damit die Latte sehr hoch gelegt. Das war die Voraussetzung für eine vernünftige Diskussion. Die hat stattgefunden, und es ist ein sinnvoller Kompromiss erzielt worden", sagte BMW-Sportdirektor Berger.

Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug erklärte: "Unsere Bedenken waren richtig, jetzt haben die Teams statt sieben Wochen bis Saisonbeginn insgesamt 26 Wochen bis Silverstone Zeit zur Umrüstung. BMW-Technikdirektor Mario Theissen lobte, dass die weit reichenden Reglement-Änderungen nun in einen "praktikablen Zeitrahmen" gestellt worden sind. "Die neuen Vereinbarungen sind für uns in Ordnung, wir arbeiten bereits daran", so Theissen.

Der Internationale Automobilverband (FIA) hatte die ursprünglich geplante Radikal-Reform am Dienstagabend nach einer Sitzung mit der technischen Arbeitsgruppe entschärft und das für Saisonbeginn (9. März) vorgesehene Verbot elektronischer Fahrhilfen um über vier Monate verschoben. Erst vom Großen Preis von Großbritannien in Silverstone am 20. Juli an dürfen Traktionskontrolle, Automatikgetriebe und Startautomatik nicht mehr eingesetzt werden. Auch andere geplante Regeländerungen wurden teilweise abgemildert. So ist unter anderem der Boxenfunk zumindest eingeschränkt auch weiterhin erlaubt. Die Zweiwege-Telemetrie ist abgeschafft, aber die Datenübertragung vom Auto zur Box ist wieder erlaubt.

"Die Vorschläge der FIA wurden größtenteils verabschiedet, dies allerdings in einem anderen Zeitrahmen. Damit hat nun jeder genügend Zeit, sich auf die neuen Rahmenbedingungen einzustellen", sagte Berger. Der ehemalige Formel-1-Pilot geht zudem davon aus, "dass die Rennen künftig wieder spannender werden, weil der Fahrer mehr Einfluss erhält". Theissen begrüßte auch die Tatsache, "dass der Vorschlag einer Standard-Elektronik für 2004 vom Tisch ist".

FIA-Präsident Max Mosley, der den großen Wirbel in der Vorwoche mit seinen Extrem-Beschlüssen ausgelöst hatte, gab nach der achtstündigen Sitzung in London kein Interview. Ein FIA-Sprecher erklärte aber: "Wir haben erreicht, was wir erreichen wollten. Alle Entscheidungen sind im Sinne des Sports."

Allerdings haben die Beschlüsse immer noch nicht alle Probleme gelöst. Offenbar steckt der Teufel im Detail - weitere Streitereien sind nicht ausgeschlossen. Theissen wies darauf hin, dass geeignete Überwachungsmöglichkeiten für das Elektronik-Verbot entwickelt werden müssen. Die von der FIA geplante Eine-Million-Dollar Belohnung für Hinweise zur Ergreifung von Elektronik-Betrügern kann nach Ansicht von Beobachtern zu Denunziantentum führen. Er sei "nicht glücklich" über diesen Vorschlag, so Theissen.

Mosley hatte vor allem die explodierenden Kosten senken und die Formel 1 wieder spannender machen wollen. "Ich habe Max Mosleys Absichten und Ziele von Anfang an unterstützt und kann nun auch den Weg akzeptieren, auf dem diese erreicht werden sollen", erklärte Teamchef Sauber. Für die Schweizer sei das Verbot der Zweiwege- Telemetrie schmerzhaft, "weil wir eben erst in den Kauf eines solchen Systems investiert haben". Gut findet er, "dass man nach dem Training nur eingeschränkt an den Autos arbeiten kann, was den Einsatz spezieller Qualifikations-Autos und-Motoren unmöglich macht."

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