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27.01.2003

07:40 Uhr

Schwache Börse verdirbt Managern Freude über Aktienoptions-Programme

Unternehmen prüfen Vergütungsmodelle für Spitzenkräfte

VonAndrea Jocham (Jens Koenen, Handelsblatt)

Der Frust in den Management-Etagen des Autokonzerns Daimler-Chrysler ist groß. Satte sieben Jahre ist es her, seit die Führungskräfte das letzte Mal ihre Aktienoptionen genießen konnten. Damals war das Programm nur einem ganz kleinen Kreis außerhalb des Vorstands vorbehalten. Seitdem ist Ebbe - zumindest was diesen Teil ihres Entgeltes betrifft.

FRANKFURT/M. Damit soll nun Schluss sein. "Wir werden über dieses Thema reden müssen", sagt Manfred Göbels, der bei Daimler-Chrysler für die leitenden Angestellten im Aufsichtsrat sitzt. Der Autobauer aus Stuttgart ist kein Einzelfall. In der vergangenen Woche hatte der neue Telekom - Chef Kai-Uwe Ricke seinen rund 3 500 Managern für dieses Jahr die Optionen gestrichen. Zwar begründete er diesen Schritt vor allem damit, den um ihre Dividende gebrachten Aktionären ein Stück entgegen zu kommen. Doch gleichzeitig kündigte der Telekomriese an, über neue Formen der Optionen nachdenken zu wollen.

Auch bei der Deutschen Bank sind die Aktienoptionen ein Thema, wenngleich nicht ganz oben auf der Agenda angesiedelt. So soll das aktuelle Optionsmodell weiterhin Bestand haben. "Aber wir prüfen wesentlich komplexere Modelle, die stärker auf das Ergebnis ausgerichtet sind", sagte ein Sprecher des deutschen Bankenprimus.

"Das Thema bewegt inzwischen alle Führungskräfte" stellt Göbels von Daimler-Chrysler fest. Als Präsident der ULA, dem Spitzenverband der Führungskräfte in Deutschland, spricht er auch für viele Manager außerhalb des Autokonzerns. Mit den Aktienoptionen seien bei den Führungskräften große Erwartungen geweckt worden, so Göbels. Die Enttäuschung sei jetzt sehr groß.

Wie herb die Enttäuschung bei vielen Managern ist, macht das Optionsprogramm von Daimler-Chrysler aus dem Jahr 2000 deutlich. Innerhalb von fünf Jahren können 96 Mill. Aktienoptionen an 6 500 Führungskräfte bis hinein ins mittlere Management ausgeteilt werden. Sie können frühestens nach zwei Jahren erstmals ausgeübt werden. Doch viele Führungskräfte bezweifeln, dass sie wirklich noch in den Genuss kommen, obwohl die Laufzeit 10 Jahre beträgt.

Grund: Die Hürden der bisherigen Tranchen erscheinen beim aktuellen Daimler-Chrysler-Kurs von 26 Euro unüberwindlich. Grundsätzlich muss der Kurs 20 % über einem Basispreis liegen, für den als Stichtag die erste Sitzung des Aufsichtsratspräsidiums im neuen Jahr gilt. Für die Optionen aus dem Jahr 2000 hat das eine Ausübungsgrenze von 74 Euro zur Folge, für die von 2001 sind es immerhin noch knapp 67 Euro.

Selbst die Latte von gut 51 Euro für das Programm des vergangenen Jahres hängt hoch. Bleibt für die Daimler-Manager nur die Hoffnung auf die diesjährige Tranche, über die im Februar entschieden wird. Bei dem aktuellen Kurs würde der Ausübungspreis knapp 31 Euro betragen.

Dennoch macht Göbels den Unternehmen keinen Vorwurf. Der Kursverfall sei Ende der 90er Jahre, als viele Programme konzipiert wurden, nicht voraussehbar gewesen. "Doch jetzt muss neu über solche erfolgsorientierte Vergütungen nachgedacht werden", sagt Göbels. Immerhin seien die Erfolgsprämien für viele Führungskräfte ein Baustein für ihre Altersversorgung.

Göbels hat auch bereits einen Ausweg parat, der allerdings noch geprüft werden müsse. Er denkt daran, den Managern grundsätzlich die Möglichkeit einzuräumen, ihre Option gegen Bares zurückzugeben. Dies ist möglich, weil jede Option einen Wert hat. Die Unternehmen könnten nach Ablauf der Haltefrist der Optionen den Führungskräften diese wieder abnehmen. "Damit bekommen die Manager wenigstens einen Bruchteil", sagt Göbels.

Doch Änderungen an den Optionsplänen sind ein sensibles Thema. Vor allem die Aktionärsschützer beobachten die Programme kritisch. So stellte die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) vor einigen Wochen in einer Studie zwar fest, dass die Vergütung der Manager bei den Dax-30-Unternehmen im Schnitt "vertretbar sei". Gleichzeitig monierte die DSW aber massive Ausreißer etwa bei der Deutschen Bank oder der Deutschen Telekom. "Nicht nur die Aktionäre, sondern auch die Manager sollen im Portemonnaie spüren, wenn es dem Unternehmen schlechter geht", hatte DSW-Geschäftsführerin Jella Benner-Heinacher bei der Präsentation der Studie kritisiert.

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