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17.01.2003

17:00 Uhr

Schwacher Euro beflügelt Exportgeschäft

Segel hart am Wind

VonMarcus Pfeil (Handelsblatt)

Die Bootsbauer hatten auch im vergangenen Jahr mehr als eine Hand breit Wasser unter dem Kiel: Trotz Konjunkturflaute erreichte die Branche mit einem Gesamtumsatz von 1,67 Milliarden Euro das Vorjahresergebnis. Die Boot 2003 gilt als richtungweisend für das Gesamtjahr.

Die Boot 2003 gilt als richtungweisend für die Branche. Handelsblatt

Die Boot 2003 gilt als richtungweisend für die Branche.

HB DÜSSELDORF. Majestätisch erhebt sie sich aus dem Rhein. Die "Predator 100", die Luxusyacht des englischen Bootsbauers Sunseeker. Aus dem Wasser direkt in die Messehalle: Das 28 Meter lange und 55 Tonnen schwere Schiff ist das größte und mit 6,27 Mill. Euro auch teuerste Ausstellungsstück der Boot 2003. Samstag eröffnet die internationale Bootsmesse unter dem Motto "Lust auf Meer" in Düsseldorf ihre Pforten.

Keine Lust mehr auf Meer scheinen die Deutschen zu haben. Die Binnennachfrage nach Sportbooten ist äußerst lau: "Früher kamen die Kunden schon im Herbst, um ein neues Boot für das nächste Jahr zu suchen. Im letzten Jahr kam keiner", beklagt Gerd Bicker, Inhaber einer 11-Mann-Werft für Segelboote. "Was für die Amerikaner der 11. September, war für uns der 22. September, wettert Bicker. 60 Prozent des Umsatzes macht er in Deutschland. "Im Inland brachen die Verkäufe insgesamt um mehr als 24 Prozent ein", sagt Jürgen Tracht, Geschäftsführer des Bundesverbandes Wassersportwirtschaft.

"Made in Germany" im Ausland gefragt

Dafür finden Boote "Made in Germany" im Ausland unverändert reißenden Absatz: "Im Sportbootbereich legte der Auslandsumsatz im ersten Halbjahr 2002 um sieben Prozent zu", so Tracht weiter. Vor allem die stark exportorientierten Segelbootwerften konnten mit einem Umsatzplus von 22 Prozent von der starken Nachfrage im Ausland profitieren. "Wir sind sehr zufrieden mit dem Geschäft. Der schwache Euro hat freilich nachgeholfen", sagt Roland Herrmann, Vertriebschef bei Bavaria, einem Hersteller von Segelbooten in der Klasse von 32 bis 49 Fuß. Kein Wunder, schließlich gehen 85 Prozent der Bavaria-Boote ins Ausland.

Auch der Absatz von Motorbooten ist exportgetrieben. Das Geschäft lebt nach wie vor von den Megayachten: 80 Prozent des Exportes entfallen auf die Luxusklasse: "Die Entwicklung im Yachtbau geht an der Konjunktur vorbei", weiß Claus-Ehlert Meyer, Geschäftsführer des Deutschen Boots- und Schiffbauerverbandes. Dennoch sei es in Deutschland etwas ruhiger geworden, meint auch Torsten Sieckmann, Vertriebschef bei Sunseeker Europe. "Wie sind aber zuversichtlich, schließlich haben wir für 2003 alle Boote schon verkauft", so Sieckmann.

Unternehmen hoffen auf bessere maritime Konjunktur

Insgesamt hofft die Branche, dass der konjunkturelle Sturm vorbeizieht. Immerhin glauben 57 Prozent der Unternehmen an eine bessere oder gleichbleibende maritime Konjunktur. Dennoch steht der europäischen Bootsindustrie eine Konsolidierung bevor. Bisher beträgt der Marktanteil der größten fünf Hersteller in Europa nur 23 Prozent, bei den Luxusyachten immerhin schon 62 Prozent. Für das Jahr 2003 erwartet die Branche ein Umsatzwachstum von 5,4 Prozent.

Die 34. Auflage der Bootsmesse am Rhein wird zeigen, wie die Segel für das laufende Jahr gesetzt sind, gilt Düsseldorf doch als wichtiger Gradmesser für die Bootsbranche.

Die Messe selbst hat sich im flachen konjunkturellen Fahrwasser ganz gut gehalten: "Mit 1 656 Ausstellern aus 52 Ländern auf 101 000 Quadratmetern Ausstellungsfläche liegen wir nahezu auf dem Niveau des Vorjahres", so Messechef Wilhelm Niedergöker zufrieden. 1 800 Boote gibt es in den sieben Messehallen zu bestaunen. Nebenbei ist die Boot 2003 auch Europas größte Tauchmesse.

Das Angebot der Messe reicht vom Angelhaken bis zur Taucherbrille, von der nautischen Kunst bis zum Mitsegeln vor Samoa. Wem das Fernweh gleich auf der Messe packt, der kann auf dem neuen Portal der Firma Sailing Charter Segelboote in Echtzeit chartern.

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