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13.02.2001

20:38 Uhr

Schwaches Schlussquartal lässt Aktie einbrechen

ABB-Chef setzt Hoffnung auf Konzernumbau

Der Technologiekonzern ABB hat außergewöhnlich schlechte Monate mit deutlich geschrumpften Umsätzen hinter sich. Die Enttäuschung über den Jahresabschluss 2000 möchte der neue Konzernchef Jörgen Centerman jetzt aber möglichst schnell überwinden. Künftig soll sich ABB auf die Großkunden konzentrieren.

ef ZÜRICH. Der Schweizer Technologiekonzern ABB AG, Zürich, hat die Kapitalmärkte gestern zu Börsenbeginn geschockt. Der Kurs der ABB-Aktien gab um bis zu 7,5 % auf das neue Mehrmonatstief von 144,50 sfr nach. Noch im Vorjahr waren bis zu 218 sfr bezahlt worden. Auf Grund des schwachen Schlussquartals wurden die insgesamt für 2000 erwarteten Umsatz- und Ertragszahlen nicht erreicht. Der starke Anstieg des US-Dollars überzeichnet zwar die Entwicklung, doch reicht dies zur Erklärung nicht aus.

Der neue Konzernchef Jörgen Centerman versuchte nicht, die Zahlen zu beschönigen. Mit Hilfe der neuen Konzernorganisation, die den Kunden in den Mittelpunkt stellt, will er das Umsatzwachstum in den nächsten Jahren beschleunigen sowie Cash-flow und Konzerngewinn überproportional verbessern.

Der Rückgang des betrieblichen Cash-flows verdeutlicht die ungünstige Entwicklung. Finanzchef Renato Fassbind begründete dies mit dem Anstieg der Vorräte und der starken Ausweitung des Umlaufvermögens. Deshalb zählt die Verbesserung des Cash-flows auch zu den wichtigen Zielen von Centerman. Die Planung bis 2005 sieht vor, den Konzernumsatz um je 6 % jährlich zu steigern. Der Betriebsgewinn soll um je 15 % pro Jahr verbessert werden. Bis 2005 will er zudem die Betriebsgewinnmarge auf 12 % verdoppeln. ABB wollte diese Marge bisher bereits 2003 erreichen.

Investition in Risikokapital-Tochter

Dies sei keine Abweichung vom bisherigen Ziel, bekräftigte Centerman. Vielmehr komme darin die Umstellung der Rechnungslegung von den International Accounting Standards (IAS) auf US-GAAP zum Ausdruck, meinte der ABB-Chef. Analysten äußerten sich dennoch verwundert über diese Erklärung. Erstmals berichtete der Konzern auf dieser Basis. Ziel der Umstellung ist die Einführung der Aktie im zweiten Quartal 2001 an der New Yorker Börse.

Mit der Einführung der ABB-Aktien an der New Yorker Börse hat Centerman künftig eine Akquisitionswährung in der Hand. Er könnte sie dazu nutzen, den zentralen Bereich industrielle Informationstechnologie zu stärken. Expansionschancen rechnet sich ABB auch in neuen Wachstumsmärkten aus. Diesem Ziel dient die Gründung der Risikokapital-Tochter ABB New Ventures Ltd. In diese Sparte will der Konzern 1 Mrd. $ investieren.

Konzentration auf Kundennutzen

Zentral für den künftigen Erfolg ist für Centerman jedoch die Konzentration auf den Kundennutzen. Damit will er ABB bedeutende Wachstumschancen eröffnen. Dabei setzt der Konzernchef vor allem auf die 200 größten Kunden, mit denen ABB 30 % des gesamten Umsatzes tätigt. Hier sieht der Konzern die großen Chancen. Denn neun von zehn Großkunden arbeiten bisher nur mit einer der 28 Geschäftssparten des Züricher Technologiekonzerns zusammen. "Auch eine geringe Steigerung des Umsatzes mit diesen Kunden kann ein substanzielles Wachstum von Umsatz, Margen und Geldfluss bewirken", unterstrich Centerman. Die neue Struktur, die bis Mitte des Jahres stehen soll, will ABB ohne Restrukturierungskosten bewältigen.

In den Mittelpunkt rücken die Kundenbereiche Versorgungsunternehmen, Prozessindustrien, Fertigungs- und Konsumgüterindustrien sowie Öl, Gas und Petrochemie. Daneben stehen die Produktbereiche Strom- und Automatisierungstechnologie. Ergänzt wird das Angebot des Konzerns durch in- und externe Finanzierungslösungen.

Ambitionierte, aber erreichbare Ziele

Die Aktionäre sollen für 2000 eine unveränderte Dividende von 3 sfr erhalten. Zudem ist vorgesehen, eigene Aktien im Volumen von 1 Mrd. sfr zurück zu kaufen und anschließend zu vernichten. Diese Transaktion trägt die Handschrift von ABB-Verwaltungsratsmitglied Martin Ebner. Die von ihm geführte BZ Gruppe Holding AG ist mit 7,2 % vor der schwedischen Wallenberg-Gruppe (unter 5 %) der größte ABB-Aktionär.

In der verstärkten Nutzung der Informationstechnologie und des Internets sieht die Bank Vontobel AG ein bedeutendes Kostensenkungspotenzial. Die von Centerman genannten Ziele beurteilt Chefanalyst Thomas Pfyl als ambitioniert, aber erreichbar.

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