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16.01.2003

09:16 Uhr

Schwächstes Wachstum seit Wiedervereinigung

Staatsdefizit lag 2002 bei 3,7 Prozent

Die deutsche Wirtschaft ist im vergangenen Jahr so langsam gewachsen wie seit der Rezession 1993 nicht mehr und wäre ohne die Auslandsnachfrage geschrumpft.

Reuters WIESBADEN. Das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) habe 2002 zum Vorjahr inflationsbereinigt um 0,2 % zugelegt, sagte der Präsident des Statistischen Bundesamtes, Johann Hahlen, am Donnerstag in Wiesbaden auf Basis vorläufiger Berechnungen. Experten machten für das schwache Wachstum vor allem die lahme Weltkonjunktur, die gefallenen Aktienkurse, aber auch die hohe Arbeitslosigkeit und die schlechte Stimmung der Verbraucher verantwortlich. Das Staatsdefizit belief sich 2002 auf 3,7 % des BIP und lag damit deutlich über der Defizit-Obergrenze der Europäischen Union (EU) von 3 % .

"Insgesamt gesehen ist in Deutschland im Jahr 2002 wie bereits im Vorjahr die Wirtschaftsentwicklung enttäuschend verlaufen", sagte Hahlen. Dabei sei das geringe Wachstum "praktisch nur von der Auslandsnachfrage getragen" worden. Denke man sich den Außenbeitrag weg, wäre die deutsche Wirtschaft um 1,3 % geschrumpft.

Von Reuters befragte Analysten hatten im Schnitt ein BIP-Wachstum von 0,2 % im Jahr 2002 erwartet. 2001 hatte das BIP-Wachstum noch bei 0,6 % gelegen. Damit lag es ebenfalls deutlich unter dem Durchschnitt der 90er Jahre von 1,5 %.

Auslandsnachfrage stütze Wirtschaft

DZ-Bank-Anaylyst Bern Weidensteiner sagte mit Blick auf die BIP-Zahlen für 2002: "Das sind natürlich deprimierende Bilder, aber im Grunde nicht überraschend." Der Privatkonsum liege am Boden, einziger Rettungsanker sei der Export. Nach Angaben des Statistikamtes legten die Exporte 2002 um 2,9 % zu. 2001 war noch ein Exportplus von fünf Prozent verzeichnet worden. Die Importe gingen dagegen um 1,3 (2001: plus 1,0) Prozent zurück. Ralph Solveen von der Commerzbank sagte: "Es bestätigt sich erneut, dass das Ausland uns noch gerade über Wasser hält, während die Inlandsnachfrage kräftig zurückgegangen ist."

Das Finanzierungsdefizit des Staates belief sich 2002 den Angaben des Statistik-Amtes zufolge auf 77,2 (57,5) Milliarden Euro. Damit ergab sich eine Defizitquote von 3,7 % des BIP. Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) hatte erst am Dienstag das Ziel seiner Regierung bekräftigt, die Defizitquote in diesem Jahr wieder unter die Drei-Prozent-Marke zu drücken. Hahlen sagte, bis zur Bekanntgabe der endgültigen BIP-Daten könne sich die Defizitquote noch um bis zu 0,2 % verbessern. Der Grund sei, dass sich im Dezember die Steuereinnahmen auf das Gesamtjahr gesehen um gut zwei Milliarden Euro verbessert hätten, was aber noch nicht in der Statistik berücksichtigt worden sei.

Die endgültigen BIP-Daten für 2002 will das Statische Bundesamt Ende Februar vorlegen.

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