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22.01.2003

08:03 Uhr

Schweizer Allfinanzkonzern macht im vierten Quartal eine Milliarde Franken Verlust

Credit Suisse räumt mit Altlasten auf

Die Credit Suisse Group hat in ihrem Jahresabschluss 2002 alle alten Risiken aufgearbeitet. Das Ergebnis ist ein Rekordverlust von 3,4 Mrd. sfr. Die Anleger begrüßten das Großreinemachen und trieben den Kurs nach oben.

ef ZÜRICH. Für das vierte Quartal 2002 meldet der Schweizer Allfinanzkonzern Credit Suisse Group (CSG) einen Verlust von 1 Mrd. sfr. War in den Vorquartalen vor allem die Winterthur Versicherung für die schlechten Resultate verantwortlich, so ist es diesmal das Großreinemachen bei der Investmentbank Credit Suisse First Boston (CSFB). Bei der New Yorker Tochter der CSG räumte Co-Chef John Mack mit den Fehlentwicklungen aus der Börseneuphorie 1999 und 2000 kräftig auf.

So legte die CSFB im Schlussquartal mit einer Nettobelastung von 456 Mill. sfr eine Reihe von Rechtsstreitigkeiten bei. Dabei ging es um Klagen von privaten Anlegern wegen eklatanter Interessenkonflikte bei Analysten, die öffentlich Aktien empfahlen, die sie intern für Müll hielten sowie um Zuteilungspraktiken bei Neuemissionen (IPO) in den USA, bei denen potenzielle Kunden stark bevorzugt wurden. CSFB legte auch Klagen im Zusammenhang mit der Pleite des Energiehändlers Enron bei.

Die generelle Übereinkunft mit US-Justizbehörden, in der Investmentbanken gelobten, ihre kritisierten Geschäftspraktiken aus den Boomjahren abzustellen, kostete CSFB netto 193 Mill. sfr an Strafgeldern. Der Verkauf der auf die Abwicklung von Wertpapiergeschäften spezialisierten Tochter Pershing an die Bank of New York für rund 2,8 Mrd. sfr brachte einen Buchverlust von 390 Mill. sfr. Der Verkauf soll in der ersten Hälfte 2003 abgeschlossen werden, wobei der endgültige Preis noch von der Performance von Pershing anhängt. Zudem sind im Quartalsverlust 72 Mill. sfr für die Restrukturierung der europäischen Vermögensverwaltung sowie netto 226 Mill. sfr für Kostensenkungen um 780 Mill. sfr bei der CSFB enthalten.

Auf der anderen Seite wird die Quartalsrechnung um 520 Mill. sfr entlastet, weil die Rechnungslegungs-Vorschriften für die Aktivierung latenter Steuerguthaben geändert wurden, die als Folge operativer Verluste in der Zukunft anfallen.

Auf der Basis dieser vorläufigen Zahlen wird die CSG für 2002 einen Rekordverlust von rd. 3,4 Mrd. sfr ausweisen. In ersten Reaktionen wird positiv vermerkt, dass trotzdem die Kernkapitalquote von 9,0 % verteidigt wurde. Dieses Niveau galt bereits für das Ende September 2002 abgeschlossene Vorquartal. Die beiden Co-Chefs Oswald Grübel und John Mack kündigten erneut an, dass sie die CSG trotz anhaltender schwieriger Marktbedingungen im laufenden Jahr in die Gewinnzone zurück führen wollen. Mack plant, die Kostenstruktur der CSFB weiter an die schwierigen Marktbedingungen anzupassen. Seit Herbst 2001 habe die Investmentbank ihre Kosten bereits um 4,7 Mrd. sfr gesenkt.

Während auf Mack in seinem Bereich CSFB noch wichtige Aufgaben zur Erledigung warten, ist sein Kollege Grübel bei den von ihm direkt geführten Credit Suisse Financial Services (CSFS) schon einen Schritt weiter. Er gab für das vierte Quartal bekannt, dass die drei CSFS-Divisionen Winterthur Versicherungen, Vermögensverwaltung (Private Banking) und das Schweizer Filialgeschäft einen Gewinn von 650 Mill. sfr erzielten. Obwohl dank besserer Anlageergebnisse auch die Winterthur im Schlussquartal in die Gewinnzone zurückkehrte, schloss CSFS das Gesamtjahr 2002 mit einem Verlust von 220 Mill. sfr ab.

Die Anleger zeigten sich trotz des Rekordverlustes zuversichtlich, dass die CSG 2003 den Turnaround schafft. Die Aktien zogen zu Börsenbeginn um über 5 % auf 33,20 sfr an, bevor sie wieder etwas abgaben. Seit Jahresbeginn beläuft sich das Plus auf 10 % und seit dem Tiefstand im Oktober 2002 sogar auf rund 50 %. Die Bank Vontobel vermerkt zu der jüngsten Entwicklung des Allfinanzkonzerns positiv die Verbesserungen bei den Winterthur Versicherungen. Die Sonderlasten bei der CSFB waren erwartet worden. Im endgültigen Abschluss für das Jahr 2002 könnten indessen noch weitere Goodwill-Abschreibungen auf Credit Suisse zukommen. Für 2003 hat Vontobel bereits im November 2002 ihre Gewinnschätzung von zuvor 2,2 Mrd. auf jetzt noch 1,45 Mrd. sfr reduziert. Wenn sich die Winterthur Versicherungen weiter positiv entwickeln, sei allerdings eine Anhebung der Gewinnerwartungen für 2003 denkbar.

Vontobel favorisiert weiter UBS-Aktien, weil der größere Rivale im Vergleich zur CSG "das weniger aggressive Geschäftsmodell" verfolge. Aber die Analysten der Züricher Privatbank geben auch den CSG-Aktien wieder bessere Chancen, wenn sich im weiteren Jahresverlauf eine Trendwende an den internationalen Börsen abzeichnen sollte.

Quelle: Handelsblatt

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