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02.03.2003

13:46 Uhr

Schweizer gewinnen America's Cup

Alinghi schafft die Sensation

Die Schweizer Yacht "Alinghi" hat mit ihrem deutschen Sportdirektor Jochen Schümann die Segelwelt auf den Kopf gestellt. Erstmals in der 152-jährigen Historie der ältesten und berühmtesten Regatta der Welt ist der America's Cup nach Europa entführt worden - noch dazu von dem Binnenland Schweiz, das im Segelsport bislang keine Rolle spielte.

Die Crew der Alinghi hat es geschafft. Foto: dpa

Die Crew der Alinghi hat es geschafft. Foto: dpa

HB/dpa AUCKLAND. Mit dem fünften und entscheidenden Sieg gegen Titelverteidiger "New Zealand" machten die die internationale Crew auf dem Schweizer Schiff am Sonntag vor Auckland/Neuseeland die Sensation perfekt.

Schümann hat mit diesem Erfolg den "Mount Everest" des Segelsports erklommen. Dem dreifachen Olympiasieger aus dem bayerischen Penzberg ist es als erstem deutscher Segler gelungen, den legendären America's Cup zu gewinnen. Mit dem Cup-Triumph hat sich der gebürtige Berliner einen Platz in der ersten Reihe der ewigen Weltbestenliste des Segelsports gesichert. "Ich glaube, wir haben diesen Sieg verdient. Wir waren einfach in jedem Detail ein kleines bisschen besser als unsere Gegner", meinte der 48 Jahre alte "Alinghi"-Sportdirektor.

Sekunden nach dem Zieldurchgang riss Schümann die Arme in die Höhe, stieß die Zeigefinger zum Zeichen des Sieges in den Himmel und jubelte: "Ich bin überglücklich!" Schümann war es auch, der den ersten Champagner-Korken an Bord knallen und seine Mannschaftskameraden in den Fontänen baden ließ. "Der ganze Tag war wie ein einziger Traum", berichtet Ehefrau Cordula Schümann, die seit Herbst vergangenen Jahres ihrem Mann vor Ort die Daumen drückte.

Profi-Segler Tim Kröger aus Hamburg, der an Bord der französischen Yacht "Le Defi" in der Qualifikation gescheitert war, zeigte sich beeindruckt von der "Alinghi"-Crew. "Sie haben wie ein Schweizer Uhrwerk mit internationalen Zahnrädern und einer deutschen Batterie funktioniert."

Mit dem Schweizer Cup-Durchmarsch geht die neuseeländische America's-Cup-Ära vorerst zu Ende. Die teilnahmslose Reaktion der Zuschauer während der Siegerehrung symbolisiert den Schock, unter dem die Segelgroßmacht steht. Doch das erwartete Selbstmitleid blieb aus. Am Abend zollte Teamchef Tom Schnackenberg den Siegern Respekt: "Alinghi hat eine fabelhafte Leistung gezeigt. Wir dagegen haben durch eigene Fehler verloren."

Im Ringen um Versöhnung nach der monatelangen Hetzkampagne gegen "Alinghi"-Skipper Russell Coutts und fünf weitere Neuseeländer, die im Jahr 2000 nach Querelen ins Schweizer Team gewechselt waren, bemühte sich "Alinghi"-Eigner und Navigator Ernesto Bertarelli um moderate Töne. "Ich danke Neuseeland, denn wir hatten ­ egal, was alles passiert ist - eine wunderbare Zeit hier", sagte der 38 Jahre alte Schweizer Pharma-Milliardär. "Man kann eben doch Dinge möglich machen, von denen man glaubt, dass sie unmöglich sind. Wenn es also möglich ist, den America's Cup aufs Matterhorn zu bringen, dann werden wir auch das tun."

Zu den Herausforderern des nächsten America's Cup bis spätestens 2007 könnte auch ein deutsches Team zählen. In Auckland machte die Runde, dass der Münchner Unternehmer Michael Illbruck ein 90 Mill. ? teures Projekt plane und dafür auch schon Partner in Aussicht habe. Das erste deutsche Team müsste aber ohne Schümann auskommen. "Wenn man mit der Alinghi Challenge den Cup gewonnen hat, dann möchte man ihn auch zusammen verteidigen", sagte der Ausnahmesportler.

Zunächst erwartet ihn und die aus allen Teilen der Welt zusammengestellte Belegschaft ein großer Bahnhof in der Schweiz, wo in der Nacht über 600 Segel-Fans im Genfer Heimathafen von Bertarelli bereits feierten. Für den 8. März ist ein großer Empfang durch die Genfer Kantonsregierung geplant. Dann soll das "Multi-Kulti-Team", das der UN-Sonderbeauftragte für Sport Adolf Ogi als kleine UNO tituliert hatte, mit der Trophäe an Tausenden von Fans vorbei entlang des Genfer Sees ziehen. Die Schweizer Post wird die Sieger mit einer Sonderbriefmarke ehren.

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